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Doris Schröder-Köpf referiert Ganderkesee: Pool an Helfern für Flüchtlinge geplant

Von Katja Butschbach | 16.04.2015, 22:04 Uhr

Ein Vortrag von Doris Schröder-Köpf soll mehr Bürgerhilfe für Flüchtlinge in Gang bringen. Die Bereitschaft zu helfen ist Studien zufolge groß.

„Integration ist kein Idyll – Eine Herausforderung für Einheimische und Einwanderer“: Über dieses Thema spricht Doris Schröder-Köpf, Niedersächsische Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, am 7. Mai im Gymnasium Ganderkesee. Jeder ist zu diesem von der Bürgerstiftung organisierten Abend bei freiem Eintritt eingeladen.

Zuwanderung Chance für Gemeinschaft

Dr. Hans-Georg Zechel, Vorsitzender der Bürgerstiftung: „Ob Flüchtlinge in unserem Land willkommen sind, kann keine Politik regeln.“ Es sei Sache der Bürger selbst. Die Zuwanderung sei „eine richtige Chance für die Gemeinschaft“.

Zwei Drittel aller Deutschen seien laut Studien bereit, Flüchtlingen zu helfen – mit persönlichem Einsatz oder mit Sachspenden. „Wir müssen diese Hilfe jetzt abholen“, sagte Rolf Schütze, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung. Auch Astrid Fuchs aus der Bürgerstiftung, die sich intensiv um das Thema Flüchtlinge kümmert, erläuterte, dass die Institutionen nicht all die Hilfe für Flüchtlinge leisten können, die notwendig sei. Die Diakonie, die in Ganderkesee Flüchtlinge betreut, sei auch auf Mithilfe angewiesen: So sei manchmal einfach ein Auto mit Anhängerkupplung notwendig. Oder Kinderbetreuung, wenn die Mutter gerade in einem Sprachkurs ist. Idee sei, eine Art Pool an Helfern aufzubauen.

Diskussion geplant

„Wir sind richtig happy, dass eine neutrale Person uns helfen will, etwas Bewegung in die Debatte zu bringen“, sagte Zechel über den bevorstehenden Vortrag. Nach einer Begrüßung durch Bürgermeisterin Alice Gerken-Klaas soll Schröder-Köpf 25 Minuten sprechen. Dann steht eine Diskussion an – hier soll laut Fuchs auch darauf eingegangen werden, was Menschen mit Vorbehalten sagen. Sie selbst erfahre für ihr Engagement viel Interesse. „Ich bin Bürgerin dieser Gemeinde, und deshalb geht mich das etwas an“, sagte Fuchs, die Schröder-Köpf für den Besuch in Ganderkesee gewonnen hat.

Bereits einige Projekte für Flüchtlinge auf die Beine gestellt

Die Bürgerstiftung hat bereits einige Projekte für Flüchtlinge auf die Beine gestellt: Sie finanzierte einen Sprach- und Orientierungskurs, kaufte Fahrräder für Flüchtlinge, finanzierte Fahrkarten vom Flüchtlingswohnheim zum Kursort in Ganderkesee und plant für den Herbst ein Feriensprachcamp für Kinder mit Migrationshintergrund im RUZ Hollen. Astrid Fuchs hat auch bei einer Versammlung des Freundeskreises KulturHaus Müller die Besucher überzeugt, für Wörterbücher zu spenden. Die Bürgerstiftung möchte nun weitere Wörterbücher finanzieren. Akademiker sollen große Wörterbücher mit 1472 Seiten erhalten – drei sind bereits verteilt: Die Bücher sind für die Asylbewerber wichtig.

Der 25-jährige Amjad Khzam lebt seit neun Monaten im Asylbewerberheim: Flüchtlinge brauchen, so Sandra Baba, Flüchtlingsberaterin der Diakonie, eine Beschäftigung. So hospitiert Khzam im Orientierungs- und Sprachkurs, den er bereits einmal belegt hatte, und befasst sich mit dem Wörterbuch. Für die Flüchtlinge ist auch die Ungewissheit belastend: Sepan Lawand (29), seit zweieinhalb Monaten in der Gemeinde, hat Angst davor, dass er vielleicht nicht bleiben darf. Die beiden Syrer haben studiert und wollen an ihrer Zukunft arbeiten.