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Denkmalpflege in Hude Gaube tarnt im Haus Marienhude den Fahrstuhlkopf

Von Reiner Haase, Reiner Haase | 03.01.2018, 19:01 Uhr

Hude/Landkreis Oldenburg . Der englische Stil bleibt erhalten, wenn das Haus Marienhude umgebaut wird. Eine Gaube im vielgestaltigen Dach soll den Kopf des Fahrstuhls überdecken.

„Die große Herausforderungen ist der Einbau eines Fahrstuhls“, schwante Hein-Jürgen Thalen, als Hudes Bürgermeister Holger Lebedinzew dem Investor vor Jahresfrist den Schlüssel für das gerade erworbene Haus Marienhude überreichte. Sein Gefühl trog nicht: Es bedurfte etlicher Verhandlungen mit der Denkmalschutzbehörde, bis in dem dreigeschossigen Augenschmaus an der Hohen Straße der richtige Platz für den Lift gefunden war. Damit das Gebäude barrierefrei genutzt werden kann, wird der Fahrstuhl in der Nähe des Eingangs eingebaut.

Gaube in Dachlandschaft

„An keiner anderen Stelle des Hauses wäre der Fahrstuhl denkmalrechtlich vertretbar gewesen“, betont Stefan Effenberger von der unteren Denkmalbehörde beim Landkreis Oldenburg. Ohne Effenbergers Abhaken der Bauakte hätte Thalens Blinkfüer GmbH die geplanten Umbauten für neue Zwecke – eine Tagespflege unten, darüber betreutes Wohnen – nicht genehmigt bekommen. Erst die Idee, das Fahrstuhlkonstrukt in eine neue größere Gaube münden zu lassen, hat den Durchbruch gebracht. „Die neue Gaube wird sich in die vorhandene harmonische Dachlandschaft einfügen“, sagt Effenberger voraus.

Erhalt englischer Architektur

Englische Architektur macht dem Denkmalpfleger zufolge den Wert der über 100 Jahre alten Villa aus. Historische Aussage und geschichtlicher Prozess sollten möglichst unverfälscht erhalten bleiben. Und das sei mit dem Wunsch des Eigentümers nach Erneuerung und Modernisierung unter einen Hut zu bringen. „In diesem Spannungsfeld bewegt sich die Denkmalpflege“, stellt Effenberger fest.

Sprossen- und Schiebefenster

Häufig gehe es im Denkmalschutz um bessere Nutzbarkeit und barrierefreie Erschließung. Diese Wünsche seien grundsätzlich so wenig zu verweigern wie der Wunsch nach Verbesserung der Energiebilanz, resümiert Effenberger. Im Haus Marienhude, der ehemaligen Fabrikantenvilla Bornemann, ist ihm zufolge nicht nur die Lösung für den Fahrstuhl gelungen. Nach vielen Vorgesprächen über das Sanierungs- und Planungskonzept sei es allen Beteiligten gelungen, das historisch wichtige Erdgeschoss in wesentlichen Bereichen im Originalzustand und Bauteile wie zum Beispiel die original eingebauten Fenster, darunter seltene Schiebefenster zu erhalten und wieder gangbar zu machen. „Damit die einscheibenverglasten Fenster nicht zu einem energetischen Schwachpunkt im Gesamtkonzept werden, werden hier zusätzlich einfache Fenster mit Mehrscheibenverglasung eingebaut. Diese Fenster ordnen sich optisch den Originalfenstern unter und erfüllen ausschließlich den Zweck der Energieeinsparung“, erläutert der Denkmalpfleger.

Eigentümer werden unterstützt

Im Jahr 2017 hat der Landkreis Oldenburg verschiedene Erhaltens- und Sanierungsarbeiten an Baudenkmalen finanziell unterstützt. Für 15 Objekte wurden rund 51000 Euro bewilligt, um den Mehraufwand nach dem Denkmalrecht abzumildern.