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Dem Bundestrend folgend Immer weniger Christen in Ganderkesee

Von Kristina Müller | 24.07.2017, 19:18 Uhr

Die Zahl der Christen in Deutschland schrumpft nach wie vor. Dieser Trend spiegele sich auch in der Ganderkeseer Kirchengemeinde wider.

Vorweg: Die Anzahl der Kirchenaustritte in Deutschland ist nicht mehr ganz so hoch wie in den Jahren zuvor. Dennoch, Hunderttausende Christen kehrten der Kirche den Rücken. Laut Deutscher Bischofskonferenz hat sich die Zahl der Katholiken in Deutschland um rund 162.000 Mitglieder auf 23,6 Millionen verringert. Noch größer ist der Verlust bei der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD): Die Zahl der Protestanten ging von 2015 auf 2016 um knapp 350.000 zurück und lag bei rund 21,9 Millionen.

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg hingegen hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr nur leicht an Mitgliedern verloren. Zu der Kirche gehörten Ende Dezember 2016 insgesamt 418.086 Christen – die Zahl der Gemeindemitglieder sank um 5670 Personen (1,34 Prozent). Dabei blieben die Austritte mit 3.901 im Vergleich zum Vorjahr mit 3.886 nahezu konstant.

Mitgliederstärkste Region

Die Zahl der Kircheneintritte und Taufen zusammen übersteige allerdings die Zahl der Austritte deutlich. Dass dennoch insgesamt ein Mitgliederverlust zu verzeichnen sei, liege an den 4.556 gestorbenen Kirchenmitgliedern. Mitgliederstärkste Region war im vergangenen Jahr der Kirchenkreis Delmenhorst/Oldenburg Land mit 90.322 Gemeindemitgliedern.

Ohne genaue Zahlen parat zu haben, kann auch Pastorin Susanne Bruns, Vorsitzende des Gemeindekirchenrats, den Negativtrend bestätigen. „In den vergangenen Jahrzehnten gab es immer mal wieder Aktionen, wo wir uns bei denjenigen noch einmal gemeldet und geguckt haben, was der Auslöser dafür war“, erzählt sie. Es habe einige gegeben, die das toll fanden und auch irgendwann wieder zurück zur Kirche kamen, weil sie nur zwischenzeitlich aus finanziellen Gründen ausgetreten waren. „Es gibt aber auch einige, die fast gar keinen Kontakt zur Kirche haben. Bei denen hatten solche Aktionen richtigen Unmut ausgelöst“, erinnert sie sich.

„Kein Bezug zur Institution“

Den Grund für die bewussten Kirchenaustritte sieht Bruns nicht im fehlenden Glauben: „Sie sind Christen und fühlen sich auch so. Sie haben nur einfach keinen Bezug zur Institution Kirche vor Ort.“ Die Folge: Die Institution schrumpfe und viele Hauptamtliche könnten dadurch nicht mehr aktiv sein. Von vielen werde diese Tatsache gar nicht wahrgenommen. Andersherum gebe es aber auch Gemeindemitglieder, die eine starke Verbundenheit haben, betont Bruns.

Nachwuchs zu generieren sei aufgrund des demografischen Wandels schwieriger als zuvor. „Früher gab es einfach mehr Kinder und Jugendliche. Wenn bisher von 100 Konfirmanden zehn Prozent in der Kirche blieben und heute etwa sieben Prozent, dann ist zwar der Prozentsatz ähnlich, aber früher waren es zahlenmäßig einfach mehr“, erklärt die Pastorin. „Heute muss man gucken, dass man die Kinder vom PC wegbekommt. Das betrifft aber sämtliche Institutionen, nicht nur die Kirche.“