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Abschied nach über 100 Jahren Stühlerücken beim SV Hengsterholz-Havekost

Von Thorsten Konkel | 04.12.2015, 20:26 Uhr

Nach Auslaufen des Pachtvertrags zieht der SV Hengsterholz-Havekost nach Adelheide um. Die Schützen wollen ihre über 100-jährige Tradition beim SSV fortsetzen.

„Die Königstafeln müssen in Sicherheit gebracht werden“, sagt Michael Schulz und wuchtet eine der schweren Holztafeln von der Wand des Vereinheims. Seit 1899 haben die Schützen des traditionsreichen SV Hengsterholz-Havekost darauf die Namen ihre Schützenkönige festgehalten. Unterdessen räumt seine Frau Mechthild einige der vielen Pokale von den Regalen ab und verstaut sie sorgfältig.

Abschied nehmen ist in diesen Tagen bei den Schützen in Hengsterholz angesagt: Der Pachtvertrag läuft aus, zum Jahresende verliert der Verein sein seit Jahrzehnten angestammtes Domizil (dk berichtete).

Pachtvertrag läuft aus

Der Pachtvertrag läuft aus, der Verein verliert zum Jahresende sein seit Jahrzehnten angestammtes Domizil .

„Damit endet hier eine über 100-jährige Tradition“, bedauert Schulz, der erst im Januar nach dem Tod von Horst-Dieter Horstmann zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde. Seit der Gründung im Jahr 1899 hatten Hengsterholzer und Havekoster neben dem ehemaligen Landgasthaus Segelken Wettkämpfe veranstaltet und Schützenfeste gefeiert.

Neue Pläne für alte Wirkungsstätte

Doch schon während des Übergangs vom Landgasthaus zur „Texas River Ranch“, die inzwischen ebenfalls Geschichte ist, zeichnete sich ab, dass die Immobilieneigentümer andere Pläne mit dem Gelände haben. Das hat sich auch mit der neuen Gastronomie „White Buffalo“ nicht geändert Ein Biergarten soll wohl gebaut werden.

Stühlerücken hat begonnen

Nach der Weihnachtsfeier am Freitagabend geht das große Stühlerücken auf der Schießanlage weiter. Der Verein muss gleich auf mehrere Standorte ausweichen. „Beim Kleinkaliberschießen gehen wir auf die Anlage des SSV Adelheide. Die Lichtpunkt-Anlage möchten wir gerne im Sportlerheim Hengsterholz aufbauen“, sagt Michael Schulz. Und auch das Schützenfest wird künftig neu geregelt werden müssen. Am Marsch durch das Dorf und zum Ehrenmal solle aber festgehalten werden.

An Erfahrung für das Großvorhaben, den Verein jetzt in dieser schwierigen Lage zusammenzuhalten, mangelt es Schulz nicht. Er war in den vergangenen 19 Jahren zweiter Vorsitzender des Schützenvereins.

SSV dabei – spielt auch der TSV mit?

Doch während sich die Schützen mit dem SSV Adelheide bereits einigen konnten, steht die Zustimmung des Turn- und Sportverein Hengsterholz-Havekost noch aus. „Im Februar halten die Sportler ihre Hauptversammlung ab, dann wird abgestimmt“, sagt Schulz. Schießen mit dem „Lichtgewehr“, das sei vor allem für Kinder und Senioren interessant – beide Gruppen seien nicht so mobil, um regelmäßig nach Adelheide zu fahren. Heino Brackhahn, Präsident des Ganderkeseer Schützebundes, begrüßt die Kooperation. „Ich hoffe, dass das auf Dauer klappt und das eigenständige Vereinsleben erhalten bleiben kann“, sagt er. Dafür will Michael Schulz sorgen. „Üben werden wir gemeinsam mit dem SSV, unsere Vereins-, Freundschafts- und Herbstschießen richten wir allein aus.“