Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Baugebiet in Ganderkesee Bürgerinitiative will Front im Gemeinderat knacken

Von Reiner Haase | 07.10.2018, 16:49 Uhr

Die Bürgerinitiative Altengraben holt Ratspolitiker ins geplante Baugebiet am Nordrand ihres Orts. Sie will vor weiteren Entscheidungen im Rathaus Argumente für eine großzügige Fläche für den Natur- und Landschaftsschutz übermitteln.

Die Bürgerinitiative Altengraben rüttelt weiter am Plan der Gemeinde Ganderkesee, bisher freie Landschaft am Nordrand ihres Orts zum großen Teil für Wohnungsbau herzugeben. „Wir brauchen mehr Puffer für die Natur und für die Hofstelle unseres Nachbarn Lüdeke“, betont Anwohner-Sprecherin Sabine Schmöcker-Totzke.

1500 Quadratmeter nicht genug

Die Altengrabener stellt die Absicht der Gemeinde nicht zufrieden, nur einen ursprünglich als überbaubar eingestuften 1500 Quadratmeter großen Streifen am Nordrand des Plangebiets „Westlich zum Altengraben“ für die Natur herzugeben. Die Bürgerinitiative hat eine Zeichnung der Planer dahingehend überarbeitet, dass die Grünzone das Gebiet nicht nur in etwa 20 Metern Tiefe nach Norden hin abschließt, sondern bis zur Südkante des von einer Wallhecke umgebenen Grundstücks mit einem denkmalgeschützten Reetdachhaus darauf reicht.

Ein Teil des Verlusts an überbaubarer Fläche werde durchs Abspecken der erforderlichen Verkehrsfläche aufgefangen, argumentiert die Bürgerinitiative. Während die Planer der Gemeinde das Baugebiet mit einer Ringstraße erschließen wollen, zeigt die Skizze der Bürgerinitiative nur eine Sackgasse mit Wendehammer.

Fledermäuse aufgespürt

Im Ausschuss für Gemeindeentwicklung haben bisher CDU- und SPD-Ratsmitglieder geschlossen für eine großzügige Bemessung der Wohnbauflächen im Baugebiet gestimmt, zunächst ohne den 1500-Quadratmeter-Grünstreifen und dann, nach Intervention des Naturschutzbundes Ganderkesee, mit dem Schutzstreifen, für den zwei Baugrundstücke hergegeben werden sollen.

Der Nabu hat die Planänderung mit dem Hinweis auf schützenswerte Fledermäuse durchgesetzt, die sich im alten Baumbestand vor allem auf dem Grundstück mit dem Reetdachhaus tummeln und über freien Flächen nach Insekten jagen. Die kleinen Fraktionen – Grüne, FDP, FW und UWG – haben beide Planentwürfe abgelehnt, unter anderem mit Hinweis auf Flächenfraß, mangelhafte Infrastruktur und absehbare Konflikte mit landwirtschaftlichen Aktivitäten auf der Hofstelle Lüdeke.

Initiative will Front im Rat knacken

Die Bürgerinitiative hat sich jetzt vorgenommen, die Frontstellung Groß gegen Klein mit Mehrheit für CDU und SPD vor der nächsten Abstimmung im Fachausschuss und dem entscheidenden Votum des Gemeinderats aufzuknacken. Sie hat alle Fraktionen zu Terminen vor Ort eingeladen. Die Freien Wähler waren schon da, die SPD, die Grünen und die FDP haben zugesagt. Aktuell sucht Schmöcker-Totzke den Kontakt zur UWG. Auf dk-Nachfrage stellt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Thorsten Busch klar, dass die UWG stets mit mindestens einer Person kommt, wenn sie von Bürgern eingeladen wird. Die CDU will sich laut Schmöcker-Totzke den Ausflug nach Altengraben sparen; die Vorsitzende Cindy Klüner habe mitgeteilt, die Fraktion habe „eine gefestigte Überzeugung“. „Wir können unsere Argumente aber in einer Fraktionssitzung vortragen“, ergänzt die Anwohner-Sprecherin.

Dazu zählt ein Versprechen für die Zukunft: Die Altengrabener wollen sich zu einem Verein zusammenschließen. Vereinszweck soll die Pflege der Grünanlage sein, die die Wohnbauflächen rund um ein Fünftel verkleinern würde. Die Altengrabener wünschen sich eine Gestaltung der Anlage mit einer Obstbaumwiese rund um einen kleinen See.