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500 begeisterte Besucher Bremer Kaffeehaus-Orchester glänzt in Ganderkesee

Von Alexander Schnackenburg | 10.01.2016, 12:02 Uhr

Kaffee und Kuchen zu Verdi, eine Tenor-Arien „schmetternde“ Flöte, Strauß-Walzer und Opern-Ouvertüren ohne Schlagwerk, aber mit Klavier: Wenn ein professionelles Kammerensemble der Region das Adjektiv „unverwechselbar“ verdient, dann ist es sicher das Bremer Kaffeehaus-Orchester.

Der glänzende Ruf der Musiker mit ihren eigenwilligen Arrangements ist ihnen bis nach Ganderkesee vorausgeeilt und bescherte ihnen am Samstagnachmittag zum Neujahrs-Wunschkonzert bei Backenköhler knapp 500 sichtlich wie hörbar angetane Zuhörer.

„Wunschkonzert-Wunschzettel“ auf den Tischen

Zuhörer, die zumindest Teile des Programms selbst bestimmten. Denn auf den Tischen bei Backenköhler lagen „Wunschkonzert-Wunschzettel“, auf welchen das Publikum aus 44 Stücken drei seiner Wahl ankreuzen durfte. Die meist gewählten Kompositionen spielte das Kaffeehaus-Orchester sodann. Richard Eilenbergs „Petersburger Schlittenfahrt“ machte das Rennen, gefolgt von Johann Strauß’ „Wiener Blut“ und der englischen Volksweise „Greensleeves“ sowie Maurice Ravels „Bolero“ – ein fast schon wüstes und doch wunderbares Potpourri.

Seit 25 Jahren in unveränderter Besetzung

Eingestiegen waren die Musiker, die seit über 25 Jahren in unveränderter Besetzung zusammen spielen, „extra so, wie die Wiener Philharmoniker aufgehört haben“, charakterisierte Moderator, Flötist, Klarinettist und Saxofonist Klaus Fischer kurz und knapp den Geist des Konzerts wie des Ensembles: Das Kaffeehaus-Orchester schätzt klassische Traditionen, liebt das klassische Repertoire, macht aber eben alles ein bisschen anders als andere Ensembles, erst recht als andere Kammerensembles, wie schon das Repertoire beweist. Ebenso ist es auch bei Backenköhler gewesen.

Streicher im großen Saal elektronisch verstärkt

Die Violine (Constantin Dorsch), den Kontrabass (Anselm Hauke) und das Violoncello (Gero John) hatten die Musiker elektronisch verstärkt, damit die Streicher im großen Saal Backenköhlers nicht untergingen, vielleicht aber auch, um, zumindest partiell, eben doch die Illusion vom großen Orchestersound zu erzeugen.

Um das Fehlen der Gesangsstimmen etwa in Giuseppe Verdis Arie „La donna è mobile“ zu kompensieren, griff Klaus Fischer zur Flöte, das elektrische Klavier (Johannes Grundhoff) erledigte den „Rest“: Kammermusik voller dezenter Selbstironie und vor allem Einfallsreichtum. Das Publikum folgte dem Spielwitz des Bremer Kaffeehaus-Orchesters begeistert.