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Auszeichnung für Naturpark Wildeshauser Geest erhält Qualitätssiegel

Von Antje Cznottka | 21.10.2015, 18:32 Uhr

Der Naturpark Wildeshauser Geest ist mit dem Prädikat „Qualitat-Naturpark“ des Verbandes Deutscher Naturparke (VDN) ausgezeichnet worden. Der Zweckverband des Naturparks hat nun einiges vor.

Der Zweckverband Wildeshauser Geest hatte sich an der „Qualitätsoffensive Naturparke“ beteiligt und 311 Punkte erhalten. Um das Prädikat „Qualitäts-Naturpark“ zu erhalten, musste der Naturpark Wildeshauser Geest mindestens 250 von 500 Punkten in den Kategorien Management und Organisation, Naturschutz und Landschaftspflege, Erholung und nachhaltiger Tourismus, Umweltbildung und Kommunikation sowie nachhaltige Regionalentwicklung sammeln.

Management und Organisation im Naturpark Wildeshauser Geest

Im Punkt Management und Organisation seien dem Qualitäts-Scout der VDN Christian Kreipe die lange Tradition und die gute Kooperation mit der Leader-Aktionsgemeinschaft genannt worden, berichtet Rolf Eilers, Geschäftsführer des Zwechverbandes Wildeshauser Geest.

Ein Nachteil sei allerdings, dass die Geest keine direkte Förderung vom Land Niedersachsen erhalte. „Das könnte sich jetzt ändern. Ab 2016 gibt es eine Förderung für das Fortschreiben des Naturparkplanes“, berichtet Eilers. Der Entwicklungsplan für die Wildeshauser Geest sei schon rund 20 Jahre alt, was ihn für die Förderung qualifiziere. Während der Qualitätsoffensive habe Eilers auch festgestellt, dass viele Naturparks noch gar keinen Plan hätten. „Das war ein Schlüsselerlebnis“, sagt der ehrenamtliche Geschäftsführer.

Darüber hinaus bemängelte Kreipe, dass viele Projekte und Produkte nicht dem Naturpark zugeordnet würden. „Wo Naturpark drin ist, stecht nicht zwangsläufig Naturpark drauf“, erklärt Eilers.

Wallhecken werten Kategorie Naturschutz und Landschaftspflege auf

Im Punkt Naturschutz und Landschaftspflege wurde die Sicherung der Megalithgräber, die Renaturierung der Hunte und der große Bestand an Wallhecken positiv hervorgehoben. „Im Naturpark haben wir über 900 Kilometer unter Schutz stehende Wallhecken“, konkretisiert Eilers.

Der Schutzgebietsanteil in der Wilderhauser Geest von unter 50 Prozent wurde hingegen negativ erwähnt. Die intensive landwirtschaftliche Nutzung, die die Landschaft deutlich verändere, benannte Kreipe in seinem Bericht ebenfalls als Schwäche. „Dadurch hat sich auch der Tourismus stark verändert. Angebote für Urlaub auf dem Bauernhof gibt es immer seltener“, fügt Iris Gallmeister, Marketingleiterin und stellvertretende Geschäftsführerin des Zweckverbandes, an. Allerdings sei sich der Zweckverband der Bedeutung der Landwirtschaft als Nahrungsmittel- und Energielieferant bewusst. „Beide Bereiche muss man gegeneinander abwägen“, sagt Eilers.

Wanderwegenetz im Naturpark Wildeshauser Geest soll überarbeitet werden

Das Radwegenetz und die überörtliche Vernetzung seien angenehm in der Kategorie Erholung und nachhaltiger Tourismus aufgefallen – im Gegensatz zum „alten, wenig gepflegten“ Wanderwegenetz. „Über das Leaderprojekt wollen wir das Wanderwegenetz fortschreiben“, kündigt Gallmeister an. Gleichzeitig soll das Thema barrierefreie Naturerleben in den Fokus rücken. „Dem haben wir uns bisher gar nicht gewidmet“, berichtet die Marketingleiterin.

Umfangreiches Angebot bei Umweltbildung und Kommunikation

Ein großes Angebot machte der Bericht bei Umweltbildung und Kommunikation aus. Allerdings sei das Angebot unübersichtlich und nicht immer eindeutig mit dem Naturpark Wildeshauser Geest in Verbindung zu bringen. „Wir wollen Informationseinrichtungen wie Info-Points mit Flyern und Tafeln beispielsweise an Rast- und Gaststätten in den Vordergrund stellen“, sagt Eilers.

Der Zweckverband will außerdem Kontakt mit Landvolk und Landfrauen aufnehmen, um hier Kooperationsmöglichkeiten auszuloten.

In der Kategorie Nachhaltige Regionalentwicklung sind laut Gallmeister Hofläden, „auch wenn es nicht mehr so viele sind“, und Melkhüser positiv aufgefallen. Beim Thema Biotopschutz sollen auch gute Aspekte für die Bienen- und Insektenpopulation herausgearbeitet und erhalten werden.

Zweckverband Wildeshauser Geest will sich besser vernetzen

Das Label Qualitäts-Naturpark gelte fünf Jahre, dann wird das Verfahren mit erhöhten Anforderungen wiederholt. Bis dahin will der Zweckverband weitere Partner wie das Landvolk, Umwelt- und Bildungszenten mit ins Boot holen. „Wir haben zu vielen Organisationen und Einrichtungen einen Draht, wollen den jetzt aber verstärken“, sagt Eilers. Dazu schwebe den Mitgliedern des Zweckverbandes eine Internetseite vor, die alle Akteure in der Wildeshauser Geest vernetze. „Wir wollen ein Kommunikationskonzept erstellen“, berichtet Gallmeister.

Darüber hinaus soll der alte Naturparkentwicklungsplan fortgeschrieben und um ein Konzept für Tourismus und Naherholung in der Wildeshauser Geest ergänzt werden.

Zweckverband Wildeshauser Geest braucht Verstärkung

„Wir wollen all diese Aufgaben gern leisten“, sagt Waltraud Kubiak. Allerdings brauche das Team für all die Vorhaben Manpower. „Dabei ist auch nicht unbedingt Geld das Problem bei der Anschaffung“, sagt Eilers. Es fehle eher das Personal, dass fortlaufend Projekte wie den Internetauftritt Infotafeln und Flyer betreut und aktualisiert.

Bachelorarbeit hilft bei Bewerbung im Qualitäts-Label

Studentin Vanessa Janssen hatte ihre Bachelorarbeit genutzt, um den 128 Fragen starken Kriterienkatalog der VDN in Abstimmung mit den drei Mitgliedern des Zweckverbandes erarbeitet. Bewertet hatte der Qualitäts-Scout Christian Kreipe, Geschäftsführer des Naturparks Fichtelgebirge, anhand der Arbeit, bei Gesprächen und bei Terminen vor Ort.