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App-Retter für mehr Leben im Einsatz Neue App alarmiert Ersthelfer im Landkreis Oldenburg bei Notfall

Von Ole Rosenbohm | 15.12.2017, 17:17 Uhr

Fünf Landkreise und zwei Städte haben sich für das Projekt „Erleben“ zusammengetan. Seit Donnerstag können Ersthelfer im Landkreis Oldenburg zu Herzstillständen gerufen werden.

Ein Mann sinkt zu Boden, der Atem stockt – Herzstillstand. Überall kann das passieren: beim Sport, im Büro, auf der Straße. Einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleiden außerhalb von Kliniken jährlich 75.000 Menschen in Deutschland. 80 Prozent sterben, weniger als zehn Prozent können ohne Folgeschäden das Krankenhaus verlassen, niedrig im internationalen Vergleich. Würde schneller mit der Ersten Hilfe begonnen, wären die Zahlen wohl besser. Eine neue Erste-Hilfe-App auf dem Smartphone soll Ersthelfer im Falle eines Herzstillstandes in der Nähe benachrichtigen.

Ersthelfer sitzen überall

Ersthelfer können überall sitzen, schon im Büro gegenüber, sagt Jörn Kaminski, Leiter des Rettungsdienstes im Landkreis. Benachrichtigt von der Leitzentrale, wäre der Ersthelfer von nebenan schneller vor Ort als der in der Regel acht Minuten oder länger fahrende Rettungswagen. Telefonisch unterstützt würde der Ersthelfer mit der Reanimation beginnen können und so wertvolle, lebenswichtige Zeit gewinnen: Jede Minute, sagt Kaminski, sinkt die Überlebenschance bei Herzstillständen um satte zehn Prozent. Ohne Ersthelfer keine Verbesserung: „Wir haben einen schnellen Rettungsdienst hier – aber er kommt doch zu spät“, sagt Kaminski. „Die ersten fünf Minuten entscheiden alles.“

App ist „scharf geschaltet“

Seit Donnerstag ist die App „scharf geschaltet“, im Notfall werden also bereits Ersthelfer in der Nähe benachrichtigt. Kooperationspartner sind die fünf Landkreise Oldenburg, Cloppenburg, Wesermarsch, Ammerland und Vechta sowie die beiden Städte Delmenhorst und Oldenburg. Auch wenn es nicht die erste Region mit einem Projekt dieser Art ist, es ist die Größte. Zusammen mit Rabea Beyer, Koordinatorin der Gesundheitsregion, ist Kaminski für den Landkreis Ansprechpartner für die App „corhelp3r“ und das dazugehörige Projekt namens „Erleben“, kurz für „Erhöhung der Überlebensraten nach Herzstillstand“. Donnerstagabend stellten sie es Rettungs-Experten im Kreishaus Wildeshausen vor.

Ersthelfer werden über Leitstelle alarmiert

So funktioniert es: Wird ein Herzstillstand über 112 gemeldet, alarmiert die Leitstelle nicht nur den Rettungswagen, sondern auch drei registrierte Ersthelfer – mit aktiviertem GPS – in der Nähe. Bevor denen der Einsatzort mitgeteilt wird, entscheidet jeder einzelne per Klick und vierstelligem Pin (zur Kindersicherung), ob er oder sie den Einsatz annehmen will. Bei Zustimmung wird der Ersthelfer per Sprach-Navigation zum Notfall geleitet, dort telefonisch über die Leitstelle bei den Maßnahmen unterstützt. Ein weiterer Helfer soll zur Unterstützung dazukommen, ein dritter wird erst zu einem der öffentlichen Defibrillatoren gelotst, danach zum Unfallort.

Nachweis für Helfer erforderlich

Wichtig, so die Verantwortlichen: Alle Ersthelfer seien voll versichert. Einsätze abzulehnen, habe keine negativen Folgen. Daten würden nicht gespeichert. Registriert werden Menschen mit Nachweis über Befähigung: Ersthelferschein (nicht älter als zwei Jahre), Berufsurkunde als Sanitäter oder Krankenschwester.

App kostenfrei erhältlich

Bei Profis – Polizisten, Pfleger, Feuerwehrleute – werben Beyer und Kaminski als Erste für das Projekt, nach einem Testzeitraum wollen sie dann die breite Masse gewinnen, wie Teilnehmer aus den Ersthelferkursen. Die App namens „corhelp3r“ ist über den „Google Play Store“ oder den Apple-Store kostenfrei erhältlich. Wer seine Qualifikation über ein Foto bei der Anmeldung hochlädt, wird einige Zeit danach für Einsaätze freigeschaltet. Bis jetzt sind 200 App-Retter registriert, diese Zahl wollen die Verantwortlichen vervielfachen.