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Baumschutz im Landkreis Oldenburg Imposante Buchenreihe entzweit Politik und Verwaltung

Von Reiner Haase | 01.11.2018, 19:59 Uhr

Hockensberg/Landkreis Oldenburg. Bunte Strickarbeiten zeigen auf, dass Anwohner eine imposante Buchenreihe in Hockensberg vorm Fällen retten wollen. Den Bäumen rücken Straßenbau- und Gewerbepläne zu Leibe.

Der Umweltausschuss des Kreistags hat am Dienstag die Absicht der Kreisverwaltung ausgebremst, der Buchenreihe an der Südseite der Iserloyer Straße in Hockensberg den Status eines Naturdenkmals zu verwehren. Die Umweltpolitiker wollen erst über einen Schutzantrag, hinter dem auch der Heimatverein Hockensberg steht, entscheiden, wenn sie sich selbst vor Ort ein Bild von den Gegebenheiten gemacht haben. „Uns fehlen Zeichnungen und Pläne“, bemängelte am Dienstag Andrea Oefler (SPD). Andere Ausschussmitglieder pflichteten ihr bei. Den Ortstermin soll es vor der ersten Sitzung des Umweltausschusses im nächsten Jahr gegeben haben.

Bauarbeiten im Wurzelbereich

Die Buchenreihe trennt den von Schlaglöchern übersäten Abschnitt der Iserloyer Straße auf rund 500 Metern zwischen der Einmündung der Nebenstraße Brakland und der Bundesstraße 213 von einer Ackerfläche. Diesen Acker und weitere Flächen südlich eines Grünzugs wollen die Gemeinden Dötlingen und Prinzhöfte sowie die Stadt Wildeshausen mit Unterstützung des Landkreises zu einem interkommunalen Gewerbegebiet machen. Die Straße ist sanierungsbedürftig, und in diesem Abschnitt klafft eine Lücke im Radwegenetz.

Farbenfroher Protest

Die Anwohner halten im Schulterschluss mit dem Heimatverein Hockensberg und dem Naturschutzbund nichts davon, dass mehr als 20 Buchen der Sanierung der Straße, dem Bau eines Radwegs oder dem Gewerbegebiet geopfert werden. Das symbolisieren bunte Strickarbeiten, die die von der Säge bedrohten Bäume umarmen.

Buchen schon unter Stress

Die Leiterin der Naturschutzbehörde im Kreishaus Eva-Maria Langfermann und Bauamtsleiter Dieter Hahn betonten am Dienstag im Umweltausschuss vergebens, dass die Buchen auf Dauer nicht stehen bleiben können. Einem Baumgutachter zufolge sind sie von allgemeinen Umwelt- und von Verkehrsbelastungen gestresst und leiden unter Schäden durch die Einwirkung sommerlicher Hitze. Einen neuerlichen Eingriff durch Straßen- und Radwegebau überstünden sie nicht. Sie stufte die Buchen als hochwertig und prägend fürs Landschaftsbild ein. Aber: „Der Erhalt der Buchen geht nur mit erheblichen Kosten“, so Langfermann. Besser sei es, die Buchen zu fällen und die bunt gemischte Baumreihe nördlich der Straße zu verbessern.

Zwei Gutachten, zwei Meinungen

„Wir fällen allzu leicht Bäume“, stellte Christel Zießler (SPD) fest. Sie wies auf eine Mail hin, die die Abgeordneten am Sitzungstag erhalten hatten. Sie enthält die Stellungnahme eines Baumgutachters aus Dötlingen, der zufolge die Buchen gut noch ein paar Jahrzehnte überstehen. „Zwei Gutachten, zwei Meinungen – wie sollen wir entscheiden?“, fragte Zießler.

Straßenverlauf im Blick

Der Ortstermin soll mehr Klarheit bringen. „Vielleicht finden wir noch einen ganz anderen Straßenverlauf“, sagte der SPD-Abgeordnete Axel Brammer. Der Heimatverein Hockensberg hat da schon einen Vorschlag: Ab Brakland quer über den Acker, sodass eine reguläre Kreuzung mit der Simmerhauser Straße entsteht. Das würde allerdings zu Lasten geplanter Gewerbeflächen gehen.