Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Arp-Schnitger-Festival Festaufführung in Ganderkeseer Kirche

Von Mareike Bader | 28.08.2017, 19:33 Uhr

Mit raffinierter Mehrstimmigkeit ging das Arp-Schnitger-Festival am Sonntag zu Ende. Das Publikum war vom tollen Raumklang-Erlebnis begeistert.

Alte Musik ist alles andere als langweilig. Das bewies am Sonntagabend das Konzert zum Abschluss des Arp-Schnitger-Festivals in der Kirche St. Cyprian und Cornelius in Ganderkesee. Gesungen und gespielt wurde im Chorraum und auf der Empore – der Raumklang war ein absolutes Live-Erlebnis.

Dieses Jahr jährt sich die Reformation durch Martin Luther zum 500. Mal. Auch vor 400 Jahren wurde dieses Ereignis groß gefeiert. Zum Abschluss des Arp-Schnitger-Festivals präsentierte das Vokal- und Instrumentenensemble Weser-Renaissance die Festmesse, die Michael Praetorius 1617 in Dresden für das Fest zur 100-jährigen Reformation komponiert hatte.

Andächtig und raffiniert

Praetorius‘ Festmesse war dem Anlass entsprechend andächtig und dennoch raffiniert. Allein das Gloria war ein wunderbares Beispiel für die Vielseitigkeit der barocken Musik. Kaum eine Zeile glich der anderen.

Mal sangen die Sänger ruhig, sodass der Text im Vordergrund stand und dazu spielten von der Empore lebendig die Streicher. Ein anderes Mal mischten sich die Männerstimmen aus dem Chorraum mit den Frauenstimmen von der Empore mit vielen wunderschönen Verzierungen zu einem reizvollen Stimmgeflecht.

Wunderschöner mehrstimmiger Gesang

Die sieben Sänger und drei Sängerinnen – im Barock waren Frauenstimme in der Kirche noch unüblich – bestachen durch ihre sichere und starke Interpretation. Durch den prägnanten Klang der einzelnen Stimmen kamen die ineinander geflochtenen mehrstimmigen Passagen fantastisch zur Geltung.

Das 1993 gegründete Ensemble Weser-Renaissance ist spezialisiert auf Musik des 16. und 17. Jahrhunderts. Bei der Instrumentenbegleitung wurde auf Zink, Dulzian, Viola da Gamba oder die Chitarrone mit dem eindrucksvollen langen Griffbrett gesetzt.

Orgelpositiv aus Privatbesitz geliehen

Dazu kam ein Orgelpositiv aus dem Privatbesitz von Dirigent Michael Cordes. Das steht sonst in der Liebfrauenkirche in Bremen, wird für Auftritte des Ensembles jedoch ausgeliehen, sagte Cordes.

Anders als heute übliche Harfen, hat die Harfe von Maximilian Ehrhardt kein Pedal. Dafür sind die Saiten anders angeordnet. Das erfordere eine andere Spieltechnik, erklärte Erhardt in der Pause, der beim Nachstimmen immer wieder auf sein Instrument angesprochen wurde.

Trotz verschiedener Instrumente und der räumlichen Aufteilung der Beteiligten, entstand ein harmonischer Klang, ohne dass jemand hervorstach. Auch Jörg Jacobi an der Arp-Schnitger-Orgel fügte sich hervorragend ein. „Es ist ein großer Gewinn diese Musik mit einer richtigen Orgel zu machen“, sagte Michael Cordes nach dem Konzert.

Aufteilung große Herausforderung für die Musiker

Der Dirigent hatte sein Pult nach dem Kyrie in den Zwischengang gestellt, um besser von allen Beteiligten gesehen zu werden. „Man darf sich nicht auf das Hören verlassen. Das ist eine große Herausforderung für die Musiker“, erklärte Cordes. Dank der gut gefüllten Kirche war der Hall nicht zu stark, sodass sich der Klang gut verteilen konnte. „Die Distanz ist grenzwertig. Weiter darf das Ensemble nicht auseinanderstehen“, sagte Cordes.

Das Publikum in der fast ausverkauften St. Cyprian- und Corneliuskirche bedankte sich mit langem und kräftigem Applaus sowie stehenden Ovationen für das gelungene Konzert. Als Zugabe wurde noch einmal die letzte Strophe des nach Martin Luther geschriebenen Kirchenliedes „Gott sei gelobet“ gespielt.