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Dealer kommt mit Verwarnung davon Mildes Urteil in Prozess um Drogenhandel in Wildeshausen

Von Ole Rosenbohm | 04.06.2018, 18:31 Uhr

In Wildeshausen blieb sein Marihuana-Verkauf nicht lange unentdeckt. Wegen seiner umfangreichen Aussage wurde der 20-Jährige nicht zu einer Haftstrafe verurteilt. 500 Euro muss er aber zahlen.

Zur Tatzeit vor zwei Jahren hat er sein Handeln wohl als cleveren Geschäftssinn bezeichnet, heute blickt der 20-Jährige aus Wildeshausen auf „eine echt dumme Idee“ zurück: Weil viele in seiner Clique Marihuana rauchten, hatte sich der junge Mann Gras organisiert und begann selber zu verkaufen. Lange florierte das Geschäft aber nicht, die Polizei erwischte ihn. Sein Glück: Er sagte umfassend aus und machte jetzt vor dem Jugend-Schöffengericht des Amtsgerichts Wildeshausen auch sonst einen guten Eindruck. So kam er mit einer Verwarnung plus Geldauflage von 500 Euro davon.

Untypischer Vertreter der Dealer-Szene

Richterin und Staatsanwalt sahen in dem jungen Mann einen eher untypischen Vertreter der Dealer-Szene. Denn der heute 20-Jährige legte nicht nur ein Geständnis ab, sondern gab sogar mehr zu als angeklagt: Nicht nur 50 Gramm hätte er sich damals über einen Bekannten besorgt, sondern gleich 100. Eine fast folgenschwere Einlassung, da er damit über die Grenze einer „nicht geringen Menge“ rutschte und theoretisch eine deutlich härtere Strafe – Mindeststrafe ein Jahr Gefängnis im Erwachsenenstrafrecht – befürchten musste. Das aber nur theoretisch: Denn „außer der Straftat spricht nichts gegen ihn“, sagte der Staatsanwalt angesichts seiner Lebenssituation mit fast absolvierter Ausbildung, stabilen Familienverhältnissen, Lebensgefährtin und sozialen Kontakten abseits der alten Clique. Gestraft sei er schon durch die lange Zeit bis zum Hauptverfahren, führte dazu der Vertreter der Jugendgerichtshilfe aus.

Wahnsinnige Angst vor dem Gefängnis

„Er hatte wahnsinnige Angst vor dem Gefängnis.“

Dass ihn die Polizei damals erwischte, bezeichnet der Angeklagte deshalb als „großes Glück“.

Er hätte weitergemacht mit dem Dealen, gab er zu, zu verlockend sei der zu erwartende Gewinn gewesen. „Ich wollte Geld machen, ich war der Meinung, ich hätte zu wenig.“ Deshalb betrieb er auch ein zweites „Geschäft“, verlieh Geld an Freunde und nahm dafür nicht zu knapp Zinsen, wie Chat-Protokolle aus seinem beschlagnahmten Handy beweisen: Für 200 verliehene Euros will er 250 zurückbekommen haben. Aber auch sein Wirken als „Privat-Bankier“ soll der Vergangenheit angehören.

Verurteilt – und zwar nach Jugendstrafrecht – wurde er nur für die Drogengeschäfte. Die 500 Euro Geldauflage gehen an das „Brücke-Projekt“ Wildeshausen, das sich um straffällige junge Menschen kümmert.