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Asyl im Landkreis Oldenburg Jetzt werden junge Flüchtlinge aufs Land geschickt

Von Reiner Haase | 09.10.2015, 18:37 Uhr

Das Kreisjugendamt bereitet sich mit Trägern der Jugendhilfe auf die Ankunft unbegleiteter junger Flüchtlinge vor. Es werden Wohngruppen gebildet. Gesucht werden Pflegefamilien.

Im Landkreis Oldenburg werden in den letzten Wochen dieses Jahres nach und nach mindestens 48 unbegleitete minderjährige Jugendliche erwartet. „Bisher sind die Jugendlichen in den großen Städten angekommen und nach dem Grundsatz ,Wo sie aufditschen, müssen sie in Betreuung genommen werden‘ auch dort geblieben. Jetzt wird das Gesetz für die Weiterleitung nach Quoten geändert“, berichtet Kreisjugendamtsleiter Martin Ahlrichs. Es sei zu erwarten, dass das Gesetz Anfang November in Kraft tritt und dann schnell die ersten Jugendlichen im Landkreis eintreffen.

Erste Wohngruppe im Wichernstift Elmeloh

„Das Ankommen ist eine wichtige Schnittstelle. Die Erfahrung lehrt, dass die Jugendlichen in den ersten Tagen und Wochen gut aufgefangen und betreut werden müssen und eine Tagesstruktur brauchen, damit sie nicht aus Langeweile und Frustration auf dumme Gedanken kommen“, sagt Petra Furmanek aus dem Fachbereich Jugendschutz. Ein Stück weit hat das Jugendamt schon vorgearbeitet und mit Trägern der Jugendhilfe im Landkreis ausgelotet, wo, wie und wann betreute Wohngruppen gebildet werden können. Die erste Gruppe soll im Wichernstift in Elmeloh unterkommen. „Dort gibt es Wohnraum, die Schule und medizinische Betreuung. Wir können Synergieeffekte nutzen“, erklärt Ahlrichs.

Pflegefamilien gesucht

Die Jugendlichen bleiben in der Obhut des Jugendamts, bis sie auf eigenen Beinen stehen. Silvia Hiemann, beruflich stets mit dem Aufspüren und Betreuen von Pflegefamilien befasst, ist überzeugt, dass mancher junger Migrant in einem familiären Umfeld besser aufgehoben ist. Deshalb sucht das Jugendamt Bereitschaftspflegefamilien für kurze Zeiträume und auch Familien, die einen minderjährigen Flüchtling für längere Zeit aufnehmen wollen.

Konfliktfähigkeit gefragt

„Wir brauchen Familien mit Zimmer und Zeit“, erklärt Olaf Wessels, im Jugendamt leitender Sozialarbeiter. Weitere Mitbringsel sind Belastbarkeit und die Fähigkeit, mit den meist 15- bis 17-Jährigen Konflikte auszutragen. „Wir schicken natürlich nicht die Jugendlichen in Familien, die schwer traumatisiert sind und bei der erstbesten Gelegenheit ausrasten“, stellt Furmanek klar.

Kompetenzen im Gepäck

Die Fachleute des Jugendamts sind überzeugt, dass die jungen Flüchtlinge von der Härte der Flucht Traumata und Entbehrungen mitbringen, aber auch ein ganzes Bündel von Kompetenzen. Dazu zählen Unabhängigkeit und die Fähigkeit, Probleme zu lösen und sich anzupassen. Sie seien stolz, die Flucht geschafft zu haben, sie wollten lernen, arbeiten und ihre Familien nachholen. „Die Familien haben ihre Besten losgeschickt“, sagt Amtsleiter Ahlrichs.

Pflegesatz muss reichen

Zur Toleranz und zum Interesse an anderen Kulturen und vielleicht auch an ungewohntem Verhalten solle deshalb Unterstützung kommen, wenn die jungen Leute Kontakte zu ihren Familien pflegen wollen. Zeit sei gegebenenfalls für Fahrdienste einzuplanen: zum Arzt, zum Sprachkurs, zu Sport und anderer Freizeitgestaltung, zur Schule und zur Behörde. Entschädigt werden die Pflegeeltern mit dem normalen Satz von 983 Euro pro Monat. „Die Jugendlichen futtern ordentlich“, warnt Ahlrichs, „und das Taschengeld ist dabei eingeschlossen.“