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Anwohner mischen sich ein Vorerst kein Flüchtlingsheim in Rethorn

Von Thorsten Konkel | 12.06.2015, 12:37 Uhr

Nach rund dreistündiger Debatte, in die sich Anwohner immer wieder einmischten, hat die Politik Donnerstagabend die Karten für eine Unterbringung von Flüchtlingen in Ganderkesee wieder neu gemischt.

Mit dem Kompromiss, vorerst kein klares Votum für die Errichtung einer Sammelunterkunft mit bis zu 50 Plätzen für Flüchtlinge in der Rethorner Immobilie Haus Cristina abzugeben, hat der Ganderkeseer Sozialausschuss Donnerstagabend ein intensives dreistündiges Ringen von Politik, Verwaltung und Rethorner Anwohnern um die Suche nach einer Lösung für künftige Flüchtlingsströme wieder auf Anfang gesetzt.

Druck von den Bürgern

Selten, so waren sich Zuschauer einig, hätten Bürger während der Fragestunde – und darüber hinaus auch in Form von Zwischenrufen – solch einen Druck auf die Politik ausgeübt. „Das ist niveaulos, ein übler Shitstorm“, beteuerte Jens Gause (Grüne). Er riet, möglicherweise nichtöffentlich zu tagen.

Angst vor „50 Schwarzafrikanern mit hohem Aggressionspotenzial“

Einige wenige Rethorner machten aus ihrem Herzen nämlich keine Mördergrube: Von der Angst um die Sicherheit von Frauen und Senioren, weil womöglich 50 Schwarzafrikaner mit hohem Aggressionspotenzial einziehen könnten, bis zur Furcht, die eigenen Immobilien seien bald wertlos reichten die Einwände. Die überwiegende besonnene Mehrheit der Zuhörer störte sich aber nicht generell an der Aufnahme von Flüchtlingen, wohl aber an ihrer Anzahl.

Keine Rückendeckung

„Flüchtlinge ja, aber 50 wären zu viele, um sie im kleinen Rethorn ordentlich zu integrieren“, so auch die Meinung des Rethorner Ortsvereins. Dies, die mangelnde Infrastruktur sowie weitere Einwände ließen die von Bürgermeisterin Alice Geerken-Klaas eingeforderte Rückendeckung des Vorhabens durch den Ausschuss aussichtslos erscheinen. Auch Alice Geerken-Klaas möchte eigentlich einer dezentralen Unterbringung den Vorrang geben. Das ist angesichts der jetzt und in Zukunft zu erwartenden Aufnahmequoten auf Dauer trotz guten Willens wohl aussichtslos.

Rückzug der Beschlussvorlage

Das Dilemma löste sie geschickt mit dem Rückzug der Beschlussvorlage und einem vielschichtigen Kompromissvorschlag, über den auch ohne offiziellen Beschluss Einstimmigkeit herrschte: Landkreis und Gemeinde fühlen gemeinsam beim Eigentümer, dem Bookholzberger Berufsförderungswerk nach, ob die Miete des Hauses Christina einer Anzahl von bis zu 25 unterzubringenden Flüchtlingen angepasst werden kann. Auch soll die von der VIASOL als Betreiberin des Jugendhofs Steinkimmen ins Spiel gebrachte und von der Fraktion UWG/Marbach unterstützte Idee, Flüchtlinge im Jugendhof unterzubringen, geprüft werden.

Mobile Unterkünfte als letzte Alternative

Allerletzte Möglichkeit wäre eine Unterbringung in mobilen Unterkünften. Im Notfall sei der „Container-Lösung“ der Vorrang vor der Inanspruchnahme von Turnhallen oder Dorfgemeinschaftshäusern zu geben. Landkreis-Sozialdezernent Bodo Bode hat bereits entsprechende Angebote eingeholt. „Der Bau dauert etwa sechs bis neun Monate“, blickte er voraus. Als Unterbringungsgröße nannte Bode Einheiten mit mindestens 24 Bewohnern, der Wirtschaftlichkeit wegen. Wo diese Anlagen stehen könnten, darüber hatte sich im Vorfeld die FPD-Fraktion bereits Gedanken gemacht. Ausschussmitglied Hans-Jürgen Hespe hatte die Liste gestern Abend schon in seiner Aktentasche. Herausgeben wollte er sie aber noch nicht.