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Ausbildungsberuf Fahrzeuglackierer Aussicht auf Lehrstelle in Hoykenkamper Lackiererei

Von Thorsten Konkel, Thorsten Konkel | 09.05.2016, 16:28 Uhr

Wie vielseitig und abwechslungsreich der Lehrberuf des Fahrzeuglackierers sein kann, davon haben sich am Montagvormittag Schüler der Oberschule Ganderkesee in der Autolackiererei Polster im Hoykenkamper Gewerbegebiet überzeugen können.

„Ein gutes Farbempfinden und eine ruhige Hand sind gefragt in diesem Beruf“, benannte Ulf Niemeyer, Geschäftsführer des in der dritten Generation familiengeführten Handwerksbetriebes einige der Voraussetzungen anlässlich des vom Verein ZWAIG – Zukunftswerkstatt Ausbildungsplatzinitiative Ganderkesee arrangierten Besuchs.

Teamfähigkeit nötig

Spachteln, schleifen, lackieren und Ausbeultätigkeiten die ganze Woche lang – das setze auch gute soziale Eigenschaften bei den Azubis voraus, betonte der Geschäftsführer. Seine klare Ansage: „Die Auszubildenden sollte ein echtes Interesse an den handwerklichen Tätigkeiten haben, und sie sollten auch wissen, dass der Beruf Teamfähigkeit erfordert“.

Mathe und Deutsch als Grundlagen

Dies wohl wissend, dass dazu heute nicht mehr alle Bewerber in der Lage sind: „Diejenigen, die im Zeugnis ein schlechtes Sozialverhalten stehen haben, nehmen wir nicht“, beteuerte er. Eine Fünf in Erdkunde oder Geschichte sei dagegen kein Hinderungsgrund. Nur bei der Mathenote lasse er nicht mit sich reden. „Lackierer müssen genaue Mischungsverhältnisse ansetzen und gut deutsch sprechen können“, machte er deutlich. Denn der noch junge Ausbildungsberuf des Fahrzeuglackierers, der erst Anfang der 2000er aus der allgemeinen Lackiererlehre entstanden ist, beinhalte den Umgang mit Gefahrstoffen. Deshalb müsse man schon zuverlässig verstehen können, welche Sicherheitshinweise auf den Verpackungen stehen.

Abwechslungsreiche Tätigkeiten

Die Arbeit in dem Hoykenkamper Familienbetrieb Polster ist abwechslungsreich: „Heutzutage kommen mehr und mehr Karosseriearbeiten neben dem reinen Lackieren hinzu“, erläuterte Niemeyer. Diesen Trend hält er aber für nicht unproblematisch: „Es ist eine immer höhere Spezialisierung gefragt, um dabei immer das beste Ergebnis zu erzielen, arbeiten wir auch mit Karosseriebauern zusammen“, sagte er.

Blick für Farbnuancen

Sein Vater, Seniorchef Rolf Niemeyer, ergänzte: „Unsaubere Vorarbeiten, Staubeinschlüsse und Farbabweichungen sind die Fehler, die es zu vermeiden gilt.“ Denn nicht nur die Kundschaft werde mit Blick auf den genauen Farbton immer anspruchsvoller – auch seien die Farbtöne immer schwieriger anzumischen. „Es gibt heute unzählige Weiß- oder Silbertöne, und selbst die Autowerke lackieren unter ein und demselben Farbnamen oft abweichende Nuancen“, nannte Rolf Niemeyer das Dilemma.

Vor allem mit Reparaturlackierungen wird bei der Autolackiererei Polster das Geschäft gemacht: „Um die 60 Prozent des Umsatzes dabei mit Autohäusern, vor allem Mercedes und Toyota, den Rest mit Privatkunden“, verriet Ulf Niemeyer.

Schiffbauer neue Partner

Doch auch ein ganz neues Geschäftsfeld hat sich das 1958 in Delmenhorst von Ulf Niemeyers Stiefgroßvater gegründete Traditionsunternehmen erschlossen: „Seit geraumer Zeit lackieren wir auch Teile für Schiffsausrüster“, berichtete er den Schülern. Um die Ausstattungsteile, die auf den Werften wie Lürssen, Abeking & Rasmussen oder Kröger in hochwertige Yachten eingebaut werden, fachgerecht mit Farbe versehen zu können, sei eine besonders hohe Präzision gefragt. Auch der Dokumentationsaufwand sei enorm.

Gehalt interessiert Schüler

„Wie hoch wird das Gehalt als Fahrzeuglackierer ungefähr sein?“, fragte Neuntklässler Marvin. „Im ersten Lehrjahr gibt es monatlich 545 Euro brutto, als ausgelernter Geselle gibt es anfangs um die 14 Euro Stundenlohn“, erläuterte der Geschäftsführer.

Bewerben lohnt sich schnell

Wer den Beruf des Fahrzeuglackierers erlernen will, hat gegenwärtig gute Chancen. „Oft reicht schon eine Bewerbung“, benannte Erwin Altkirch vom Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur die für die Schüler hilfreiche Auswirkung des Fachkräfte- und Azubimangels im Handwerk.