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Barrierefreier Bahnhof Bookholzberg Bahnhof Bookholzberg umgebaut, Stolperfallen geblieben

Von Reiner Haase, Reiner Haase | 04.05.2017, 09:35 Uhr

Vieles ist neu auf dem barrierefreien Bahnhof in Aber der ASG hat beim Testlauf einige Stolperfallen entdeckt.

Getestet, vieles für gut befunden und manches gar nicht: Die Deutsche Bahn hat 1,8 Millionen Euro in den barrierefreien Umbau des Bahnhofs in Bookholzberg gesteckt. Der Arbeitskreis der Selbsthilfe- und Initiativgruppen Ganderkesee (ASG) hat wenige Tage nach Abschluss der Arbeiten die Probe aufs Exempel gemacht. Die Gesamtschau ergibt laut Sabine Bretzke, der ASG-Vorsitzenden, ein Bild mit vielen Schattierungen: Manches ist prima geworden, anderes immerhin eine Verbesserung, einiges geht gar nicht für Menschen, die auf ein Hörgerät, einen Rollator, einen Blindenstock oder einen Rollstuhl angewiesen oder einfach mit Kinderwagen, Fahrrad oder Bollerwagen für die Kohltour unterwegs sind.

Kante stört am Behindertenparkplatz

Rollstuhlfahrerin Doris Josquin hat schon Probleme, den Bahnhof überhaupt zu erreichen: Der Behindertenparkplatz ist zu kurz für den Kombi mit großem Kofferraum. Und sie kann nicht ebenerdig zum Fahrstuhl rollen, sie muss wegen nicht weit genug abgesenkten Rad- und Fußwegs über eine zu hohe Kante hinab auf die Straße und vorm Fahrstuhl wieder hinaufhoppeln. „Die Kante kann zum Herausfallen aus dem Rollstuhl oder zum Umkippen führen“, stellt die Ex-Vorsitzende des ASG fest: Minuspunkt nicht für die Bahn, sondern für die Gemeinde.

Brücke ohne Leitstreifen

Mit dem Fahrstuhl hoch auf die Brücke. Hier tastet Erich Strodthoff mit dem Blindenstock vergebens nach einem Leitstreifen. Er behilft sich mit dem Geländer und kann nur hoffen, dass er in die richtige Richtung läuft. Rollstuhl und Rollator gleiten glatt über die Platten zum Fahrstuhl hinab zum Bahnsteig. In der Kabine hellt sich Strodthoffs Miene wieder auf: Er kann gut erspüren, welche Taste für „Aufwärts“ und welche für „Abwärts“ gilt.

Schräge gerade so zu schaffen

Und dann das Kernstück der barrierefreien Erneuerung: der fast genau aufs Niveau der Waggoneinstiege angehobene Bahnsteig. Wieder eine Überraschung für Strodthoff: Nach einigen Metern endet der Leitstreifen an der Schräge hinauf zum neuen Niveau. Begleiterin Josquin macht ihn auf den Handlauf aufmerksam, der auch ihr selbst hilft: Sie schafft den Anstieg mit einer Hand am Greifreifen des Rollstuhls und der anderen am Handlauf.

Hopp und top nebeneinander

Oben geht es erst einmal tatsächlich barrierefrei weiter. Sabine Bretzke, auf ein Hörgerät angewiesen, kann zwar die Lautsprecherdurchsagen nicht verstehen, freut sich aber über das deutlich lesbare Display. Sie registriert ebenso erfreut das erneuerte Beleuchtungssystem. Strodthoff sucht vergebens nach Rillen oder Noppen, die ihn zum Fahrkartenautomaten führen. Rollifahrerin Josquin reckt und streckt sich, kann das Tastfeld des Automaten aber weder lesen noch bedienen: zu hoch für sie. „Gut, dass ihr beide ein ,aG‘ im Schwerbehindertenausweis habt und für die Bahnfahrt gar kein Ticket braucht“, kommentiert Bretzke.

Haltepunkt verfehlt

Weiter zum deutlich markierten Einstiegsfeld. Die Regio-S-Bahn fährt ein – und stoppt jenseits der Markierung. Wohl ein Fahrfehler des Zugführers. Mit Rollator muss Jürgen-Dieter Paulus sich sputen, um rechtzeitig in den Zug zu kommen. Er kennt schon die Gefahrenstelle Übergangsschwelle: Trotz nahezu gleicher Höhe bleibt eine tiefe Rille, eine Stolperfalle für Rollstuhl und Rollator. Also Obacht, und es geht, besser jedenfalls als vorher mit den gewaltig hohen Stufen. „Vieles ist schon gut geworden. Aber es gibt noch einiges zu verbessern“, resümiert Bretzke die Erkundung.