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Auch Bioladen Henke schließt Ladensterben in Ganderkesees Ortskern setzt sich fort

Von Thorsten Konkel, Thorsten Konkel | 28.09.2016, 21:54 Uhr

Ganderkesees innerörtlicher Einzelhandel blickt düsteren Zeiten entgegen – in Kürze schließt auch das Ehepaar Henke sein Bio-Lebensmittelgeschäft. Andere Kaufleute ziehen sich ebenfalls aus dem Ortskern zurück.

„Zum Jahresende machen wir zu“, kündigte Maria Henke am Mittwochmittag die Schließung ihres Bioladens „Natürlich“ an der Wittekindstraße / Ecke Rathausstraße an. Nach zwölf Jahren verliert der Ort damit sein einziges Biolebensmittel-Fachgeschäft. 2004 hatten Maria und Dr. Gustav Henke den früheren Bioladen „Rübe“ an der Wittekindstraße 10 übernommen, umbenannt und das Sortiment ausgebaut. 2011 erfolgte eine erneute Erweiterung in den Räumen des ehemaligen Eiscafés an der Wittekindstraße 4 am Eingang zur Rathausstraße.

Ehepaar geht in den Ruhestand

Für das Ehepaar Henke ist nicht nur der baldige Ruhestand nach einem langen Berufsleben der Auslöser für die Geschäftsaufgabe. Im ungleichen Kampf gegen neu geschaffene Bio-Supermärkte in der Region und Verbrauchermärkte, die auch in Ganderkesee längst auf den „Bio-Zug“ aufgesprungen sind, streichen die Einzelhändler nun die Segel.

„Verwässerung des Bio-Begriffs“

. „Überall steht heute ,Bio’ drauf, es gibt unzählige Zertifizierungsstellen, der Verbraucher ist verwirrt und kauft dann dort, wo es am billigsten ist“, erklärt Gustav Henke die Entwicklung. Dabei gibt er auch dem Gesetzgeber eine Mitschuld an einer „Verwässerung“ des Bio-Begriffs. Henke: „Beim EU-Bio-Siegel müssen die Inhaltsstoffe der Produkte zum Beispiel nur zu 95 Prozent aus dem Öko-Anbau stammen.“

Pioniere des Ganderkeseer Naturkost-Handels

Den Ganderkeseer Pionieren des Naturkost-Handels ergeht es heute wie vor Jahrzehnten bereits den „Tante-Emma-Läden“, die schließlich vor den SB-Läden und späteren Discountern kapitulieren mussten.

„Der Markt hat sich so stark geändert, dass wir nicht mehr Schritt halten können“, räumt Maria Henke ein. Geraume Zeit hatte das Ehepaar die nachteilige Entwicklung beobachtet und schließlich den geordneten Rückzug geplant:„Niemand vom Personal steht zum Jahresende auf der Straße“, betont Gustav Henke. Die festangestellte Halbtagskraft würde anderweitig ebenso unterkommen wie die Aushilfe.

Ladensterben im Ortskern

Mit dem Rückzug des Ehepaars Henke ist das Ladensterben im Ortskern aber noch nicht beendet . Ein Jahr nachdem an der Rathausstraße 6 im früheren Geschäft „Ernsting’s family“ an der Rathausstraße 6 der Second-Hand-Laden „Juce“eröffnet hat, sind die Türen seit Ende August schon wieder geschlossen. Und auch der Dessousladen „Feines für drunter“ im von-Seggern-Haus hat bereits mit dem Räumungsverkauf begonnen. Auch Fahrradhändler Detlef Pofahl kehrt nach 10 Jahren an der Rathausstraße dem Ortskern den Rücken. Seine Radwerkstatt „Rückenwind“ wird er ab der zweiten Oktoberwoche an der Grüppenbührener Straße 96 wiedereröffnen. Vom neuen Standort verspricht sich der Selbstständige neben einer tragbareren Ladenmiete und geeigneteren Räumlichkeiten auch das Ende der Diskussion um Reparaturfahrräder vor seinem Laden. In der Diskussion um die Attraktivität des Ortskerns hatten diese Räder bei Geschäftsleuten und Passanten immer wieder für Unmut gesorgt.

„Ganter Optik“ trotzt dem Abwärtstrend

Doch es gibt auch Gewerbetreibende, die zum Standort im Ort stehen und die Abwärtsspirale durchbrechen wollen. „Weil die Stimmung im Ort doch so schlecht ist, und überall geredet wird, wer wann und ob das Geschäft schließt, wollen wir ein Zeichen setzen“, betont Maren Zacharias, Geschäftsführerin von „Ganter Optik“.

Geschäft wird modernisiert

In der Woche vom 10. bis zum 15. Oktober lässt sie ihr Optik-Fachgeschäft am Markt 4 modernisieren. „Es gibt einen neuen Boden und neue Farbe an den Wänden“, kündigt sie an. Während des Umbaus zieht der Optiker übergangsweise nebenan in die leerstehenden Räume von „Calorycoach“. Das Franchise-Unternehmen rund ums Abnehmen hatte die Filiale in diesem Jahr geschlossen.