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32 Lesepaten in Ganderkesee Ehrenamtliche machen Grundschülern Lust aufs Lesen

Von Dirk Hamm | 27.06.2017, 17:02 Uhr

32 ehrenamtliche Lesepaten, zumeist Frauen, unterstützen Ganderkeseer Grundschüler beim Erlernen des Lesens.

Dass das Engagement der vom Freiwilligen-Forum „Mach mit“ vermittelten Lesepaten dringend benötigt wird, verdeutlicht eine Zahl: Jedes fünfte Kind in Deutschland tut sich sehr schwer damit, lesen und schreiben zu lernen.

Das berichtete Anika Schmidt, die sich seit Jahren beruflich auch mit der Leseförderung befasst, am Dienstag im Rathaus Ganderkesee. Die Leiterin der Stadtbücherei Delmenhorst und nebenberufliche Workshop-Dozentin war als Referentin zur jährlichen Fortbildung der Ganderkeseer Lesepaten eingeladen worden.

Mangel an lesenden Vorbildern im Elternhaus

Ob die Leseschwäche auch genetisch bedingt ist, darüber streiten sich laut Schmidt die Experten. Entscheidend ist aus ihrer Sicht eine mangelnde Lesesozialisation im Elternhaus: „Häufig wird zu Hause nicht gelesen und vorgelesen, fehlt es an lesenden Vorbildern.“

Kinder mit einer Leseschwäche sind ohne eine individuelle Förderung schnell in einen Teufelskreis gefangen, erläuterte die Bibliothekarin. Denn wem die Verarbeitung des gedruckten Wortes schwerfalle, fühle sich schnell unter Druck gesetzt. „Das Lesenlernen ist für diese Kinder mit Frustration verbunden. Sie verzweifeln und bekommen das Gefühl, nie das leisten zu können, was die Klassenkameraden leisten.“

Lesepaten müssen Vertrauen aufbauen

Die Schüler würden dann oftmals gehänselt und in eine Außenseiterposition gedrängt. Förderangebote hingegen würden von ihnen häufig als Bestrafung missverstanden.

Petra Holzapfel-Sperling ist seit acht Jahren Lesepatin an der Grundschule Lange Straße. Sie begleitet ihre Leseschützlinge jeweils von der ersten bis zur vierten Klasse. „Sie haben eine niedrige Frustrationsschwelle. Es geht bei der Förderung nicht rein um Didaktik, der Schwerpunkt liegt darin, einen Zugang zu den Kindern zu entwickeln und Vertrauen aufzubauen“, beschreibt die Lesepatin den Kern ihrer ehrenamtlichen Arbeit.

Bedarf zuletzt ausreichend gedeckt

Jeweils ein Kind wird von einem Paten ganz individuell gefördert, so sieht es das Konzept vor. Diese Schüler verlassen dabei den Leseunterricht. Auf Abstimmung mit dem Unterrichtsstoff der Klasse wird geachtet.

Wie in die Leseförderung auch spielerische Elemente einbezogen werden können, zeigte Anika Schmidt in dem Workshop auf: „Zum Beispiel kann das Silbenlernen auch draußen im Rahmen eines Hüpfspiels erfolgen.“

Mit 32 aktiven Lesepaten konnte im zu Ende gegangenen Schuljahr laut Christa Wachtendorf von „Mach mit“ der Bedarf gedeckt werden: „Die Grundschulen haben uns nicht signalisiert, dass weitere Lesepaten dringend benötigt werden.“ Allerdings könne sich nach den Ferien mit der veränderten Schülerschaft ein neuer Bedarf ergeben.