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Anklage wegen versuchten Totschlags Messerattacke in Harpstedt nach Streit um Geld und Handy

Von Thomas Deeken, Thomas Deeken | 02.02.2016, 16:34 Uhr

Wegen versuchten Totschlags muss sich seit Dienstag ein 31-jähriger Mann aus dem Sudan vor dem Landgericht in Oldenburg verantworten. Ihm wird vorgeworfen, am 11. August 2015 an einer Bushaltestelle in Harpstedt mehrfach mit einem 20 Zentimeter langen Messer auf einen 25 Jahre alten Landsmann eingestochen zu haben. Das Leben des Mannes habe nur dank einer Notoperation gerettet werden können, hieß es vor Gericht.

Bei dem Streit sei es um Geld und ein Handy gegangen, sagte der 25-Jährige, dessen Aussagen auf Arabisch ebenso wie die des Angeklagten mithilfe eines Dolmetschers übermittelt wurden. Der Mann, der zum Zeitpunkt des Vorfalls in der Flüchtlingsunterkunft Kirchseelte untergebracht gewesen sei, inzwischen aber – als Asylbewerber anerkannt – in Delmenhorst wohne und als Mechaniker arbeite, habe dem 31-Jährigen 200 Euro geliehen. Als er das Geld zurückgefordert, aber nicht bekommen habe, habe er das Handy des Angeklagten als Pfand an sich genommen. Über die ehrenamtliche Flüchtlingshelferin Yvonne Brinkmann und die Polizei habe der 31-Jährige das Mobiltelefon aber wieder zurückerhalten. Dennoch habe es Beleidigungen und sogar Drohungen wie „Ich bringe dich um“ gegeben, so der 25-Jährige.

Stich im Rücken gespürt

Am 11. August sei der Mann mit dem Rad von Kirchseelte nach Harpstedt gefahren, um dort einzukaufen. Bei einer Bushaltestelle an der Dünsener Straße sei er überfallen worden. Er habe zunächst einen Stich im Rücken gespürt und daraufhin den Angeklagten erkannt. Es sei noch zum Kampf gekommen. Und dann sei er erst im Krankenhaus wieder aufgewacht. Erst dort habe er die zahlreichen Verletzungen an Kopf, Rücken Oberarm, Hand, Rippen und Oberschenkel wahrgenommen.

Großes Messer aus Unterkunft mitgenommen

Der Angeklagte, der wegen des Bürgerkriegs im Sudan über den Tschad, Libyen, Italien und die Schweiz nach Deutschland geflohen sei, schilderte den Vorfall ganz anders: Er sei von dem 25-Jährigen wegen des Handys zur Bushaltestelle bestellt worden. Weil er sich vor ihm gefürchtet habe, habe er aus seiner Unterkunft in Dünsen ein Messer mit einer 20 Zentimeter langen Klinge mitgenommen, so der Angeklagte. An der Bushaltestelle sei er sofort beleidigt und angegriffen worden. Er habe einen Faustschlag auf den Mund erhalten, sich daraufhin zunächst mit einer Hand gewehrt und dann das Messer gezückt. Er erinnere sich allerdings nur daran, dass er seinen Landsmann am Oberschenkel getroffen habe. Dann sei er mit dem Rad geflohen und in Dünsen von der Polizei festgenommen worden. Er habe den Mann nicht töten, sondern sich nur wehren wollen, beteuerte er vor Gericht.

Weitere Zeugenvernehmungen am 9. Februar

Am Dienstag, 9. Februar, geht der Prozess ab 9 Uhr mit Zeugenvernehmungen weiter. Mit einem Urteil rechnet der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann nach derzeitigem Stand am 19. Februar.