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30 Hektar Blühstreifen gepflanzt Wie Landwirte in Ganderkesee die Artenvielfalt schützen

Von Thorsten Konkel, Thorsten Konkel | 05.07.2017, 11:16 Uhr

Während sich andernorts Landwirte und Naturschützer überhaupt nicht „grün“ sind in der Frage, wer wie für den Artenerhalt eintreten soll, sitzen in der Gemeinde Ganderkesee schon seit Jahren Ortslandvolk, Gemeinde, Naturschützer und Jäger an einem runden Tisch. Ihr Ziel: Vor Ort die biologische Vielfalt zu gewähren.

Dazu gehört auch die Anlage von Blühstreifen auf Ganderkesees Ackerflächen. Nachdem dieses Langzeitprojekt im vergangenen Jahr angesichts bürokratischer Hemmnisse, die vor allem in umfangreichen Dokumentationsanforderungen gipfelten, auf der Kippe stand, haben sich die Wogen inzwischen wieder geglättet.

Aktion vom Runden Tisch Natur

Die Projektbetreiber vom Runden Tisch Natur beschafften das Saatgut und sorgten für die Bestellung der Blühstreifenflächen Mitte Mai unter anderem durch den Landwirt Jürgen Holschen aus Thienfelde.

30 teilnehmende Landwirte

Jetzt können sich die rund 30 teilnehmenden Landwirte, darunter Rainer Bücking vom Fahrener Weg, an der Blütenpracht ebenso erfreuen wie Radler, Jogger oder Spaziergänger. Doch es geht nicht nur um den schönen Schein: 30 Hektar ihrer landwirtschaftlich nutzbaren Fläche haben die Landwirte in diesem Jahr freiwillig aus der Produktion genommen, um diese Agrarlandschaft aus ökologischer Sicht aufzuwerten. Denn um die Lebensbedingungen für Bienen, sonstige Insekten und andere Tiere ist es derzeit bundesweit nicht allzu gut bestellt.

Alarmierende Entwicklung

Gerade erst hat dies auch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) in seinem aktuellen Agrar-Report zur biologischen Vielfalt bestätigt: „Diese Entwicklung muss für uns alle alarmierend sein“, erklärt BfN-Präsidentin Professorin Beate Jessel auf der Internetseite des Ministeriums. Für seinen Agrar-Report hat das Bundesamt eigenen Angaben zufolge Ergebnisse aus verschiedenen Forschungsvorhaben zur Entwicklung der Natur in der Agrarlandschaft zusammengeführt. Das Ergebnis: „Praktisch alle Tier- und Pflanzengruppen in der Agrarlandschaft sind von einem eklatanten Schwund betroffen. Besonders deutlich wird dies beispielsweise bei den Vögeln und den Insekten“, betont die BfN-Präsidentin.

Weniger Bienen und sonstige Insekten

Diese Einschätzung kann Landwirt Bücking in Teilen bestätigen: „Wir Landwirte nehmen es doch genau so wahr wie die Bürger – es gibt weniger Bienen und Insekten“, sagt er. Auch die Zahl der Fasane hat in Ganderkesee abgenommen. Die Theorie der Wildtierforschung: Die Fasanenküken finden schlicht keine Insekten mehr.

Der Natur auf die Sprünge Helfen

In Ganderkesee ist der Bestand dieser Bodenbrüter sogar so weit gesunken, dass der Ganderkeseer Hegeringleiter Jan-Bernd Meyerholz und Alt-Bauer Bernhard Bücking im Mai am Fahrener Weg zehn Hennen und zwei Hähne ausgesetzt haben, um der Natur auf die Sprünge zu helfen.

Spezielles Saatgut gepflanzt

Auf rund 500 Metern Länge entlang seines Feldes am Fahrener Weg hat Rainer Bücking spezielles Saatgut pflanzen lassen. Gelbsenf, Buchweizen und Sonnenblumen sollen nun auf einer Gesamtfläche von 3500 Quadratmetern über einen möglichst langen Zeitraum den Insekten ein ausreichendes Nahrungsangebot bieten. Auch um die Bienengesundheit hat sich der Landwirt schon Gedanken gemacht: „Die Rückkehr zur Fruchtvielfalt fordert inzwischen auch schon der Gesetzgeber“, sagt er.