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Datenschutz-Grundverordnung Ganderkesees Vereine sind mit Datenschutz überfordert

Von Alexandra Wolff | 02.07.2018, 17:38 Uhr

Als wichtig, aber arbeitsintensiv haben Ganderkesees Vereine die neue Datenschutz-Grundverordnung bezeichnet. Das ist das Fazit nach den ersten Wochen seit Inkrafttreten der Vorschrift.

Die einen Vereinsvorsitzenden in Ganderkesee betrachten die neuen Vorschriften der EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO/DSGVO) als „seit Langem überfällig“, andere haben sogar die ganze Internetseite ihres Vereins überarbeitet. Die Verordnung der EU ist seit dem 25. Mai gültig und besagt, dass jeder zustimmen muss, ob eine Organisation dessen Daten nutzen darf. Für die Vorstände bedeutet das viel zusätzliche Arbeit – ehrenamtliche Arbeit.

Internetseite vorsichtshalber deaktiviert

Der Luftsportverein Ganderkesee hatte zeitweise seine Internetseite deaktiviert. Inzwischen ist die komplett neuaufgebaute Seite im Netz zu finden. Der Vorstandsvorsitzende, Ingmar Hellhoff, hat – wie die meisten Vorsitzenden – eine Vollzeitstelle und muss sich zusätzlich noch um diese Aufgabe kümmern, die nichts mit seinem eigentlichen Hobby Luftsport zu tun hat. Doch gerade wegen seines Hauptamtes weiß er, wie wichtig Datenschutz ist: „Ich arbeite in einem Beruf, der mit hochsensiblen Daten umgeht.“ Deswegen griff Hellhoff zu der drastischen Maßnahme, die alte Internetseite des Vereins zu deaktivieren.

Die DSGVO war aber nicht der einzige Grund. „Die Seite brauchte ohnehin mal wieder eine Überarbeitung“, ergänzte Hellhoff im dk-Gespräch. Er geht zwar davon aus, dass die alte Internetseite nicht gegen den Datenschutz verstieß,, aber: „Ich bin kein Jurist. Es gibt Unternehmen, die gezielt das Internet nach Homepages durchforsten, die gewisse Regeln nicht einhalten. Die Betreiber dieser Seiten werden dann zur Kasse gebeten, selbst wenn sie nur aus Unwissenheit in irgendwelche Fallstricke geraten sind.“

Hilfe vom Landessportbund

Diese Angst hat der Vorsitzende des Schützenvereins Hengsterholz-Havekost, Alexander Roloff, nicht: „Wo kein Kläger, da kein Richter.“ Auch er sei schon beruflich für das Thema Datenschutz sensibilisiert. Er arbeite in der Informatikbranche und beteuerte, dass sein Verein schon immer auf den Datenschutz geachtet hatte. Dennoch: „Es hat einen ganzen Arbeitstag in Anspruch genommen, die Mitglieder über die neue Verordnung zu informieren.“ Auch wenn der Landessportbund Vorlagen für Sportvereine verteilt hatte, mussten die Clubs noch viel Arbeit investieren, damit die Richtlinien auf den jeweiligen Verein zutreffen. Und obwohl Roloff weiß, wie wichtig Datenschutz ist, bezeichnet er die Verordnung als „abschreckend“: „Unser Verein hat mit niedrigen Mitgliederzahlen zu kämpfen. Und dann müssen sich Vorstände auch noch mit immer mehr Regularien auseinandersetzen.“ Die DSGVO sei dabei nur eine von vielen neuen Verordnungen, nach denen sich der Verein richten muss.

„Man muss sich schon damit beschäftigen, wo die Daten eigentlich überall hingehen“, sagte auch Maik Scherschanski, der erste Vorsitzende der Sportgemeinschaft Bookhorn. Mit der DSGVO gehe sein Verein „entspannt, aber mit der nötigen Ernsthaftigkeit“ um: „Ich habe die Mitglieder, die direkt erreichbar waren, darüber unterrichtet, dass wir an dem Thema dran sind und weitere Informationen folgen.“

Gerold Ahlers, der Vorsitzende des Schachclubs Ganderkesee, hingegen hält die Verordnung für „seit Langem überfällig“: „Die DSGVO ist umzusetzen. Ohne Wenn und Aber. Das Ziel der DSGVO, dass alle Menschen die Verarbeitung ihrer personenbezogenen Daten im Griff behalten, kann nur unterstützt werden.“ Aber auch er räumte ein: „Bislang hat die Verordnung nur Arbeit verursacht. Wenn man sich aber erst einmal in die Thematik eingearbeitet hat, ist es nicht so kompliziert wie vermutet.“ Da Ahlers zugleich Vorsitzender des Ortsvereins Ganderkesee ist, konnten gleich zwei Vereine von seiner Einarbeitung profitieren. Gute Erfahrungen machte er mit dem Ratgeber des Landesbeauftragten für Datensicherheit des Landes Baden-Württemberg. Das PDF „Datenschutz im Verein nach der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO)“ ist im Internet zu finden.