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Diskussion in Ganderkesee Politiker streiten über Schulformen und Integration

Von Johannes Giewald, Johannes Giewald | 20.08.2016, 15:51 Uhr

Wie sieht die Zukunft der Schulen aus? Welche Konzepte gibt es für die Beschulung von Flüchtlingskindern? Im Wahlkampf diskutierten Parteienvertreter aus dem Landkreis über bildungspolitische Aufgaben.

Zukunft des Schulsystems, neues Personal für die Integration, Umsetzung der Inklusion, Demokratie an Schulen: Vertreter aller im Kreistag des Landkreises Oldenburg vertretenden Parteien diskutierten am Freitagabend im Schützenhof in Ganderkesee über bildungspolitische Herausforderungen und Lösungen. Eingeladen hatte dazu der DGB. Besonders die Themen Integration und die Entwicklung der Schulen im Landkreis erwiesen sich als Streitthemen unter verschiedenen Ansichten.

„Die Situation ist eine Katastrophe“, erklärte Landtagsabgeordneter Ansgar Focke (CDU) zu der aktuellen Problemlage der Integration der rund 600 neuen Kinder mit Sprachförderungsbedarf. An einigen Schulen gebe es nur eine Sprachlernklasse für 25 bis 50 Schüler, kritisierte Hermann Hitz, von der UWG Wildeshausen. „Da werden die Schulen alleine gelassen.“ Der Ruf nach personeller Aufstockung für die Integration in allen Schulformen wurde in der Runde laut.

Personalmangel als Problem

„Es gibt niemanden mehr auf dem Markt“, wandte Sabine Nolte von der Bildungsgewerkschaft GEW ein. Sie moderierte die Podiumsdiskussion. Personelle Lücken werden zum Teil schon von Lehramtsstudenten oder pensionierten Pädagogen gefüllt. Zusätzliche Freiwilligendienstleistende könnten die Lehrer bei der Arbeit unterstützen, schlug Nico Rettcher (SPD), Kreistagsmitglied im Landkreis Oldenburg, vor. Dies funktioniere jedoch nur als Ergänzung, niemals als Ersatz für professionelle Kräfte, erklärten Focke und Niels-Christian Heins (FDP Hatten).

Oberschule in der Kritik

Unterschiedlicher Meinung waren sich die Vertreter der Parteien in der Runde über die Zukunft des Schulsystems. „Bei jeder Regierung wird eine Veränderung in der Schulpolitik durchgeführt, daran erkrankt das Ganze“, sagte Arnold Hansen (Freie Wähler) aus Ganderkesee. In die Kritik geriet das Modell der Oberschule. „Oberschulen sind Augenwischerei zulasten aller Schulformen“, sagte Hella Dietz (UWG Ganderkesee). Oberschulen sollten daher in Gesamtschulen münden, schlug Udo Heinen von Grünen aus Ganderkesee vor. Die IGS in Wardenburg müsse jedoch mit mehr Geld unterstützt werden, um verbesserte Rahmenbedingungen schaffen zu können, forderten einige Vertreter der Runde.

Förderschulen müssen bleiben

Bei der Umsetzung der Inklusion waren sich die Vertreter einig, dass die Förderschulen erhalten bleiben sollen. Eltern sollen die Wahl der Schulform haben. Man müsse zwar jedem Kind die Möglichkeit geben, eine normale Schule zu besuchen, die Kinder sollten aber je nach Förderbedarf entsprechend eingeschult werden.

Das Thema Demokratie und Schule gab wenig Zündstoff für eine Diskussion. So wurde den Einwänden, dass „pädagogische Entscheidungen Pädagogen treffen sollten“ (Volker Beyer, Linke) und „Schulen ein Hausrecht haben sollten“ (Hella Dietz, ebenfalls UWG) kaum widersprochen.