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BFW-Standort Bookholzberg sicher Berufsförderungswerk Bookholzberg neu ausgerichtet

Von Thorsten Konkel | 21.06.2015, 22:51 Uhr

Das BFW Bookholzberg hat seine Leistungen im Bereich der Arbeitsvermittlung neu aufgestellt – inmitten seiner eigenen Neuausrichtung. Ziel ist der Erhalt des Standorts an der Apfelallee.

„Weg von der reinen Ausbildungseinrichtung, hin zu einem Berufsförderungswerk, das Menschen gezielt in Arbeit bringt und dabei unterschiedliche Werkzeuge einsetzt“, beschreibt Hartmut Kostens den einschneidenden Wandel, dem sich die Rehabilitationseinrichtung mit Sitz in Bookholzberg derzeit unterzieht.

Reha-Landschaft ändert sich grundlegend

Denn im Zuge des auch von den Kostenträgern gewünschten Zusammenwachsens von Niedersachsens Berufsförderungswerken in Bookholzberg (Weser-Ems), Bad Pyrmont und bald auch in Goslar, stellt sich die Einrichtung auf immer ältere Rehabilitanden ein. „Die Reha-Landschaft ändert sich gerade völlig“, beschreibt Kostens den Einfluss des demografischen Wandels mit einer zunehmend älteren Klientel, die wieder in Arbeit gebracht werden soll, auf das Geschäft:

Älteren Chancen geben

„Menschen, die um die 50 Jahre alt sind, bezahlt kein Kostenträger mehr eine zweijährige Ausbildung“, beklagt Kostens. Um flexibler reagieren zu können, lösten daher kurzfristigere Qualifizierungs- und Integrationsmaßnahmen die generellen Umschulungen in neue Berufe ab.

Pilotprojekt

Die Berufsförderungswerke Bookholzberg und Bad Pyrmont haben deshalb im Zuge des Pilotprojekts „Integrationsnetzwerk Nord (INN)“ ihre unterstützenden Leistungen im Bereich der Arbeitsvermittlung neu aufgestellt.

Das BFW bietet inzwischen an, Rehabilitanden gezielt auf offene Stellen hin zu qualifizieren. Ziel: Nach maximal neun Monaten sollen die Teilnehmer ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis aufnehmen.

Einer davon ist Stephan Stock. Der 40-Jährige bereitet sich an der Apfelallee in Bookholzberg derzeit auf eine Job als Fachkraft im Online-Marketing vor. „Eben diese Stelle will eine Firma in Ahlhorn dringend besetzen“, sagt die Arbeitsmarkt- und Integrationsexpertin Susanne Lüke. Ihrer Arbeit kommt im BFW ein ganz besonderer Stellenwert zu.

Gezielt auf einen Job ausbilden

„Das sogenannte ,Assessment’, die Eignungsdiagnostik und Berufsfindung, wird immer bedeutender“, erklärt Dr. Gudrun Pirke, Mitglied der Unternehmensleitung. „Matchen“, nennt sich auf Neudeutsch diese Herausforderung, offene Stellen und Rehabilitanden zueinander zu führen. Herauszufinden, welche Arbeit zu welchem Kunden passt, ist dabei nicht die einzige Herauforderung.

Arbeitsvermittlung inklusive

Ganz neu dabei ist, dass das BFW zunehmend auch aktiv die Arbeitsvermittlerrolle übernimmt. „Dafür wurden eigens Stellen im Arbeitsmarkt- und Integrationsbereich geschaffen“, betont Pirke. Angst, dass in Bookholzberg Arbeitsplätze im Zuge der Kooperation wegfallen könnten, müsse keiner der knapp 100 Beschäftigen haben. Rund drei Monate nach der Bekanntgabe einer Kooperation der drei Werke stehe zwar die Richtung, nicht aber die Rechtsform fest, räumt sie ein. „Es könnte auf eine gemeinnützige GmbH hinauslaufen, das ist aber gegenwärtig nicht sicher“, betonte Pirke.

Die Berufsförderungswerke Weser-Ems und Bad Pyrmont sind derzeit in der Trägerschaft der Stiftung des Landes Niedersachsen für berufliche Rehabilitation. Das BFW Goslar wird noch von der Stiftung der Diakonie Braunschweig getragen.