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„Da weiß man, was man isst“ Bookholzbergerin betreibt Gemüsefarm im eigenen Garten

Von Johannes Giewald, Johannes Giewald | 03.06.2017, 13:08 Uhr

Den Weg zum Supermarkt kann Hannelore Bodenberger sich sparen – meistens zumindest. Die Bookholzbergerin ernährt sich aus dem eigenen Garten. Der Vorzug der eigenen Produkte treibt sie an.

Keine roten Rosen, keine gelben Narzissen, kein blauer Vergissmeinnicht: Im Garten von Hannelore Bodenberger dominiert derzeit die Farbe grün. Die Bookholzbergerin gehört zu den Menschen, die ihr Gemüse, ihre Kräuter und andere für den Verzehr geeigneten Nutzpflanzen im eigenen Garten anbaut. Viele Pflanzen tragen noch nicht die heiß ersehnten Früchte, weshalb derzeit mehr grün als bunt zu sehen ist.

„Es schmeckt viel besser als das Gekaufte“, vereinfacht sie ihren Antrieb, die Lebensmittel aus dem eigenen Anbau statt aus dem Supermarkt zu beziehen. Beispielhaft pflückt sie dafür eine Gurke von einer aus dem Garten und schwärmt von der viel besseren Konsistenz und Dichte der Frucht.

Gemüse, Kräuter, Früchte

Wenn Hannelore Bodenberger anfängt aufzuzählen, was sie alles in ihrem Garten wachsen lässt, scheint es, als habe diese Liste kein Ende. Dabei ist ihre Anbaufläche gerade einmal 180 Quadratmeter groß. Dort hat sie Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln, Salat, Kohlrabi oder Schwarzwurz angepflanzt. In einem kleinen Gewächshaus wachsen Gurken und Tomaten.

Für geschmacksintensive Kräuter wie Zitronenmelisse, Salbei oder Schokominze hat sich die Bookholzbergerin ein Kräuterbeet angelegt. Gerne probiert sie auch exotische neue Gewächse aus, so hat sie kürzlich gelbe Himbeeren oder Cranberry-Sträucher für sich entdeckt. (Weiterlesen: Was macht einen guten Kräutergarten aus?)Es gibt fast kein Gemüse, das Hannelore Bodenberger nicht in ihrem Garten anbaut. Foto: Johannes Giewald

Qualität entschädigt zeitintensiven Aufwand

„Ich habe ihr schon ein paar Mal gesagt, die Sachen stehen auch im Supermarkt im Regal, aber sie lässt sich nicht davon abbringen“, sagt Ehemann Horst Bodenberger. Solange sie noch im Garten arbeiten könne, baut sie ihre Lebensmittel selber an, lenkt die 58-Jährige ein. Diese Arbeit sei allerdings sehr aufwendig und zeitintensiv.

Für Hannelore Bodenberger ein liebevolles Hobby, doch wer heute einen großen Garten hat, schaffe sich lieber ein eigenes Naherholungsgebiet, als sich neben der Arbeit noch dauerhaft um den Anbau und die Ernte zu kümmern. So erklären sich die Bodenbergers die vergleichbar geringe Zahl der Menschen, die in dem gleichen Umfang wie sie von den Erzeugnissen aus dem eigenen Garten leben. (Weiterlesen: Schöner Garten in Delmenhorst mit wenig Aufwand)

„Da kann ich ja gleich einkaufen gehen.“

Die Qualität der Eigenproduktion und das Wissen über die Inhaltsstoffe der eigenen Gartenprodukte ist es den Bookholzbergern wert, Zeit und Mühe in die Gartenarbeit zu stecken. „Da weiß man einfach, was man isst.“ Und das heißt bei Hannelore Bodenberger: Keine Chemie. Auf künstliche Dünger oder Pestizide verzichtet die 58-Jährige vollständig. „Da kann ich ja gleich einkaufen gehen.“

Der Einsatz von chemischem Dünger würde sich beispielsweise beim Einkochen durch Aufschäumen im Topf bemerkbar machen. Stattdessen hilft die Gemüsezüchterin mit natürlichem Verstärker beim Wachsen nach. Auf einer benachbarten Koppel sammelt sie Pferdeäpfel ein. In einer Tonne setzt sie sogenannte Pflanzenjauche auf. Brennnesseln, Zwiebelschalen, Schachtelhalme und andere Überbleibsel des Gartens werden zum Gären mit Wasser vermischt. (Weiterlesen: Ein Garten auf dem Balkon im Selbstversuch)

Kein Gift gegen Läuse

Auch den natürlichen Feinden ihrer Gewächse sagt die 58-Jährige nicht mit der Chemiekeule den Kampf an. „Gift kommt hier nicht rein, normal hilft sich die Natur selbst: Wenn wir mehr Blattläuse haben, haben wir auch mehr Marienkäfer“, sagt Hannelore Bodenberger. Gegen gefiederte Beerendiebe aus der Luft muss die Gärtnerin an einigen Stellen Netze spannen, um selbst noch was von der Ernte übrig zu haben. „Sobald die Erdbeeren Farbe bekommen, sind die Vögel schneller hier als wir.“

Vom Garten in die Pfanne

Ähnlich verschieden wie die Vielfalt, die in ihrem Garten wächst, sind für die Bookholzbergerin auch die Möglichkeiten der Verarbeitung der Eigengewächse. Beeren landen gerne im Marmeladenkochtopf oder werden zu Wein und Saft gepresst. Früchte wie Gewürzgurken werden eingemacht.Viele Gartenerzeugnisse bereitet Hannelore Bodenberger aber auch gerne direkt in der Küche zu, „und das schmeckt, da braucht man kein Fleisch zu“, schwärmt die Gärtnerin, die ebenso gerne Köchin ist.

Und, davon ist Hannelore Bodenberger überzeugt: Wer sich selbst aus dem eigenen Garten versorgt, spart eine Menge Geld – lässt man den Arbeitsaufwand aus dieser Rechnung einmal raus. Ausschließlich können sich die Bodenbergers aber nicht aus ihrem Eigenanbau ernähren. „Wir müssen auch dazu kaufen“, sagt die Hobbygärnterin – auch wenn sie dies nur allzu ungern tut.

Lesen Sie hier alle Teile unserer großen Gartenserie „Querbeet“