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Bauchredner und Bierdeckel-Fragen Hunderte erleben große Plattdeutsch-Gala in Stenum

Von Ole Rosenbohm | 19.11.2018, 07:38 Uhr

Lacher, Applaus und am Ende sangen alle die „Nordseewellen“: Die sechste „Grode Plattdüütsche Week“ hat mit der „Gala-Platte“ ihren Abschluss gefunden.

Den meisten der 330 Besucher hat das Programm gefallen. Und das trotz einer mehr als abendfüllenden Länge von über vier Stunden am Samstag im Hotel Backenköhler in Stenum. Knapp 20 Programmpunkte hatten die Organisatoren Angela Hillen, Meike Saalfeld und Dirk Wieting zusammengestellt.

So viel, da würde nur die bekannte Fernsehgröße Ina Müller fehlen, schmunzelte Andreas Gillerke, zusammen mit Organisatorin Hillen und Ralf Meyer einer der Moderatoren des Abends. Weil Ina aber nicht da war, wurde aus „Inas Nacht“ eben „Ängies Nacht“, den Shantychor übernahmen die Plattdeutsch-Entertainer Lui und Fiete, die vor und nach der Pause den Saal zum Schunkeln und Mitklatschen gebracht hatten.

Ein Youtube-Star auf der Bühne

„Ängie“ Hillens Gast in Schellfischposten-Kulisse war Keno Veith, Youtube-Star, seit sein Trecker im Morast stecken blieb und er dazu ein Video postete. Veith musste natürlich auch Bierdeckel-Fragen des Publikums beantworten. Die Zusammenfassung des launigen Gesprächs: Er mag lieber Steak als Leber, lieber Korn als Bier („Wer Korn trinkt, unterstützt die Landwirtschaft“), kann 210 Kilo drücken und hatte bis zur Gala eigentlich nichts mit Fasching am Hut. Hillen arbeitete aber daran, das zu ändern, und brachte Veith als Fahrer des Prinzenwagens ins Spiel. Sie fragte auch Bürgermeisterin Alice Gerken, die von unten bestätigte: Einen festen Fahrer gibt es noch nicht.

„Meckern ist gesund und tut gut“

Vor allem sagte Veith, wie er Platt lernte: nämlich selbst. Einfach die alten „Lüü fragen un naspreken“. Damit war Veith ganz auf der Linie des erst seit 2015 bestehenden, aber erstaunlich gut funktionierenden Laien-Chores „De Meckerkring“ (Motto: Meckern ist gesund und tut gut), der das erste gemeinsame Lied mit dem Publikum anstimmte. Vierstimmig, aber die Aussage motivierte das Publikum, jede musikalische Schwierigkeit zu meistern: „Tro di wat un snack nich jümmers Hochdüütsch!“ Ihre Lieblingssprache verband an diesem Abend alle.

Getraut haben sich etwa Drittklässlerin Emma Hillen aus Falkenburg oder die ein Jahr ältere Antonia Scherff von der Grundschule Heide, die in ihren Altersklassen den plattdeutschen Lesewettbewerb gewannen. Oder das Ensemble des Plattdeutsch-Musikprojektes „Plattslag“ der Musikschule Ganderkesee, das drei Stücke spielte und spätestens beim „Jung mit’m Tüddelband“ alle Gäste mitgenommen hatte.

Laien und Profis auf der Bühne

Zu den Laien gesellten sich an dem Abend auch Profis: Neben „Lui & Fiete“ etwa das Trio Maritim mit Chansons und viel musikalischen und schauspielerischen Können; Mitglied Nina Arena ist unter anderem Regisseurin am Niederdeutschen Theater Delmenhorst, Partner Rüdiger Engel nicht minder talentiert und erfahren. Auch die Poetry-Slammer Helge Albrecht und Annika Blanke sowie Bauchredner Uwe Maas amüsierten das Publikum.

So waren am Ende die Allermeisten noch im Saal, als Pianistin Monika Arnold „Wo die Nordseewellen“ anspielte. „Schön war′s“, sagte eine Frau beim Herausgehen. „Vielleicht ein bisschen lang, aber schön wie immer.“