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Bedenken bei Gesundheitsreform 2016 Stenumer Orthopädie-Klinik will Neubau

Von Katja Butschbach | 22.07.2015, 20:15 Uhr

Für die Wirtschaftlichkeit der Stenumer Klinik ist laut Ärztlichem Direktor ein Neubau mit zwei Stationen erforderlich. Man benötige Bürgschaft oder Fördergelder.

„Wir suchen nach Wegen, um das Haus zukunftssicher zu machen“: Dies hat Dr. Karsten Ritter-Lang gestern vor CDU-Abgeordneten gesagt, die die Stenumer Orthopädie-Klinik besuchten. Der Ärztliche Direktor gab den Politikern mit auf den Weg, dass ein Antrag auf 6,5 Millionen Euro Fördergelder für einen Neubau mit zwei Stationen bei der Oberfinanzdirektion „auf Halde“ liege – und ihm schon eine Bürgschaft reichen würde. Den Kredit könne man selbst abtragen. Derzeit bekomme das Krankenhaus aber keinen Kredit – laut Kliniksprecherin Daniela Wolff auch deshalb, „weil Krankenhäuser allgemein wirtschaftlich schlecht dastehen“.

Weite Wege sollen kürzer werden

„Wir müssen eine gewisse Wirtschaftlichkeit haben“, sagte Ritter-Lang am Rande des Treffens. Mit dem Neubau würden aus vier Einheiten – drei Stationen und eine Intermediate Care-Station – insgesamt nur noch zwei. Damit müssten Stellen von Mitarbeitern, die in Rente gehen, nicht wiederbesetzt werden – so würden Kosten gespart. Aktuell sind die Wege in der Klinik laut Ritter-Lang weit. Auf den zusammengelegten Stationen sei auch der Patientenkontakt intensiver. Käme jetzt eine Bürgschaft, sei man schnell, wenn im Herbst kommenden Jahres Grundsteinlegung sei.

„Es brennt überall“

Zur Situation der Krankenhäuser sagte Ritter-Lang: „Es brennt überall.“ Es sei über Jahre versäumt worden, Probleme in der Gesundheitslandschaft zu beheben.

Die Klinik selbst hat einige Investitionen getätigt. Ein Sterilisator wurde angeschafft, die IT wird in einem mehrjährigen Projekt umgestellt. Seit Anfang Juli wird Station 3 (24 Betten) renoviert: Elf Zimmer bekommen eine Nasszelle. Zuvor gab es zwar Toiletten, zum Duschen mussten die Patienten laut Wolff aber über den Flur. Außerdem erhalten die Räume neue Böden und es wird gestrichen. Ende August soll alles fertig sein. Mit den Arbeiten einher geht laut Klinik eine nicht erwartete Bettenproblematik, denn normalerweise sinke die Belegung im Sommer.

120 Mitarbeiter, 61 Betten

Die Klinik hat 120 Mitarbeiter und 61 Betten. Der Ärztliche Direktor rechnet damit, in diesem Jahr wieder bei 1700 bis 1750 Behandlungsfällen im Jahr zu landen. Damit sei man an der Obergrenze. Man müsse sehen, ob es dann irgendwann eine Warteliste geben müsse. Das Einzugsgebiet der Klinik reicht laut Ritter-Lang weit über die Grenzen des Landkreises hinaus.

Beim Krankenhaus-Strukturgesetz, zu dem am 10. Juni ein Entwurf verabschiedet wurde, gibt es laut Ritter-Lang „Dinge, die uns bedrücken“. Die damit verbundene Bürokratie binde Mitarbeiter. „Die menschliche Zuwendung zum Patienten wird zu kurz kommen“, so der Ärztliche Direktor. Die den Krankenhäusern zur Verfügung gestellten Gelder seien zu gering. Die Klinik erhalte jährlich eine Förderung vom Land, ächze aber unter dem Haftpflichtbeitrag und zahle an das Land einen Lohnsteuerbeitrag, der um ein Vielfaches höher sei als die Förderung. „Wir finanzieren uns komplett selbst“, so der 52-Jährige. Die Stenumer Klinik schreibe zwar schwarze Zahlen, viele andere Kliniken aber nicht, so Ritter-Lang.

Medizintourismus immer wichtiger

Als Lösungsvorschläge verlangte Ritter-Lang unter anderem, die Umsatzsteuer auf sieben Prozent zu beschränken – aktuell zahle die Klinik beispielsweise für einzelne Schrauben für Wirbelsäulen-Operationen 19 Prozent Umsatzsteuer. Er machte darauf aufmerksam, dass auch Medizintourismus immer wichtiger werde und man die Anreize erhalten müsse, hierher zu kommen.

Die Stenumer Klinik, so CDU-Landtagsabgeordneter Ansgar Focke, „ist ein absolutes Vorzeigeobjekt“.