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Alltagsgeschichten auf Platt Ganderkeseer Autoren bringen erstes Buch raus

Von Marie Busse | 17.11.2018, 14:33 Uhr

Geschichten aus dem Alltag, Sinniges und Humorvolles. All das hat das Ganderkeseer Ehepaar Timo und Martina Brünjes jetzt auf Plattdeutsch zu einem Buch zusammengefasst.

Die Rechtschreibprüfung ausschalten, das steht beim Schreiben ihrer Geschichte an erster Stelle. „Im Plattdeutschen gibt es ja keine eindeutige Rechtschreibung“, erklärt Martina Brünjes. Alle Wörter blinkten als falsch geschrieben auf. „Und bei Autokorrektur werden die Wörter auch noch ins Hochdeutsche verändert“, fügt ihr Mann Timo schmunzelnd hinzu. Ist das erledigt, kann das Schreiben ihrer mal heiteren, mal ernsten Anekdoten und Kurzgeschichten beginnen. „Manchmal sind es einfach Alltagssituationen, aus denen ich eine Geschichte stricke“, beschreibt Timo Brünjes und ergänzt: „Es sind auch Heimatgeschichten zum Beispiel vom Fernsehturm in Steinkimmen dabei.“ Oft gebe es einen wahren Kern, aber es werde auch geflunkert.

Buch mit 46 Kurzgeschichten

Aus all diesen Geschichten, von denen auch einige in „de plattdütsche eck“ im dk erschienen sind, ist jetzt das Buch „Schatz, ik will nich in Urlaub or Worum Deko slecht is för de Ehe“ mit 46 Kurzgeschichten entstanden. Das Buch wartet mit einem breiten Portfolio auf: „Es sind auch Erlebnisse aus unserer Ehe dabei“, sagt Timo Brünjes. In seiner ersten Geschichte beschreibt der 42-Jährige die Schwierigkeit, zwischen Deko und Schmutz zu unterscheiden. Ehefrau Martina schildert in einer Geschichte, wie sie sich mit ihrer Mutter ihrer Schwiegermutter, einer Landkarte und einem Navigationsgerät auf den Weg zur Nordsee macht. Und sie widmet sich ernsten und persönlichen Themen: In einer kurzen Geschichte sinniert sie über Liebe, Krankheit und Verlust. „Hebbt wi de gemeensaame Tiet nutzt?“, das ist ihre zentrale Frage.

Plattdeutsch erlebt eine Renaissance

Dass sie ihre Geschichten in einem Buch zusammenfassen wollen, den Entschluss fassten die beiden 42-Jährigen schon früh. Am Mai dieses Jahres entstand der erste Kontakt zum Oldenburger Verlag Isensee. „Die Geschichten waren für uns ein Glücksfall“, sagt Verleger Florian Isensee. Plattdeutsche Geschichten im Hier und Jetzt, geschrieben von jüngeren Autoren, das werde nachgefragt. Ohnehin erlebe die plattdeutsche Sprache eine kleine Renaissance. Isensee: „Die Schüler lernen wieder plattdeutsch. Auch da würde sich das Buch von den Eheleuten Brünjes anbieten.“ Zudem weichen lokale Mundarten laut Isensee auf. „Noch vor wenigen Jahren wäre es undenkbar, ein plattdeutsches Buch aus Oldenburg auch in Westerstede zu verkaufen“, sagt der Verleger. Das sei heute möglich. Außerdem öffne sich die Sprache auch für hochdeutsche Begriffe und Wörter aus der Jugendsprache.

Der Isensee Verlag bringt jedes Jahr etwa 80 Bücher auf den Markt, etwa zehn davon in plattdeutscher Sprache. Das Buch des Ehepaar Brünjes hat eine Auflage von 1000 Exemplaren. Timo und Martina Brünjes planen schon voraus. Sie kündigen an: „Wir arbeiten schon an unserem nächsten Buch.“