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138 Schüler halten Warnstreik ab Ganderkeseer Oberschüler wollen zusammen lernen

Von Katja Butschbach | 05.03.2015, 20:39 Uhr

Für den Erhalt ihrer Klassengemeinschaften haben am Donnerstag 138 Schüler aus den Klassen 7 und 8 der Oberschule Ganderkesee gestreikt.

Denn an ihrer Schule steht für den ersten Jahrgang, der in die neunte Klasse der Oberschule kommt, nun eine grundlegende Entscheidung an: Die Schüler werden entweder wieder in Haupt- und Realschulzweig getrennt – oder sie bleiben in ihren bisherigen Klassenverbänden und werden in Mathe, Deutsch, Englisch und einer Naturwissenschaft getrennt unterrichtet.

Sitzstreik in der Aula

Die Schüler, die in der Aula eine Schulstunde lang einen Sitzstreik machten und Plakate für die Aktion gebastelt hatten, waren sich sehr einig darüber, welche der beiden Lösungen sie favorisieren: Von 150 Schülern der beiden Jahrgangsstufen schlossen sich 138 der Meinung an, dass weiterhin zusammen gelernt werden solle.

Abstimmung am 17. März

Karin Klippenstein (14), eine der Organisatorinnen des Streiks, erklärte, dass die Schwachen durch weiteres gemeinsames Lernen eine Chance hätten, den Realschulabschluss zu machen. Mit ihrer Aktion wollten die Schüler den Lehrern zeigen, welche Meinung sie vertreten. Denn am 17. März stimmt der Schulvorstand, in dem sechs Lehrer sowie je drei Eltern und drei Schüler vertreten sind, über die Zukunft der jetzigen Achtklässler ab. „Wir wurden schon mal getrennt, in der achten Klasse. Das war blöd“, sagt Jasmin Beier (15). Auch Christian Cusminus (16) lobte die „perfekte Klassengemeinschaft“.

Schwierige Abwägung für Lehrer

Schulleiter Manfred Gliese konnte gestern nicht sagen, in welche Richtung die Stimmung im Lehrerkollegium tendiert. Viele Lehrer würden dies zwiespältig sehen, sagte Gliese, und führte einige Argumente an: Die integrative Beschulung sei eine gute Sache, aber man gerate damit auch an Grenzen. Schwache könnten bei gemeinsamer Beschulung von den Starken lernen, auf das Sozialverhalten könne sich die Situation positiv auswirken. Aber man könne bei einer homogenen Gruppe besser fördern und fordern.

Lehrerin gratuliert Schülern

Taalke Josteen, Lehrerin einer achten Klasse, sagte: „Mir hat sich die Entscheidung nie gestellt, sie zu trennen.“ Jeder spreche von Inklusion, nun sollten Schüler vielleicht wieder getrennt werden, kritisierte Josteen. Später gratulierte sie ihren Schülern, dass sie ihre Meinung kundgetan hatten, was einen großen Applaus verdient hätte.

In Bookholzberg wird es Trennung in Haupt- und Realschulzweig geben

In der Oberschule Bookholzberg ist die Entscheidung zwischen den beiden Varianten laut Schulleiterin Daniela Feldhaus bereits Ende des vergangenen Schuljahres gefallen: Die Schüler werden in Haupt- und Realschulzweig aufgeteilt. Man habe transparent entschieden, habe „keine Vereinzelung durch Verkursung“ gewollt. Einzelne Fächer sollen übergreifend unterrichtet werden.