Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

dk-Sommergespräche Arnold Hansen: „Wichtig, Schulwege zu sichern“

Von Katja Butschbach | 27.08.2015, 09:13 Uhr

Über Flüchtlingsunterbringung und eine möglichst attraktive Rathausstraße spricht Arnold Hansen im dk-Sommergespräch.

Herr Hansen, welche politischen Erfolge gab es aus Sicht Ihrer Fraktion bislang im Jahr 2015?

Arnold Hansen: Der Bedarf zusätzlicher Kinderbetreuungsangebote wurde in den letzten Jahren zunehmend deutlich. Im Juni 2014 haben die Freien Wähler in einem Antrag zum wiederholten Mal den Bau von neuen Kinderkrippen/Kindertagesstätten im Hauptort Ganderkesee im Bereich nördlich der Bahn gefordert. Hier zeichnet sich nun eine Lösung ab. Zudem wird es Anbauten an anderen Kindertageseinrichtungen geben, so dass das Konzept – Kindergarten immer mit angegliederter Kinderkrippe – in absehbarer Zeit Realität sein wird.

Welches politische Thema ist vor der Sommerpause liegengeblieben und muss nach den Ferien möglichst rasch angegangen werden?

Für uns ist wichtig, dass wir die Schulwegsicherung vorantreiben. Als ein Beispiel nenne ich den Bereich Heider Weg/Buchenweg in Heide. Dort waren wir bei einem Außentermin Zeugen eines Beinahe-Unfalls zwischen einem Auto und zwei kleinen Kindern. Hier ist schnellstens Abhilfe zu schaffen. Das ist auch mit relativ geringem finanziellem Aufwand möglich. Ähnlich sieht es an einigen anderen Stellen in der Gemeinde aus. Im Nachtragshaushalt 2015 wurden über 200000 Euro für Verkehrsinseln in Falkenburg bereitgestellt, ohne dass erhöhtes Verkehrsaufkommen, Geschwindigkeitsüberschreitungen oder Unfallhäufigkeit die Notwendigkeit einer solchen Maßnahme hergeben. Ich hoffe nicht, dass die Sicherheit unserer Kinder hinter Wahlgeschenken hintenanstehen muss. Auch der ländliche Wegebau muss zeitnah vorangetrieben werden. Die gerechte Verteilung der Kosten ist die Herausforderung. Aber auch da bin ich optimistisch, dass wir das hinbekommen.

Die Zahl der Flüchtlinge, die in der Gemeinde untergebracht werden müssen, steigt: Sehen Sie sich beim Thema Flüchtlinge auf einem guten Weg?

Wie alle anderen niedersächsischen Städte und Kommunen wird auch die Gemeinde Ganderkesee ihren humanitären Beitrag im Rahmen der Flüchtlingsunterbringung leisten und leisten müssen. Es geht in erster Linie um Hilfe an unseren Mitmenschen. Hilfe für in Not geratene Menschen darf kein Ausdruck politischer Couleur sein – es ist eine Frage der Nächstenliebe. In diesem Punkt sind sich die Fraktionen von CDU, FDP, Freie Wähler, Grüne und SPD einig. In einem gemeinsamen Antrag haben wir uns für die Begrenzung der Belegung von Gemeinschaftsunterkünften mit maximal 25 Personen pro Standort sowie für ausreichende Betreuung und alle weiteren notwendigen Maßnahmen ausgesprochen. Die jetzt anstehenden Zahlen erfordern aber flexible Reaktionen. Ich würde mir noch mehr Bereitschaft zur Unterbringung von Einzelpersonen aus der Einwohnerschaft wünschen.

Muss man zur Flüchtlingsunterbringung über mehr Objekte sprechen?

Die Frage hat sich für Ganderkesee doch noch nie gestellt. Wir bringen die Menschen von Beginn an dezentral unter. Ich bin davon überzeugt, dass wir die anstehenden Herausforderungen gemeinsam mit der Verwaltung, der Politik, den Ehrenamtlichen, dem Landkreis, dem Arbeitskreis und vor allem mit den Bürgern von Ganderkesee ganz ohne Aufregung bewältigen.

Braucht die Gemeinde sozialen Wohnungsbau?

Eindeutig ja. Bei der Gemeindeentwicklung ist verstärkt auch sozialer Wohnraum zu schaffen. In neu auszuwerfenden Baugebieten muss ein bestimmter Anteil für den sozialen Wohnungsbau vorgesehen werden. Aus Sicht der Freien Wähler ist darauf zu achten, dass wir diese Wohnräume über die gesamte Gemeinde streuen. Es dürfen sich keine Parallelgesellschaften bilden.

Allgemein zum Thema Baugebiete: Wo gibt es in der Gemeinde Bedarf?

Die Gemeinde ist ein begehrter Wohnort, das zeigen die Zuzugszahlen der vergangenen Jahre. Die Weiterentwicklung der drei Hauptsiedlungsbereiche Ganderkesee-Ort, Bookholzberg und Heide / Schierbrok hat sicherlich Vorrang. In den Bauerschaften wollen wir nur sehr behutsam entwickeln. Da kann es nur darum gehen, den jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, zu Hause zu bauen.

Lässt sich der Wunsch von Gewerbe und Häuslebauern nach Bauland in einer Landgemeinde wie Ganderkesee noch mit den Interessen von Landwirtschaft und Naturschutz vereinbaren?

Ja, wenn man das Vorhergesagte berücksichtigt, dann schon. Als Freie Wähler stehen wir für die familiengeführte Landwirtschaft und den Erhalt unseres Lebensraumes. Gerade im ländlichen Bereich, und dazu zählen die Bauerschaften ja, steht die Wohnbebauung nachrangig zur Landwirtschaft.

Wie kann angesichts der neuen Märktezentren im Norden des Ortes die Zukunft der Kaufleute im südlichen Ortskern sichergestellt werden?

Die Konkurrenz ist nicht nur durch die größeren Märkte entstanden. Hätten wir die nicht gebaut, wären die Leute aus Ganderkesee heraus zu Märkten im Umland gefahren. Für die Zukunft der Kaufleute im südlichen Ortskern ist ein vernünftiger Branchenmix unabdingbar. Eine Rathausstraße muss einladen zum Bummeln und Verweilen. Das tut sie zum großen Teil auch, zum Teil aber eben nicht. Wenn ein Bürgersteig seit Jahren als Parkplatz alter, teils nicht mehr fahrbereiter Fahrräder fungiert, ist das eben nicht schön. Die Fassaden einiger Geschäfte könnten auch durchaus eine optische Aufwertung vertragen. Letztlich muss der Handel seine Probleme selbst in den Griff bekommen. Die Politik kann hierbei nur flankierend unterstützen, indem sie die Bauleitplanung entsprechend steuert.

Wie stellen Sie sich die Gestaltung des Marktplatzes vor? Liegt für Sie ein guter Entwurf auf dem Tisch?

Der Architekt hat einen ganz gelungenen Entwurf vorgelegt. Es wird immer so sein, dass die Interessenlage teilweise konträr ist. Die Bürger müssen mitgenommen werden, ohne dass viele Köche den Brei verderben. Für uns ist es wichtig, dass dort eine Aufenthaltsqualität geschaffen wird, die zum Verweilen einlädt. Derzeit finden sich in dem Bereich drei Optiker auf engstem Raum. Wie oft geht denn der Bürger im Jahr beim Optiker bummeln? Also ein Mix aus Gastronomie und verschiedener Geschäfte ist zwingend erforderlich. Außerdem muss darauf geachtet werden, dass Barrierefreiheit gewährleistet ist.

Es wird viel über Ganderkesee gesprochen: Was sind Herausforderungen in anderen Ortsteilen?

Neben Ganderkesee hat es auch in Bookholzberg in den letzten drei Jahren große Veränderungen gegeben. Der Umbau der Geschäftsstraße und nun noch der Ortsdurchfahrt hat viel Kraft und Geld gekostet und den Bürger Bookholzbergs viel Geduld abverlangt. Heide war vor einigen Jahren stark im Fokus, in Hoykenkamp haben wir den ersten Abschnitt des Hohenborn und die Querspange fertiggestellt. In Elmeloh wurden kleinere Baugebiete ausgeworfen, die Vermarktung läuft aber nur schleppend. So wie es aussieht, siedelt sich dort aber in absehbarer Zeit ein Nahversorger an. In Falkenburg haben wir ein Baugebiet ausgeworfen, in Havekost soll ein Kreisel kommen. Es wird vielleicht viel über Ganderkesee gesprochen, aber die anderen Ortsteile werden nicht vernachlässigt.