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Diskussion um Standort nach Unfall Ganderkeseer Chlorgas-Opfer verlassen Krankenhaus

Von Thorsten Konkel | 03.04.2015, 20:00 Uhr

Die in der Nacht zum Mittwoch in der Ganderkeseer Firma Schmalriede-Zink GmbH & Co. KG durch das Einatmen von Chlorgas verletzten 16 Beschäftigten sind nun alle aus den Krankenhäusern entlassen worden, die letzten beiden am Donnerstagmittag.

„Wir sind sehr froh, dass es ihnen gut geht“, sagte Firmenchef Thomas Schmalriede am Donnerstag. Acht Mitarbeiter hätten schon am Mittwochabend wieder ihre Nachtschicht antreten können.

Diskussion um Standort entflammt neu

Nach dem Chemieunfall, bei dem laut ersten Ermittlungsergebnissen der Staatlichen Gewerbeaufsicht menschliches Versagen zur Vermischung von Chemikalien mit anschließender Bildung einer giftigen Chlorgaswolke geführt hat, ist die Diskussion um den Standort des metallverarbeitenden Betriebes neu entflammt. Schmalriede ist bereits seit 1987 nahe dem Ortskern im Ganderkeseer Gewerbegebiet an der Handelsstraße ansässig.

Forderung nach Umsiedlung

Der am Mittwochabend von Ratsmitglied Dr. Volker Schulz-Berendt (Grüne) gestellten Forderung nach der Umsiedlung des intensiv Chemikalien nutzenden Betriebes schloss sich die Fraktion UWG-Marbach am Donnerstag an. „Zu nahe an der bestehenden Wohnbebauung, zu gefährlich – auch im Störfall“ lautet die Kritik. Darüber hinaus stellt sie den Antrag, von einer Wohnbebauung östlich der Handelsstraße, so etwa auf der Köhlerwiese, abzurücken. Erst 2014 hatte die Politik dort dafür den Weg frei gemacht.

Gemeinderat warnt vor Schnellschuss

Ganderkesees Erster Gemeinderat Rainer Lange warnt vor Schnellschüssen und will die geplante Bebauung nicht infrage stellen: „Schmalriede ist zwar ein Betrieb, den man nicht gerne im Ort hat, doch wir haben keine rechtliche Handhabe und er hat alle Genehmigungen der zuständigen Behörden“, betont Lange. Das sind in diesem Fall der Landkreis für das Baurecht und die Gewerbeaufsicht des Landes. Statt Mutmaßungen aufzustellen, sei erst das Ergebnis der Untersuchung durch die Gewerbeaufsicht abzuwarten: „Wenn der Betrieb wirklich so gefährlich ist, muss er geschlossen werden“, forderte er.

Hohe Kosten für Firmenumzug

Einer Umsiedlung steht Firmeninhaber Thomas Schmalriede prinzipiell positiv gegenüber: „Das kostet aber mindestens zehn Millionen Euro. Woher sollen die kommen?“, fragt er. In wenigen Jahren sollen Schmalriedes Söhne die Firma übernehmen. „Das könnte ein günstiger Zeitpunkt für die Neuausrichtung sein“, sagt er.