Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Diskussion um Haus Cristina Rethorner Anwohner: „Maximal 20 Flüchtlinge“

11.06.2015, 11:15 Uhr

Bei einem Treffen vor dem als Flüchtlingsunterkunft angedachten Haus Cristina haben 15 Bürger erklärt, dass für sie die Zahl von 50 Flüchtlingen in dem Gebäude viel zu hoch ist. Eine Umfrage zeigt eine gemischte Stimmung. Von Antje Cznottka und Katja Butschbach

Sorgen um eine zu große Zahl von Flüchtlingen im Haus Cristina in Rethorn und Kritik an mangelnder Information durch die Gemeinde haben Mittwochabend bei einer spontanen Versammlung von Anwohnern vor dem als Flüchtlingsunterkunft angedachten Gebäude die Stimmung dominiert. Anwohner der Straße Am Kurpark und der umliegenden Straßen trugen in einem Gespräch mit dem dk ihre Forderungen an die Gemeinde vor, was eine Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Seminarhaus mit einer Wohn- und Nutzfläche von 1593 Quadratmetern betrifft.

Höchstens 20 Flüchtlinge gewünscht

Sie alle wünschen sich dort maximal 15 bis 20 Flüchtlinge – aber keine 50, wie es in einer Beschlussvorlage der Verwaltung steht, über die am Donnerstagabend, 11. Juni, um 18 Uhr im Sitzungssaal des Ganderkeseer Rathauses öffentlich diskutiert wird.

„Wir möchten ihnen helfen, aber es dürfen nicht zu viele sein“, erklärte eine Anwohnerin, die wie die übrigen nicht namentlich genannt werden möchte. „Wir haben nichts gegen Flüchtlinge“, stellte eine andere klar.

„Relationen müssen stimmen“

Die Relationen müssten stimmen, die Zahl zum Ort passen. An der Straße Am Kurpark gebe es insgesamt 32 Hausnummern; die Einwohnerzahl Rethorns liegt bei 1100.

Gefordert wird ebenfalls, dass rund um die Uhr jemand da ist, der sich um die Flüchtlinge kümmert. Begrüßen würden es die Anwohner, wenn Familien einziehen – und nicht ausschließlich alleinstehende Männer unterschiedlicher Glaubensrichtungen. Denn letztere Konstellation könne zu Konflikten führen.

Keine entsprechende Verkehrsanbindung

„Ich finde den Ort für Flüchtlinge gar nicht gut“, sagte ein weiterer Anwohner. Es gebe keine entsprechende Verkehrsanbindung, damit die Flüchtlinge einkaufen gehen können; der Bürgerbus halte für die verwaltungsseitig angedachte Zahl von 50 Flüchtlingen nicht genügend Plätze bereit.

Die Verwaltung hatte erklärt, bei der Unterbringung von Flüchtlingen in einzelnen Wohnungen an Grenzen zu stoßen – damit werden Sammelunterkünfte nötig. In einem Gespräch mit dem Berufsförderungswerk hatte sich dann die Möglichkeit Haus Cristina ergeben.

Umfrage zeigt kontroverse Ansichten

Bei einer Straßenumfrage des dk in Rethorn wurde derweil die Frage angesprochen, wie die Sicherheit – sowohl für Anlieger als auch für die Flüchtlinge – gewährleistet wird. Bei der Umfrage gab es insgesamt kontroverse Ansichten zu einer möglichen Flüchtlingsunterkunft: Hier war ebenfalls die Klage zu hören, nicht ausreichend über den Plan informiert worden zu sein. Zwar herrschte Verständnis dafür, dass die Flüchtlinge eine Bleibe benötigen würden . „Wir haben die Pflicht, Leute aufzunehmen, die Hilfe brauchen. Das ist auch gar nicht so uneigennützig“, sagte eine Anwohnerin. Immerhin bereicherten sich die verschiedenen Kulturen gegenseitig und die Flüchtlinge würden gebraucht, um die Renten zu sichern. Viele Anwohner sorgten sich aber auch, ob die Flüchtlinge gut betreut würden und Details, die eine umfassende Integration gewährleisteten wie zum Beispiel Sprachunterricht, auch geklärt würden, bevor die Flüchtlinge ins Haus Cristina einzögen. Auch auf der dk-Facebook-Seite wurde das Thema rege diskutiert.

Sozialausschuss tagt am Donnerstag, 11. Juni, um 18 Uhr

Eine Empfehlung dafür, was in Rethorn geschehen soll, gibt Donnerstagabend der Sozialausschuss ab. Anwohner haben bereits angekündigt, dabei sein zu wollen. Auch der Ortsverein Rethorn kommt: Von der Fraktion UWG/Marbach ist ein Antrag eingegangen, dass in der Sitzung direkt zum Tagesordnungspunkt Haus Cristina der Ortsverein angehört werden soll. Seitens der Verwaltung wird dieser Vorschlag begrüßt.

Eine endgültige Entscheidung fällt am 1. Juli nichtöffentlich im Verwaltungsausschuss. Zuvor soll es eine Bürgerversammlung geben.