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Bundestagswahl 2017 Dürr überzeugt Zweifler bei Wahl des FDP-Kandidaten

Von Reiner Haase, Reiner Haase | 08.12.2016, 16:53 Uhr

Die FDP geht im Wahlkreis 28 mit dem Kandidaten Christian Dürr in den Bundestagswahlkampf 2017. Bei der Nominierung überzeugte der Ganderkeseer Zweifler.

Die FDP will nach vier Jahren abseits der wichtigen Bühne Bundespolitik in den Bundestag zurück. Im Wahlkreis 28, der Delmenhorst sowie die Landkreise Oldenburg und Wesermarsch umfasst, ist Christian Dürr zum Kandidaten für die Wahl nach den Sommerferien 2017, voraussichtlich in der zweiten Septemberhälfte, gewählt worden. Und das mit deutlichem Rückenwind aus allen drei Bereichen des Wahlkreises: 33 Wahlberechtigte sagten am Mittwochabend im Schwarzen Ross in Bookholzberg Ja zu Dürr, drei stimmten gegen ihn.

Überzeugender Auftritt vor Wahlgang

So klar sah es anfangs für den Ganderkeseer, der zurzeit Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion in Hannover ist, gar nicht aus. Der Harpstedter Rolf Müller berichtete, dass Angelika Brunkhorst, bis zur Wahlpleite 2013 FDP-Abgeordnete in Berlin, in seiner Gemeinde beklage, von Dürr und einer Kungelei der FDP-Spitze in Hannover ausgebootet worden zu sein. „Ich habe mir kein persönliches Fehlverhalten vorzuwerfen“, beteuerte Dürr. Er stellte den Ablauf dar und berichtete, Brunkhorst sei nach seiner Frau die zweite Person gewesen, die von seiner Absicht, in den Bundestag zu wechseln, erfahren habe. „Er hat alles richtig gemacht“, bekräftigte Niels-Christian Heins, Vorsitzender der FDP im Landkreis Oldenburg.

Vom Nein über Enthaltung zum Ja

Schließlich war auch der Harpstedter überzeugt: „Erst wollte ich mit Nein stimmen, dann mit Enthaltung, jetzt kreuze ich Ja an.“ Überzeugend war wohl auch der Hinweis des Versammlungsleiters Horst Kortlang, Brunkhorst hätte zur Wahlversammlung kommen und sich bewerben können: „Wir Mitglieder einer demokratischen Partei hätten uns gern zwischen zwei Bewerbern entschieden.“

Allein auf Bundestag ausgerichtet

Auch der Delmenhorster Claus Hübscher spendete Dürr kräftigen Beifall. Er entlockte dem Bewerber die Aussage, er wolle ausschließlich in den Bundestag und sich kein Hintertürchen für die Landtagswahl 2018 offenhalten. Diese Aussage hatte Dürr allerdings wenige Minuten zuvor selbst verwässert, als er ausführte, dass das Wort „Nie“ nicht zu seinem Wortschatz gehört.

„Drei D“ für den Wahlkampf

Im Bundestag zeige sich, wie sehr die FDP der Bundespolitik fehle, kündigte Dürr an. Er will mit „drei D“ in den Wahlkampf ziehen: Digitalisierung, Demografie und Demokratie. Beim Stichwort Digitalisierung geißelte er das Ziel der niedersächsischen Landesregierung, bis 2020 allen Niedersachsen den 50-Megabit-Standard erreichbar zu machen. „Das ist eher der Stand von Nordkorea als der Stand von Südkorea“, spöttelte Dürr. Den im Bundestag aktuell vertretenen Parteien warf Dürr zum Stichwort Demografie vor, keine Aktualisierung des mehr als zehn Jahre alten Einwanderungsgesetzes hinzukriegen. Ohne die Zuwanderung von außen gebe es nur die Alternative „Sieben-Kinder-Familie sofort und für alle.“ „Bei allem Respekt vor Ursula von der Leyen in dieser Sache – meine Frau kann ich davon nicht überzeugen“, so Dürr. Beim Stichwort Demokratie bemängelte er, dass Toleranz, Weltoffenheit und Rechtsstaatlichkeit nicht mehr selbstverständlich seien, sondern ständig wieder begründet werden müssten.

Schneller und stetiger Aufstieg

Marion Daniel, Vorsitzende der Ganderkeseer FDP, charakterisierte Dürr in der Versammlung als „Mann, der immer hoch hinaus will“. Sie benannte wichtige Stationen des politischen Werdegangs ihres örtlichen Stellvertreters: seit 1995 Junger Liberaler und binnen fünf Jahren Landesvorsitzender des FDP-Nachwuchses, seit 1996 FDP-Mitglied und binnen vier Jahren Aufstieg in den Landesvorstand, seit 2011 Mitglied des Bundesvorstands und seit 2013 des Präsidiums der FDP. Landtagsabgeordneter ist Dürr seit 2003 und dort Fraktionsvorsitzender seit 2009.