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Betrug bei Barauszahlungen Gravierender Verdacht auf Unterschlagung im Kreishaus

Von Dirk Hamm | 06.06.2017, 16:49 Uhr

Ein Verwaltungsmitarbeiter im Wildeshauser Kreishaus steht unter Verdacht, über Jahre Geld unterschlagen zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Die Verwaltung des Landkreises Oldenburg mit Sitz in Wildeshausen wird von einem schwerwiegenden Verdacht auf Unterschlagung erschüttert, der gegen einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin erhoben wird. Der Schaden könnte sich möglicherweise im sechsstelligen Bereich bewegen, wie Landrat Carsten Harings gestern Mittag im Kreishaus gegenüber der Presse erklärte.

Umgehend vom Dienst suspendiert

Die verdächtigte Person, der Betrug bei Bargeldauszahlungen im Bereich der Sozialverwaltung zur Last gelegt wird, ist laut Harings umgehend vom Dienst freigestellt worden. Es sei eine umfassende Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft in Oldenburg erstattet worden. Nähere Angaben zu der Person wollte der Landrat zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht machen, erst müsse der Betrugsverdacht weiter erhärtet werden. Der oder die suspendierte Beschäftigte arbeite jedoch seit vielen Jahren in der Kreisverwaltung, habe keine Leitungsfunktion inne und sei bislang unbescholten.

Auffällig viele Auszahlungen

Wie Harings weiter ausführte, hat der Kassenleiter im Kreishaus Verdacht geschöpft, als sich die verdächtigte Person am Dienstag vergangener Woche bei der Kreiskasse nach verfügbarem Bargeld erkundigt habe, sich dann aber anders als üblich erst mehrere Stunden später 500 Euro habe auszahlen lassen. Nach Einschaltung des Kämmerers und der Kassenaufsicht sei bei ersten Recherchen schnell aufgefallen, dass die Person im laufenden und im vergangenen Jahr auffällig häufig Bargeldauszahlungen veranlasst habe.

Am Freitag Strafanzeige erstattet

Die mit näheren Untersuchungen beauftragte Innenrevision habe dann weitere Verdachtsmomente zutage gefördert, die die beschuldigte Person am Donnerstag in einem zweistündigen Gespräch nicht habe ausräumen können. Am Freitag erfolgte dann die Strafanzeige.

Allein im Sozialbereich der Kreisverwaltung würden im Jahr etwa 130 Millionen Euro bewegt, sagte Harings. Bargeldauszahlungen für Leistungsempfänger, die über kein eigenes Konto verfügen, seien nicht unüblich. Bestätige sich der aktuelle Verdacht, sei von „hoher krimineller Energie“ auszugehen. „Es ist schwierig, so etwas zu 100 Prozent auszuschließen“, so der Landrat.