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CDU-Besuch im Wichernstift Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie plant Neubau

Von Dirk Hamm | 12.05.2017, 11:19 Uhr

Alt, schlecht strukturiert und zu klein – der rund 60 Jahre alte Gebäudekomplex der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Wichernstifts muss komplett durch einen Neubau ersetzt werden.

Das sagte der Geschäftsführer der Klinik, Wolfgang Walter, am Donnerstag während eines Informationsbesuches der Bundestagsabgeordneten Astrid Grotelüschen (CDU) sowie von Vertretern der Christdemokraten aus Ganderkesee und Delmenhorst. „Dieses Gebäude ist für eine Klinik eigentlich nicht geeignet. Es wurde ursprünglich als Lehrlingsheim genutzt“, erklärte Walter.

Vor allem ein Nachteil der bestehenden Baukörper der Klinik falle ins Gewicht: Die sechs Stationen sind in horizontal und vertikal versetzten Häusern untergebracht, der gesamte Komplex erinnert an eine Reihenhaussiedlung. Durchgänge zwischen den Stationen sind nicht vorhanden.

1000 Quadratmeter mehr Fläche

Das beeinträchtige die Wirtschaftlichkeit der Einrichtung, erläuterte der Geschäftsführer. Denn für jede Station müsse eine Nachtwache im Umfang von 2,3 Stellen vorgehalten werden, bei einer klinikgerechten Gebäudestruktur mit Durchgängen hingegen lasse sich an der Stelle Personal einsparen.

Die Planung für den Neubau, der mit rund 4000 Quadratmetern etwa 1000 Quadratmeter mehr Fläche als die jetzigen Gebäude bieten soll, sei bereits erstellt worden, sagte Walter weiter. Hinsichtlich des Zeitrahmens für die Verwirklichung des Bauvorhabens hielt er sich allerdings noch bedeckt.

Hoffen auf hohe Priorität beim Land Niedersachsen

Denn zunächst ist die Finanzierung sicherzustellen. Eigentlich müsse das Land vom Gesetz her die benötigten Mittel bereitstellen, so Walter, allerdings sehe es nicht danach aus, dass Hannover die Finanzierung alleine stemmen könne. „Wir hoffen, dass wir im Juni auf die Prioritätenliste des Landes gesetzt werden. Dann hängt es davon ab, wie hoch wir auf dieser Liste stehen, wann mit dem Neubau begonnen werden kann“, sagte der Klinikchef.

Chefarzt Dr. Rasmus Bernhardt gab den Besuchern aus der Politik bei einem Rundgang einen Einblick in die Arbeit der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Diese verfügt über 51 stationäre Plätze sowie 29 Plätze in der Tagesklinik.

Auftrag in riesigem Versorgungsgebiet zu erfüllen

Junge Patienten, die eine akute psychische Krise durchmachen, halten sich laut Bernhardt im Schnitt zwei bis sechs Wochen im Wichernstift auf. Bei längerfristigem tiefenpsychologischem Bedarf betrage die Behandlungsdauer drei bis sechs Monate.

Die Stationen seien ausgelastet, berichtete Bernhardt. Abgesehen von besonders dringlichen Fällen müsse für die Aufnahme eine Wartezeit von bis zu drei Monaten in Kauf genommen werden.

Die Klinik habe ihren psychologisch-therapeutischen Versorgungsauftrag in einem „riesigen Versorgungsgebiet“ zu erfüllen, das die Landkreise Oldenburg und Wesermarsch, die Stadt Delmenhorst sowie Stadt und Landkreis Cuxhaven umfasse. Neben dem Haupthaus in Elmeloh seien dafür zwei Tageskliniken in Cuxhaven und Brake hinzugekommen.

Hoher Dokumentationsaufwand raubt Zeit

Der Chefarzt wies auf einige Entwicklungen hin, die die Arbeit in der Kinder- und Jugendpsychiatrie erschwerten. An erster Stelle nannte er den „übermäßigen Dokumentationsaufwand“ für die Krankenkassen, den die neue Vergütungsrichtlinie erfordere: „Es ist eine Misstrauenskultur mit ständigen Überprüfungen entstanden.“ Die Zeit, die für die Dokumentation nötig ist, gehe von der intensiven und beziehungsorientierten Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen und deren Familien ab.

Problematisch sei auch, wenn gerade volljährig gewordene Patienten an die Erwachsenenpsychiatrie verwiesen werden, vom emotionalen Reifegrad jedoch des Rahmens der Kinder- und Jugendpsychiatrie bedürfen. Auch hier gestalte sich das Verhältnis zu den Kassen immer schwieriger.