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Banküberfall im Vollrausch Ganderkeseer zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt

Von Kristina Müller | 19.04.2017, 19:32 Uhr

Zugedröhnt mit Alkohol und Cannabis und bewaffnet mit zwei Schreckschusspistolen und einem Teppichmesser hat ein 37-Jähriger Ganderkeseer letztes Jahr die Bankangestellten der Landessparkasse zu Oldenburg (LzO) in Ganderkesee in Atem gehalten. Dafür und für zwei Einbrüche wurde der Täter vom Amtsgericht Delmenhorst nun zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Angeklagt wurde der Mann wegen schwerer räuberischer Erpressung und versuchter Körperverletzung in der LzO sowie wegen drei schwerer Einbruchdiebstähle, in der Schlemmerei Genussmanufaktur, im Kulturhaus Müller und bei Weigmann-Brillen in Ganderkesee, wo er jeweils Elektrogeräte und Geld stahl, um so seine Drogensucht zu finanzieren, wie er sagte. Das Verfahren für den Einbruch beim Optiker wurde aber einvernehmlich aufgrund der geringen Schadenshöhe eingestellt.

Die „Haupttat“, wie die vorsitzende Richterin es nannte, fand im Oktober vergangenen Jahres in der Ganderkeseer Filiale der LzO statt. Dort bedrohte er im Vollrausch die Auszubildende mit zwei ungeladenen Schreckschusspistolen und verlangte nach 20.000 Euro. Sie selbst berichtete, dass sie im ersten Moment zwar geschockt gewesen sei, jedoch schnell begriffen habe, dass es sich nicht um echte Pistolen mit Munition gehandelt habe, sodass sie den Mann dann nicht mehr ganz so ernst genommen habe. Später habe ihr das Erlebte allerdings bis heute noch deutlich zu schaffen gemacht.

Ohne Beute geflüchtet

Als dann der Filialleiter den Mann bat die Bankfiliale zu verlassen, zückte dieser ein Teppichmesser aus seiner Hosentasche und bedrohte den Filialleiter damit. Der Bankkaufmann floh in sein Büro und verschanzte sich dort. Als der 37-Jährige Wind davon bekam, dass ein Mitarbeiter die Polizei gerufen hatte, verließ er die Filiale ohne Beute und flüchtete mit einem Mountainbike.

Vor dem Schöffengericht gestand der Angeklagte seine Taten, soweit er sich daran erinnerte. Er selbst habe kaum noch Erinnerungen an den Tag, wie er sagt. Morgens habe er in einem Getränkemarkt Bier und Wodka gekauft. Die nächste Erinnerung sei, dass er zuhause ein bis zwei Zigaretten mit Cannabis geraucht und sich mit seiner Frau gewaltsam gestritten hab. Als Nächstes erinnere er sich daran, eine Pistole in die Luft gehalten und abgefeuert zu haben, ohne dass etwas passiert sei. Die letzte Erinnerung sei auf dem Polizeirevier.

Regelmäßiger Drogen- und Alkoholkonsum

Von sich selbst sagte der Angeklagte, dass er regelmäßig Drogen und Alkohol konsumiere – und das seit der frühen Jugend. Auch die Blutuntersuchungen ergaben, dass der Mann unter starkem Alkohol- und Drogeneinfluss stand. Bei der Tat soll der Mann laut Untersuchungen etwa 2,5 Promille Alkohol im Blut gehabt haben.

Wie der Angeklagte berichtete, habe er bereits zwei erfolglose Suchttherapien hinter sich. Alkohol habe er regelmäßig nachmittags nach der Arbeit getrunken, Cannabis konsumiere er ebenfalls fast jeden Tag. Das psychologische Gutachten bescheinigte ihm jedoch Erfolgsaussichten bei einer erneuten Therapie. Die Schreckschusspistolen, für die laut der Richterin ein kleiner Waffenschein benötigt wird, würden seiner Frau gehören und seien offen zugänglich in einem Schrank aufbewahrt worden, so der Angeklagte.

Unterbringung in Erziehungsanstalt

Die Staatsanwaltschaft führte in ihrem Plädoyer aus, dass schwere räuberische Erpressung mit Waffen normalerweise vor dem Landgericht verhandelt und darauf eine Mindestfreiheitsstrafe von fünf Jahren festgesetzt sei. Da der Angeklagte zur Tatzeit jedoch derart betrunken gewesen sei und unter Drogeneinfluss gestanden habe, sei er nur eingeschränkt schuldfähig. Deshalb forderte die Staatsanwältin eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten für alle drei Taten.

Die 22 Einträge im Strafregister, darunter diverse Diebstähle, Bedrohungen, Körperverletzungen und der Besitz von Betäubungsmitteln, und zusätzlich laufende Bewährungen würden sich strafschärfend auswirken, so die Richterin. Doch dass der Angeklagte „umfassend geständig und erheblich kooperativ war“, rechnete das Gericht dem Beschuldigten an. Auch, dass er sich bei der Bankangestellten entschuldigt und Reue gezeigt habe, habe sich strafmildernd ausgewirkt, sodass der Angeklagte letztlich, wie sein Verteidiger forderte, zu dreieinhalb Jahren Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Zudem wurde eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet.