Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Aussagen voller Widersprüche Messerstecherei in Harpstedt: Richter glaubt Angeklagtem nicht

Von A. Schnackenburg | 09.02.2016, 17:12 Uhr

Im Prozess um eine Messerstecherei in Harpstedt vor dem Oldenburger Landgericht sind noch immer viele Fragen offen. Opfer und Angeklagter beschuldigen den jeweils anderen.

War es ein versuchter Mord, versuchter Totschlag, gefährliche Körperverletzung – oder nichts von alledem? Auch nach dem zweiten Verhandlungstag vor dem Landgericht Oldenburg um eine Messerstecherei in Harpstedt bleiben am Dienstag viele Fragen offen.

Notoperation und Erste Hilfe hielt Opfer am Leben

Laut Staatsanwaltschaft hatte der Angeklagte, ein 31-jähriger Mann aus dem Sudan, im August 2015 an einer Bushaltestelle mit einem Messer auf einen 25-jährigen Landsmann eingestochen und ihn dabei vielfach verletzt. Nur dank umgehender Erste-Hilfe-Leistung durch einen Passanten sowie einer Notoperation sei der Geschädigte noch am Leben . Als Tatwaffe hatte die Polizei ein Messer mit über 20 Zentimeter langer Klinge sichergestellt.

Aussagen von Polizisten können Widersprüche nicht auflösen

Sowohl der Angeklagte als auch der Geschädigte gaben vor Gericht mithilfe eines Dolmetschers an, dass es sich bei der Auseinandersetzung um Geld sowie um ein Mobiltelefon gedreht habe. In nahezu allen anderen Punkten aber widersprachen sie sich, auch darin, wer wem Geld geschuldet, vor allem aber darin, wie sich die Auseinandersetzung an der Bushaltestelle zugetragen habe. Während der Geschädigte angegeben hatte, hinterrücks niedergestochen worden zu sein, will sich der Angeklagte mit dem Messer lediglich verteidigt haben. Auch die gestrigen Zeugenaussagen, etwa jene der beteiligten Polizeibeamten, konnten die Widersprüche in den Aussagen nicht aufklären.

Luft wird für Angeklagten dünner

Allerdings scheint die Luft für den Angeklagten, der sich derzeit in Haft befindet, nach diesem zweiten Verhandlungstag noch dünner geworden zu sein. So machte der Vorsitzende Richter am Dienstag unmissverständlich deutlich, dass er dem Angeklagten vieles nicht glaubt, etwa dass dieser mit zwei Handys für zusammen 20 Euro monatlich im Internet surfe und telefoniere. Derartige Verträge, so der Vorsitzende, gebe es nicht. Und die Richter seien nicht blöd, so der Richter in Richtung Anklagebank. Nach Einschätzung eines psychologischen Sachverständigen sei der Angeklagte, der lediglich ein Jahr die Schule, eine Koran-Schule, besucht hat, zudem voll schuldfähig.

Rechtsmediziner soll Stichwunden begutachten

Die Verhandlung wird am Dienstag, 16. Februar, fortgesetzt. An dem darauf folgenden Prozesstag am Freitag soll sich ein Rechtsmediziner zu den Stichwunden des Geschädigten äußern.