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Arbeiten im Landkreis Oldenburg Teilzeitjobs im Landkreis Oldenburg im Vormarsch

Von Reiner Haase, Reiner Haase | 27.07.2017, 11:17 Uhr

Immer mehr Teilzeit- und Minijobs im Landkreis Oldenburg: Die IG Bau warnt vor Armut im Alter. Laut Kreishaus werden Familie und Beruf leichter vereinbar.

Rund 17.700 der über 41.000 Beschäftigten im Landkreis Oldenburg arbeiten in Teilzeit, in Leiharbeit, oder sie haben einen Minijob als alleiniges Einkommen. Das ist einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung über den hiesigen Arbeitsmarkt 2016 zu entnehmen. Für die Industriegewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt (IG Bau) ist das ein Alarmzeichen. Die „atypische Beschäftigung“ sei auf den Rekordwert von 43 Prozent aller Arbeitsverhältnisse gestiegen, der Arbeitsmarkt im Landkreis sei in Schieflage.

IG Bau will Vollzeit als Norm retten

2003, als die Hans-Böckler-Stiftung den Arbeitsmarkt im Landkreis Oldenburg schon einmal unter die Lupe genommen hatte, habe die Quote atypischer Jobs noch bei 35 Prozent gelegen. „Der unbefristete Job in Vollzeit muss dringend wieder zum Normalfall werden“, fordert IG-Bau-Bezirkschefin Gabriele Knue. Nach Angaben der Böckler-Stiftung habe im Landkreis Oldenburg besonders die Teilzeit-Beschäftigung drastisch zugenommen: Arbeiteten 2003 noch etwa 4700 Erwerbstätige in Teilzeit, waren es 2016 mit 9800 bereits gut doppelt so viele.

Teilzeit- und Minijobs sind weiblich

Claudia Becker, die Leiterin der Koordinierungsstelle Frauen und Wirtschaft im Kreishaus, bestätigt den Hinweis der Gewerkschaft, dass Frauen besonders häufig in Teilzeit- oder Minijobs arbeiten. Ihr Anteil an atypischer Beschäftigung betrage 70 Prozent, habe aber auch schon bei 80 Prozent gelegen.

Kinderbetreuung reicht noch nicht

„Frauen arbeiten gerne in Teilzeit, wenn sie die Lasten der Familienarbeit mit zu tragen haben“, sagt Becker. Ähnlich argumentiert Oliver Galeotti, der Pressesprecher des Landkreises: „Es werden mehr Teilzeitjobs gefordert, damit Familie und Beruf besser unter einen Hut gebracht werden können.“ „Für Vollzeitarbeit neben der Familie sind wir hochgradig auf Kinderbetreuung angewiesen. Es gibt viele verbesserte Angebote in Krippen und Kindertagesstätten. Aber wir sind noch nicht so weit, die geforderte Flexibilität zu gewährleisten“, ergänzt Becker.

Warnung vor Armut im Alter

Die Gewerkschafterin und die Leiterin der Koordinierungsstelle weisen deutlich auf die Langzeitwirkung von Teilzeit- und Minijobs hin; für Arbeit in Teilzeit gibt es weniger, für Minijobs gar keine Rentenpunkte. Becker wünscht sich deshalb die Aufnahme der Minijobs in die Versicherungspflicht. Knue ist überzeugt, dass es nach einer Familienpause ein verbrieftes Rückkehrrecht in Vollzeit geben muss.