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dk-Adventskalender 18. Türchen: Delme-Werkstätten in Ganderkesee

Von Katja Butschbach | 18.12.2015, 09:01 Uhr

An jedem Tag im Dezember bis Heiligabend öffnet das dk eine besondere Tür in der Region. Durch das 18. Türchen werfen wir einen Blick in die Delme-Werkstätten in

Das Produkt Kaffee soll in den Ganderkeseer Delme-Werkstätten bald einen großen Stellenwert einnehmen. Der dk-Adventskalender führt diesmal in eine – noch – kleine Kaffeerösterei.

In einer kleinen Röstanlage werden Kaffeebohnen langsam geröstet. Es erklingt ein Knacken, ähnlich wie bei Popcorn, das gerade zubereitet wird – ein Signal dafür, dass die Bohnen bald fertig sind. Kurz darauf stellt Mitarbeiterin Sabine Haschen die Anlage aus, damit die Bohnen nicht zu dunkel werden. 20 Minuten dauert so ein Röstvorgang.

Bis zu diesem dk-Adventskalender-Türchen und damit zu dem Raum, in dem beim Rösten ein wenig Dampf von der Anlage emporsteigt, geht es einmal durch die Delme-Werkstätten.

Ganderkeseer Kaffee in die ganze Welt

Die Vision von Betriebsleiter Stefan Martens ist, dass das Produkt Kaffee bald „einen großen Stellenwert“ in der Arbeit der Delme-Werkstätten bekommen soll. Der in Ganderkesee geröstete Kaffee soll auch im Onlineshop angeboten werden – und wäre damit laut Martens dann nicht nur regional, sondern sogar weltweit erhältlich.

Genehmigung des Zolls steht noch aus

Bis dahin ist aber noch einiges zu tun – aktuell wird der Kaffee im Förderbereich hergestellt und innerhalb des Hauses begeistert genutzt. Wenn der Kaffee verkauft wird, muss er im Arbeitsbereich der Delme-Werkstätten produziert werden – hier sei dann alles besser planbar.

Martens nimmt eine der frisch gerösteten ganzen Kaffeebohnen und probiert sie, lobt ihren Geschmack. Es steht nun noch die Genehmigung des Zolls aus – dies ist im Januar oder Februar 2016 „die nächste Hürde“. Klappt alles wie geplant, so wäre der Kaffee die erste Eigenproduktion der Delme-Werkstätten – bislang werde man für Auftraggeber tätig.

14 bis 15 Mitarbeiter für den Kaffee

Rösten, je nach Kundenbedarf mahlen, abwiegen, packen, etikettieren – all das zählt dann zum Arbeitsangebot, in dem 14 oder 15 Mitarbeiter der Delme-Werkstätten tätig werden sollen.

Jetzt werden Kontakte zu Lieferanten aufgebaut – und es wird viel getestet. „Ich muss dienstlich ganz viel Kaffee trinken“, sagt Martens mit einem Lachen. Auch die Mitarbeiter trinken laut Daniela Niqué gern Kaffee: Sie leitet die Gruppe an und sieht die Begeisterung der Menschen mit Behinderung, die im Förderbereich sind und den Kaffee rösten.

Etwas teurer als im Supermarkt

Der Kaffee werde etwas teurer sein als der aus dem Supermarkt, kündigt Martens an. Grund ist die aufwendigere Röstung: Die in den Delme-Werkstätten gerösteten Bohnen sind zuvor nach dem Lendrich-Verfahren behandelt worden. Im Silo werden sie mit heißem Wasserdampf benetzt, sodass sich Säuren herauslösen. Der so entstandene Kaffee sei magenschonend. Die Röstung in den Werkstätten erfolgt langsam – und damit auch schonender. Martens betont, dass in den Werkstätten qualitativ hochwertige Arbeit geleistet wird. An den Etiketten für den Kaffee arbeitet aktuell noch die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit. Braune wiederverschließbare Tüten für den Kaffee hat er aber bereits geordert – sie sollen befüllt und verschweißt verkauft werden.

275 Mitarbeiter aktiv

Auch in den Bereichen Wäscherei, Verpackung und Montage, Garten- und Landschaftspflege, Fahrradwerkstatt und Näherei sind die Mitarbeiter der Delme-Werkstätten in Ganderkesee und Urneburg aktiv. Im Förderbereich angesiedelt sind unter anderem Papierwerkstatt und Kaffee. Das Kaffeerösten, das als Arbeitsangebot im Förderbereich begonnen hat und dort für den internen Bedarf fortgesetzt werden soll, gibt den hier tätigen Menschen mit Behinderung Arbeit – auf die sie ein Recht haben, betont Martens. Niqué freut sich, dass die Gruppe jetzt innerhalb des Betriebes anders wahrgenommen wird und „etwas zurückgeben kann“.