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Berufsförderungswerk Bookholzberg Arbeitskreis Stedingsehre feiert zehnjähriges Bestehen

Von Antje Cznottka | 07.11.2015, 18:24 Uhr

Der Arbeitskreis Stedingsehre hat am Samstag sein zehnjähriges Bestehen gefeiert. Im Berufsförderungswerk diskutierten Mitglieder des Arbeitskreises, Vertreter aus Politik und Wissenschaft sowie Interessierte bei Vorträgen, Rundgang und Podiumsgespräch die Bedeutung und künftige Nutzung des Spieldorfes.

Vorträge zur Geschichte des Areals, zur Bedeutung von Stedingsehre für die Nationalsozialisten sowie zu den bisherigen und zukünftigen Aufgaben des Arbeitskreises Stedingsehre standen zur Feier seines zehnjährigen Bestehens auf dem Programm im Berufsförderungswerk Weser-Ems in Bookholzberg. Seit 2005 sammelt der Arbeitskreis, der an die regioVHS angegliedert ist, Informationen, Dokumente und Ausstellungsstücke zur Geschichte der Freilichtbühne und des dazugehörigen Spieldorfes, die von den Nationalsozialisten errichtet worden waren. „Ein großes Kompliment an den Arbeitskreis, denn zu so einem Thema zehn Jahre am Ball zu bleiben, ist eine enorme Leistung“, sagte Rolf Schütze, Direktor der regioVHS Ganderkesee-Hude.

Arbeitskreis Stedingsehre feiert zehnjähriges Bestehen

Die Erinnerung an den Nationalsozialismus vor Ort sei eine wichtige Aufgabe, sagte Dietmar von Reeke vom Institut für Geschichte der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg. „Das ist ein Ort, der Fragen aufwirft und der Erklärung bedarf.“ So könnten das Spieldorf und die Freilichtbühne auch nicht unkommentiert weiter genutzt werden. Darüber hinaus sprachen Michael Brandt von der Oldenburgischen Landschaft, Gerhard Kaldewei vom Nordwestdeutschen Museum für IndustrieKultur, Lutz Walk vom Arbeitskreis, Dr. Rolf Keller von der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und Dietmar Mietrach vom Förderverein Informationszentrum Freilichtbühne vor rund 50 Gästen, darunter auch Bundestagsabgeordnete Astrid Grotelüschen, Landtagsabgeordneter Axel Brammer, FDP-Vorsitzende Marion Daniel, SPD-Fraktionsvorsitzender Werner Brakmann.

Unterhalt von Stedingsehre kostet bis zu 100.000 Euro jährlich

Seit seiner Gründung ist es Ziel des Arbeitskreises ein Bildungszentrum für Geschichte, den „GeschichtsOrt Stedingsehre“, zu schaffen. Allerdings befinden sich das Spieldorf und die Freilichtbühne auf dem Gelände des Berufsförderungswerks (BFW) in Bookholzberg. Das BFW nutzt die für die Unterbringung eines Archivs und einer Ausstellung infrage kommenden Häuser des Spieldorfes derzeit selbst. Wegen Schadstoffbelastungen mussten das BFW Gebäude sperren, umbauen und auf die Gebäude des Speildorfes ausweichen. „Etwa Mitte 2016 sollten die Umbauarbeiten beendet sein, sodass das Spieldorf dann frei wird“, erklärt Jörg Barlsen, Geschäftsführer des BFW Weser-Ems. Gespräche zur Ausarbeitung eines Nutzungsplanes laufen bereits. „Wir wollen dem Arbeitskreis gern den Raum geben, müssen aber schauen, wie wir das finanzieren“, sagte Barlsen. Das BFW investiere etwa 80.000 bis 100.000 Euro jährlich in den Erhalt und Unterhalt des unter Denkmalschutz stehenden Spieldorfes und der Freilichtbühne.

Finanzierung von Informationszentrum in Stedingsehre an Nutzungserlaubnis gebunden

„Wir sind bereits an Stiftungen und Spender herangetreten, die signalisiert haben, uns unterstützen zu wollen. Allerdings müssen wir dafür die Gebäude haben“, sagte Dietmar Mietrach, Vorsitzender des Fördervereins Informationszentrum Freilichtbühne Bookholzberg. Die finanzielle Unterstützung von beispielsweise dem Leader-Programm oder der Oldenburgischen Landschaft zur Schaffung des Informationszentrums sei an die Zusicherung geknüpft, dass das Spieldorf genutzt werden könne.

Der Förderverein hat für die Nutzung und Finanzierung ein Drei-Säulen-Konzept für das Spieldorf erstellt: Gastronomie, Kultur und ein Existenzgründerzentrum. Der erste Schritt solle die Einrichtung des Dokumentations- und Informationszentrum sein, sagt Mietrach. Das Freilichttheater sei allerdings nicht Teil des Konzepts.

Arbeitskreis würde gern mehr als ein Gebäude im Spieldorf füllen

„Das große Ziel ist ein Informationszentrum im Spieldorf, währenddessen suchen wir weiter nach Exponaten“, beschreibt Inge Meyer das weitere Vorgehen des Arbeitskreises. Dafür hätte der Arbeitskreis auch gern mehr als ein Gebäude im Spieldorf. „Wir haben so viel Material gesammelt. Alle Exponate in einem Haus unter zu bringen wird knapp“, berichtet Inge Meyer vom Arbeitskreis. Immerhin müsse alles auch medial und ansprechend gestaltet werden.

Kompromiss zur Nutzung von Stedingsehre nötig

Derzeit nutze der Arbeitskreis noch zwei Stunden in der Woche einen Raum in der Nordschule, um sich zu treffen. Allerdings sollen dort laut Lisa Dirks vom Arbeitskreis im nächsten Jahr möglicherweise Flüchtlinge untergebracht werden. „Die Oberschule an der Ellerbäke wird dann voraussichtlich einen Versammlungsraum zur Verfügung stellen“, berichtet Dirks weiter. Einen Raum, der bis zum Einzug in das Spieldorf für die Ausstellung der Exponate oder als Archiv genutzt werden kann, sei hingegen nicht in Sicht. „Menschen und Institutionen nehmen aber immer wieder Kontakt mit uns auf, wenn sie Material für uns finden“, berichtet Dirks. Dieses Material lagerte zur Zeit bei den Mitgliedern des Arbeitskreises oder bei den Findern .

„Eine Lösung kann nur einvernehmlich und partnerschaftlich gefunden werden“, berichtet Rolf Schütze. Die Jubiläumsfeier finde auch statt, damit alle Parteien über die Nutzung von Stedingsehre beraten und diskutieren können. „Es wird letztlich planerisch, rechtlich und finanziell einen Kompromiss geben“, sagt Schütze.