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Anwohner: Mobilität sichern Flüchtlingsheim in Ganderkesee-Rethorn geplant

Von Katja Butschbach | 10.06.2015, 10:32 Uhr

Eine Sammelunterkunft für bis zu 50 Flüchtlinge ist im Haus Cristina in Rethorn angedacht. Die Gemeinde betrachtet das alte Seminarhaus als ideal. Bürger sorgen sich um den sozialen Frieden.

Das Haus Cristina in Rethorn könnte zur Sammelunterkunft für bis zu 50 Flüchtlinge werden: Die Politik soll das Thema am Donnerstag um 18 Uhr im Sozialausschuss diskutieren . Als Bedingung für die Unterbringung nennt die Gemeinde eine „durchgehende fachkompetente Betreuung der Bewohner“. Die Bürger sollen, wenn die Politik den Plänen zustimmt, in einer Versammlung informiert werden.

Unterkünfte für weitere 125 Menschen nötig

91 Flüchtlinge sind bislang in Ganderkesee untergebracht, für weitere 125 Menschen müssen noch Unterkünfte gefunden werden. Aktuell kommen vor allem Syrer, Albaner und Iraker, aber auch Bootsflüchtlinge nach Ganderkesee. Die Kapazitäten in der dezentralen Unterbringung stoßen laut Bürgermeisterin Alice Gerken-Klaas an ihre Grenzen. Laut Erstem Gemeinderat Rainer Lange ist das Haus Cristina an der Straße Am Kurpark, das dem Berufsförderungswerk Bookholzberg gehört und als Seminarhaus genutzt wurde, „hervorragend geeignet“ zur Unterbringung von Flüchtlingen. Es sind Nasszellen vorhanden; die Sanierungsarbeiten würden ein paar Monate dauern. Weiterlesen: Sammelunterkünfte in Delmenhorst und Ganderkesee nötig 

„Anwohner sorgen sich um sozialen Frieden“

Der Ortsverein Rethorn hat sich unterdessen mit einem Schreiben an die Ratsmitglieder gewandt: „Viele, direkt betroffene Anwohner sorgen sich dabei um den sozialen Frieden in diesem reinen Wohngebiet“, erklärt Vorsitzender Jörg Thielhelm. Die Anzahl der Flüchtlinge im Haus Cristina solle auf 15 bis 20 begrenzt werden, vorrangig sollten Familien berücksichtigt werden. Er fordert eine Kontaktadresse, die für Anwohner rund um die Uhr erreichbar ist. In die Entscheidung sollten auch die Interessen der Anwohner einfließen.

Anwohner verlangen Aufklärung

Ein von 41 Anwohnern unterzeichnetes Schreiben ist ebenfalls bei den Fraktionen eingegangen: Gefordert wird, dass Versorgung und Mobilität sichergestellt sein müssen. Rethorn sei „ein Schlafdorf“: Ohne mobil zu sein, sei man vom öffentlichen Leben ausgeschlossen. Die Anwohner verlangen zudem Aufklärung. Die Bürgermeisterin antwortet, dass eine Bürgerversammlung nach der Ausschusssitzung am Donnerstag und vor dem Verwaltungsausschuss am 1. Juli, der eine endgültige Entscheidung treffen wird, angedacht ist. Weiterlesen: Bundesländer fordern mehr Geld für Flüchtlingshilfe 

Alternativen für mobile Unterkünfte

Die Gemeinde will sich zur Unterbringung der Flüchtlinge noch vor der Sommerpause darum kümmern, Standortalternativen für mobile Unterkünfte zu benennen. Wenn die in Ganderkesee ankommenden Flüchtlinge weiterhin mehr werden, bittet die Gemeinde den Kreis dringend, das Stundenkontingent der in der Betreuung tätigen Sozialpädagogen zu erhöhen. Laut Rainer Heinken, Fachdienstleiter Soziale Hilfen in Ganderkesee, wird die nächste Zuweisung von Flüchtlingen im Juli oder August kommen. „Wenn morgen 50 kommen, haben wir ein Problem.“

Wer Wohnraum hat, kann sich melden

„An Leerstand sind wir immer dran“, sagte Heinken. Wer geeigneten Wohnraum hat, kann sich bei der Gemeinde melden. Von der VIASOL als Betreiber des Jugendhofs Steinkimmen ins Spiel gebracht und von der Fraktion UWG/Marbach unterstützt wird die Idee, Flüchtlinge im Jugendhof unterzubringen. Geschäftsführerin Kerstin Lehmann hat einen entsprechenden Antrag an den Landrat, alle Bürgermeister und Fraktionsvorsitzenden im Landkreis und an die Gemeinde geschickt, in dem sie detailliert die Vorzüge des Jugendhofs als Notunterkunft für bis zu 100 Flüchtlinge erläutert. „Ich halte unseren Ort für optimal“, sagte sie. Die Lage in der Natur könne Flüchtlingen aus Krisengebieten zur Erholung dienen, Deutschunterricht sei möglich, und die Flüchtlinge würden in fünf bis sieben Häusern leben. Weiterlesen: Sozialpädagoginnen helfen Flüchtlingen im Landkreis 

Frage des Standorts

Bodo Bode, Leiter des Amtes für Arbeit und Soziale Sicherung beim Landkreis Oldenburg, der bei der Sitzung in Ganderkesee dabei sein wird, erklärte: „Der Standort ist äußerst ungünstig.“ Er meint: „Vom Integrationsstandpunkt ist das eine Katastrophe“ – und bezieht sich dabei auf die Abgelegenheit des Ortes. Gespräche mit Lehmann und Erstem Gemeinderat Rainer Lange müssten noch stattfinden. Als Notquartier für zehn bis 15 Flüchtlinge, so seine erste Einschätzung, sei der Jugendhof aber denkbar. Meike Saalfeld von der Gemeinde Ganderkesee erklärte, dass nun geprüft werde, ob und zu welchen Konditionen eine Flüchtlingsunterbringung im Jugendhof möglich sei.

Kein Ende absehbar

Diskutiert werden soll im Ausschuss aber das Haus Cristina als Unterkunft. „Ein Ende des Flüchtlingsstroms ist derzeit nicht absehbar“, erklärt die Gemeinde in der Vorlage. „Es bedarf daher größter Anstrengungen von Rat und Verwaltung, für die Aufnahme und Integration von Asylbewerbern bestmögliche Voraussetzungen zu schaffen.“