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Barrierefrei wohnen Rollstuhlgerechtes Bad beeindruckt Ganderkeseer Senioren

Von Niklas Golitschek | 20.12.2018, 18:37 Uhr

Der Seniorenbeirat Ganderkesee inspizierte eine rollstuhlgerechte Wohnung im neuen Quartier auf der Köhlerwiese. Wertvolle Eindrücke, die auch den Bauverein interessierten.

Erika Lisson ist zwar nicht dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen. Doch nach einem Fußbruch war dieser mehrere Wochen für sie unverzichtbar und sie weiß nun um die Hürden eines nicht barrierefreien Lebens.

Gutes Rollstuhlgefühl

Als sie am Donnerstag mit dem Seniorenbeirat die rollstuhlgerechte Wohnung eines Neubaus im Wohngebiet „Auf der Köhlerwiese“ an der Pestalozzistraße erkundete, wusste Erika Lisson also, worauf es ankommt: „Ich habe noch ein gutes Rollstuhlgefühl“, sagte sie. Ganz angetan zeigte sie sich vom Eingangsbereich: Eine breite Wohnungstür, ein geräumiger Flur mit einem Rohlstuhlwechselbereich. Sogar an eine Steckdose, um elektrische Bewegungshilfen aufzuladen, wurde gedacht.

Fenstergriff zu hoch

Doch kurz dahinter bemerkten Lisson und der Seniorenbeirat schon das erste Problem: Der Fenstergriff wurde zu hoch platziert – für Menschen im Rollstuhl ist das Fenster dadurch nur schwierig zu öffnen. „Das ist aber anpassbar“, merkte Jürgen Lüdtke, Vorsitzender des Seniorenbeirats an. Der Beirat besuchte die Wohnung, um eben solche Hindernisse zu identifizieren und den Bauverein Delmenhorst als Träger auf diese hinzuweisen.

Alle Vorschriften beachtet

Alle Vorschriften der Bauordnung für eine rollstuhlgerechte Wohnung seien eingehalten worden, bekräftigte Reiner Fulst, Vorstand des Bauvereins: „Wir haben uns auf den Architekten und die Din-Norm verlassen“, räumte er ein. Wie bei den Fenstern wurde auch bei den Durchgangstüren im inneren der Wohnung deutlich: Nicht jede Auflage ist ausreichend, um Menschen mit eingeschränkten Bewegungsfähigkeiten einen angenehmen Alltag zu ermöglichen. Mit 90 Zentimetern Breite erfüllen die Türen zwar die Anforderungen, mit einem breiten Rollstuhl ist ein Durchkommen allerdings nur schwer möglich, wie bei der Begehung sichtbar wurde. „Die Erwartung war, dass die Normen passen“, sagte Fulst. Im Falle dieser Wohnung müsse der Mieter dann einen kleineren Rollstuhl verwenden. Um sich für weitere Neubauten Praxistipps einzuholen, ging der Bauverein in den Dialog mit dem Seniorenbeirat. Denn es sei das erste Mal seit Jahrzehnten, dass die Genossenschaft wieder selbst baue. „Da haben wir uns gesagt: Wir brauchen Tipps von Beratern“, sagte Fulst.

Platz zum Wenden

Viel mehr hatte der Beirat auch nicht auszusetzen. „Ansonsten hat sich der Bauverein Gedanken gemacht und die Bauvorschriften eingehalten“, lobte Lüdtke. Das Badezimmer etwa biete mit seinen rund 16 Quadratmetern ausreichend Platz, um überall zu wenden. Die Armaturen sind abgesenkt, die Dusche ist ebenerdig. Das Waschbecken ist unterfahrbar. Besonders gefielen dem Seniorenbeirat die abgerundeten Ecken innerhalb der Wohnung, wodurch es ebenfalls leichter sei, sich mit dem Rollstuhl zu bewegen. Auch der breite Ausgang zur Terrasse, die ebenfalls Platz zum Rangieren bietet, sagte der Gruppe zu.

Barriefrei auch draußen

Barrierefreiheit beginnt außerhalb der Wohnung, wie Reiner Fulst vom Bauverein erläuterte. Eine elektrische Eingangstür, eine maximale Steigung von sechs Prozent des Geländes, zugängliche Müllcontainer: „Es sind viele Dinge zu beachten und viele Aufgaben für ein kleines Unternehmen“, befand Fulst. Schließlich gelte es nicht nur, die Belange von Senioren oder Menschen mit Behinderungen zu berücksichtigen, sondern auch beispielsweise energetische Vorschriften einzuhalten. Den für die zwölf Wohnungen angesetzten durchschnittlichen Mietpreis von 8,50 Euro pro Quadratmeter werde die Genossenschaft bei künftigen Projekten angesichts steigender Baukosten auch nicht halten können, kündigte Fulst an. Doch das Anliegen des Bauvereins sei nach wie vor: „Die Wohnungen sollen nicht nur auf die Din-Normen passen. Die Menschen sollen gut wohnen.“