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Drama um den Bomber-Absturz 1940 Flugblätter statt Bombenfracht im Flugzeugbauch

Von Dirk Hamm | 05.03.2016, 12:00 Uhr

Der Absturz eines britischen Bombers 1940 in Ganderkesee wird noch einmal unter die Lupe genommen. Gerd von Seggern arbeitet an einer Rekonstruktion der tragischen Ereignisse.

Unvermittelt war der Krieg ganz nahe: Ein britisches Flugzeug wurde in der Nacht zum 24. März 1940, einem Ostersonntag, von der am Flugplatz Adelheide postierten Flak unter Beschuss genommen. Kurze Zeit später stürzte der Bomber des Typs Vickers Wellington am Fahrener Weg in Ganderkesee ab. Eines der sechs Besatzungsmitglieder, der Kopilot Douglas Wilson, kam an Ort und Stelle ums Leben. Der Pilot, Philip Templeman, erlag sieben Tage später seinen schweren Verbrennungen.

Die abgestürzte Maschine, die laut dk-Bericht vom 26. März 1940 „wie eine schwebende Fackel“ zu Boden glitt, hatte statt einer Bombenlast Flugblätter geladen. Das ausgebrannte Flugzeug war nach Tagesanbruch Anziehungspunkt für Wehrmachtsangehörige und Dorfbewohner. Einige der Kinder, die die Absturzstelle gesehen haben, können heute, 76 Jahre später, als Augenzeugen über die grausige Szenerie berichten.

Erste detaillierte Aufarbeitung vor sechs Jahren

Genau darauf setzt Gerd von Seggern: Der Ganderkeseer hat sich vorgenommen, diese tragische Kriegsepisode in all ihren Facetten aufzuarbeiten und die Chronologie des Flugs der Vickers Wellington zusammenzutragen. Vor zwei Jahren hat sich der 51-Jährige Hobbyforscher erstmals akribisch mit einem Kapitel des Zweiten Weltkriegs befasst – einem ganz entscheidenden: Mit großer Detailgenauigkeit eignete sich der bekennende „England-Fan“ die gesamten Abläufe und Hintergründe des D-Days, des alliierten Landungsunternehmens in der Normandie, an. Die Ergebnisse präsentierte er in zwei öffentlichen Vorträgen.

Bereits vor sechs Jahren ist der Absturz der Vickers Wellington von Mitgliedern der Interessengemeinschaft Modell & Dioramenbau in der Delmenhorster Feldwebel-Lilienthal-Kaserne rekonstruiert worden. Einzelheiten wurden auch auf dieser Seite vorgestellt (Von Hus un Heimat, 23. Oktober 2010). „Als ich davon gelesen habe, hat mich das Thema gepackt“, sagt Gerd von Seggern.

Mithilfe weiterer Zeitzeugen erhofft

Den Ball hatte damals der Engländer Norman Wilson ins Rollen gebracht, der nach den Spuren seines Bruders, des getöteten Kopiloten, suchte. Es konnte geklärt werden, dass die letzte Ruhestätte von Wilson und Templeman auf dem Friedhof der St. Cyprian- und Cornelius-Kirche ist.

Gerd von Seggern hat nun Artikel gesammelt, in britischen Archiven gewühlt und mündliche Erinnerungen ausgewertet. Auch konnte er zu Norman Wilson Kontakt aufnehmen. Jetzt hofft er darauf, dass sich weitere Zeitzeugen bei ihm melden. So soll Stück für Stück das Puzzle zusammengefügt und ein noch genaueres Bild der tragischen Ereignisse vom März 1940 gewonnen werden.