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dk-Sommergespräch Otto Sackmann: „Heide soll Grundzentrum werden“

Von Thorsten Konkel | 29.08.2015, 09:24 Uhr

Otto Sackmann, Vorsitzender der Fraktion UWG-Marbach, äußert sich im dk-Sommergespräch zu neuen Baugebieten.

Herr Sackmann, welche politischen Erfolge gab es aus Sicht Ihrer Fraktion bislang im Jahr 2015?

Otto Sackmann: Die bereits beschlossene Ortsumgehung für Delmenhorst wird nicht gebaut. Die Lärmwände entlang der Bahnlinie in den Bereichen Bookholzberg, Rethorn, Schierbrok und Hoykenkamp werden aufgestellt. Der vor Jahren gestellte Antrag, den Bahnsteig zu erhöhen, wird verwirklicht. Die an der Kreisstraße in Immer aufgestellte Kadaverkiste ist umgestellt. Wir haben uns zusammen mit den Einwohnern von Rethorn und Stenum dafür eingesetzt, dass die alte Schule in Rethorn weiterhin benutzt wird.

Welches politische Thema ist vor der Sommerpause liegengeblieben und muss nach Ende der Ferien möglichst rasch angegangen werden?

Die beantragten Sitzgelegenheiten am Sielingsee wurden nicht aufgestellt. Ganz wichtig ist, dass die Tunnelung der Bahnlinie in Schierbrok beschlossen wird und die Gelder dafür in die Haushalte 2016 von Gemeinde und Kreis eingestellt werden. Es fehlen abschließbare Fahrradständer an den Bahnhalten in Bookholzberg, Schierbrok und Hoykenkamp. In Elmeloh sollte ein Bushaltehäuschen an der Straße „An der Wurth“ und eine Ampel an der Elmeloher Straße aufgestellt werden. Über die Tonnen- und Geschwindigkeitsbegrenzung für den Trendelbuscher Weg sollte der Rat noch einmal beraten.

Wie will Ihre Fraktion sich diesen Themen annehmen?

Wir werden mit den anderen Fraktionen Gespräche führen und entsprechende Anträge stellen.

Die Zahl der Flüchtlinge, die in der Gemeinde untergebracht werden müssen, steigt: Sehen Sie sich beim Thema Flüchtlinge auf einem guten Weg?

Als Flüchtlingskind des Zweiten Weltkrieges erinnere mich noch sehr gut, wie meine Eltern mit drei Kindern in einem kleinen Bauerndorf aufgenommen wurden. Alle Flüchtlinge wurden untergebracht. Einige mussten für kurze Zeit beengt wohnen, wie meine Familie. Wir bekamen nach kurzer Zeit entsprechend der Familiengröße eine Baracke. Schon vor Längerem war bekannt, dass Flüchtlinge nach Deutschland und auch in den Kreis und die Gemeinde kommen werden. Aus den Erfahrungen des Weltkrieges hätte man sich entsprechend vorbereiten müssen. Wichtig ist jetzt, dass alle an einem Strang ziehen. Dazu gehört aus unserer Sicht, dass die Bürger nicht nur durch die Presse, sondern auch durch Bürgerversammlungen in mehreren Orten hinreichend informiert werden.

Muss man zur Flüchtlingsunterbringung über mehr Objekte sprechen als über Rethorn und Steinkimmen?

Wir hoffen, dass die Besitzer leerer Wohnungen diese den Flüchtlingen zur Verfügung stellen, weil das die bessere Unterbringung als in einem Container oder einer Sporthalle ist. Wir haben mehrere Anträge auf den Weg gebracht. Und wir waren mit den Rethornern immer im Gespräch.

Braucht die Gemeinde sozialen Wohnungsbau?

Die Gemeinde hat vor Jahren am Brüninger Weg mehrere Wohnungen gebaut. Leider hat man sie verkauft. Viele Familien können sich heute von ihrem Einkommen keine notwendige Wohnung leisten. Deshalb sollte die Gemeinde kurzfristig preiswerte Gebäude bauen.

Allgemein zum Thema Baugebiete: Wo gibt es in der Gemeinde Bedarf?

Ganderkesee ist eine ländliche Gemeinde. Bis vor Kurzem gab es drei Grundzentren: Ganderkesee, Bookholzberg und Heide/Schierbrok. Mehrheitlich hat der Rat beschlossen, dass es nur die Grundzentren Ganderkesee und Bookholzberg gibt. Die Fraktion UWG-Marbach war nicht dafür. Auch Heide/Schierbrok soll wieder Grundzentrum werden. Im nördlichen Gemeindebereich sollten Baugebiete entstehen. In Heide und in Schierbrok gibt es Lebensmittelgeschäfte und in Elmeloh wird ein Markt geplant. In Bookholzberg gibt es nur Aldi und inkoop; es gab da einmal ein Schuh-, Bekleidungs-, Uhren- und Haushaltswarengeschäft. Bürger kaufen jetzt in Delmenhorst Dinge ein, die es „zu Hause“ nicht gibt. Darum müssen in diesem Bereich die Einwohnerzahlen steigen. Zur Ansiedlung anderer Geschäfte braucht man Käufer. Dieser Tage sagte mir jemand aus Heide, dass die Heider besser in Delmenhorst aufgehoben wären. Ich antwortete, dass die Heider es auf jeden Fall besser hätten.

Lässt sich der Wunsch von Gewerbe und Häuslebauern nach Bauland in einer Landgemeinde wie Ganderkesee noch mit den Interessen von Landwirtschaft und Naturschutz vereinbaren?

Ja, wenn die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. Leider gibt es in der Gemeinde einige Fehlplanungen. Die Interessen von Landwirtschaft und Naturschutz gab es einmal. Heute ist dies durch die Gesetzgebung infrage zu stellen.

Mit zwei Märktezentren im Norden ist eine große Konkurrenz für den Einzelhandel im Süden etwa an der Rathausstraße geschaffen worden. Wie kann die Zukunft der Kaufleute im südlichen Ortskern sichergestellt werden?

Ein Sprichwort sagt: „Wer sehr hoch hinaus will, der fällt auch tief.“ Planer, Verwaltung und Politiker hätten aus der Situation in Bookholzberg lernen können. Keiner kann einen Bürger zwingen, wo und was er kauft.

Wie stellen Sie sich die Gestaltung des Marktplatzes vor? Liegt für Sie ein guter Entwurf auf dem Tisch?

Der Umbau des Marktplatzes kostet nur viel Geld. Aus meiner Sicht ist der Entwurf nicht gut. Der Marktplatz ist umgeben von Rathausstraße, Wittekindstraße und Grünem Weg. Wozu braucht man dann noch eine Straße um den Marktplatz? Sitzmöglichkeiten und Kinderspielgeräte sollten aufgestellt und kleinwüchsige Bäume oder Büsche gepflanzt werden.

Es wird viel über Ganderkesee gesprochen: Was sind Herausforderungen in anderen Ortsteilen?

Siehe Diskussion um Baugebiete und Grundzentren für Schierbrok und Heide..

Ab wann geht bei Ihnen der Kommunalwahlkampf los ?

Wir sind als Bookholzberger oder Elmeloher immer für die Bürger aus allen Orten da, nicht nur kurz vor der Kommunalwahl.