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Einzigartiges Projekt 24 Kinder lernen spielend beim Feriensprachcamp im RUZ Hollen

Von Niklas Golitschek | 18.10.2019, 11:30 Uhr

Mit Trommeln, Singen und Kochen lernen die Kinder beim Feriensprachcamp die deutsche Sprache. Davon profitieren nicht nur die Kinder selbst, sondern auch die Gemeinde und die Helfer, sagen die Organisatoren.

An die lautere Geräuschkulisse in den Herbstferien haben sich die Mitarbeiter des Regionalen Umweltzentrums (RUZ) Hollen inzwischen gewöhnt. Bereits zum fünften Mal bieten sie in diesem Jahr das Feriensprachcamp für Kinder geflüchteter Familien an.

Schon morgens tummelten sich die Kinder am Mittwoch im Eingangsbereich und zogen sich wetterfest an: Die zuvor gesammelten Äpfel wollten sie nun schneiden und aus ihnen einen leckeren, natürlichen Saft pressen. „Das war noch leise, nachmittags ist es hier noch lauter“, sagte Claudia Kay vom RUZ und lachte.

Einzigartiges Konzept

Dass die Kinder hier aktiv sind, ist durchaus gewollt und gehört zum einzigartigen Konzept, das das Umweltzentrum gemeinsam mit der Bürgerstiftung Ganderkesee und dem Grundschulverband unter Federführung von Lehrerin Bettina Schirdewahn entwickelt hat. Schirdewahns Schwerpunkt ist Deutsch als Zweitsprache.

Ob Apfelsaft pressen, Pommes selber zubereiten, eine Schatzsuche, ein Bauernhofbesuch oder Musik, Gesang und Spiel – die 24 Kinder haben sich aufgeteilt in vier Kleingruppen und hatten volles Programm. Doch Spiel und Spaß mit dem Umweltbezug dienen hier auch einem übergeordneten Zweck. „Viele Bereiche sind handlungsorientiertes Lernen“, sagte die Pädagogin Schirdewahn.

Über Musik zur Sprache

Auch Astrid Fuchs, Projektleiterin des Feriensprachcamps für die Bürgerstiftung und pensionierte Lehrerin, zeigte sich begeistert von dem Konzept und nannte als Beispiel das Trommeln und Sprechen: „Von der Sprachpsychologie ist das ein wesentlicher Punkt. Über Musik kann man den Rhythmus der Sprache lernen.“ In der Ferienwoche im RUZ sei das in einem größeren Umfang möglich als in den Klassenräumen.

In den fünf Jahren des Feriensprachcamps seien bereits mehr als 150 Kinder aus den sechs Ganderkeseer Grundschulen trainiert worden, die auch die Teilnehmer vorschlagen. Überwiegend kämen sie aus arabisch und kurdisch sprechenden Familien, persisch sei auch häufig vertreten, sagt Fuchs. Die Kinder teilt sie inzwischen in ihre Sprachen und nicht Nationalitäten ein: „Wir wollen die Kinder in ihrer Sprache in Deutschland sehen, nicht in der Nationalität der Eltern. Sie sind teils hier geboren und kennen das Heimatland ihrer Eltern nicht mehr.“

Großer logistischer Aufwand

Dahinter stecke auch ein großer logistischer Aufwand, um die Kinder täglich mit dem Bus zum Umweltzentrum zu bringen, sagt Fuchs. Ohne die finanzielle Unterstützung durch die Postcode-Lotterie, die EWE-Stiftung, den Lions-Club Delmenhorst, die Gemeinde und den Landkreis sowie der täglichen Brötchenspende durch die Bäckerei Krützkamp wäre das Sprachlerncamp kaum möglich. Auch im mit 55 Projekten üppig gefüllten Portfolio der Bürgerstiftung mache sich das Feriensprachcamp gut, sagte Klaus Fuchs vom Vorstand. „Aber selbst für die Routine braucht es viel Aufwand, weil sich Gesetze und die Kundschaft jedes Jahr ändern“, merkte er an. Doch angesichts der zu erwartenden Zuzugs weiterer Schutzsuchender habe das Projekt das Potenzial, der Gemeinde auch langfristig zu Gute zu kommen.

Profitieren würden dabei auch 17 Helfer, unter anderem Lehramtsstudenten, hat Lehrerin Schirdewahn festgestellt. „Das Feriensprachcamp ist eine Herausforderung für sie“, sagte Schirdewahn. Doch die Beteiligten würden sich schnell einbringen und soziale Kompetenzen aufbauen und würden für das Thema Deutsch als Zweitsprache sensibilisiert: „Das könnte ausschlaggebend für ihren beruflichen Weg sein.“