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Drei Betroffene operiert Stenumer Klinik hilft Patienten aus Leer

Von Katja Butschbach | 18.12.2015, 20:43 Uhr

Die Stenumer Klinik ist mit 20 Patienten, die in Leer fehlerhafte Prothesen erhalten haben, in Kontakt. Drei Patienten sind bereits operiert worden. Die Klinik plant 2016 einige Anschaffungen.

Die Stenumer Klinik hilft Patienten, die am Klinikum Leer fehlerhafte Bandscheibenprothesen eines Herstellers aus Großbritannien erhalten haben. Die Stenumer Klinik stehe in Kontakt mit Leer und sei angefragt worden, da sie für die Art von Operation Ausbildungs- und Hospitationsklinik ist, erklärt Dr. Jan Spiller.

Material in den Wirbelkörper gelaufen

Der Leitende Arzt Departement Wirbelsäulenchirurgie in Stenum zeigt in einem Besprechungsraum eine Röntgenaufnahme, auf der eine defekte Bandscheibenprothese zu sehen ist. Die Prothese ist aufgerissen, das Material in den Wirbelkörper gelaufen, erläutert der Mediziner. Mit einer Greifzange könnten die in den Knochen gelaufenen Teile entfernt werden.

Wirbelsäule beweglich halten

Die Patienten seien größtenteils jünger, zwischen 20 und 50 Jahren. Hier gehe es darum, die Wirbelsäule beweglich zu halten. Operiert wird nicht vom Rücken aus, sondern durch den Bauch. An den Blutgefäßen vorbei kommt der Mediziner dann an die Wirbelsäule. Vom Rücken an die entsprechende Stelle zu kommen, sei fast unmöglich, da hier die visuelle Kontrolle schlecht sei. In den letzten zehn Jahren seien in der Klinik über 5000 dieser Zugänge gemacht worden.

Erster Patient vor zwei Wochen operiert

Vor zwei Wochen ist laut Spiller der erste betroffene Patient in Stenum operiert worden, zwei weitere folgten. In allen drei Fällen konnte eine neue Prothese eingesetzt werden, eine Versteifung erfolgte nicht. Insgesamt betreut die Stenumer Klinik 20 Patienten aus Leer, hat mit vielen jetzt regelmäßige Kontrollen vereinbart.

„Es muss erst mal keiner operiert werden“, stellt Spiller die Ausgangssituation klar. Wenn bei den Patienten allerdings Beschwerden vorhanden seien und das Implantat kaputt sei, sei der Fall anders. Die in Leer eingesetzten Prothesen seien nun aber schon drei Jahre im Körper – wenn etwas passiere, dann meist relativ zügig.

„Am Boden zerstört“

Klinik-Sprecherin Daniela Wolff schildert ein Gespräch mit einem der drei Patienten, der in ihrer Klinik bereits eine Revisions-OP hatte: Durch die Nachricht von den in Leer eingesetzten fehlerhaften Bandscheibenprothesen sei der Patient „am Boden zerstört“ gewesen.

Die Patienten, die mit dieser Problematik nach Stenum kommen, haben laut Spiller Misstrauen entwickelt und müssten „entkatastrophisiert“ werden: „Es ist ein hochsensibles Thema.“ Ein enges, intimes Gespräch sei erforderlich, um wieder Vertrauen aufzubauen. In Stenum selbst – die Klinik hatte früh mitgeteilt, die betroffenen fehlerhaften Bandscheibenprothesen nicht verwendet zu haben – habe es nur wenige entsprechende Anfragen gegeben. Die zuweisenden Ärzte seien per Rundschreiben informiert worden.

„Als Arzt ist man nur einem verpflichtet – dem Patienten“

Mit der Expertise für diese Art von Operation habe die Stenumer Klinik im Umkreis von einigen hundert Kilometern ein Alleinstellungsmerkmal. In Düsseldorf und in Berlin würden ähnliche Behandlungen von Patienten aus Leer stattfinden, sie seien auch dort hin empfohlen worden.

„Als Arzt ist man nur einem verpflichtet – dem Patienten“, sagt Spiller. Dies habe man mit dem Hippokratischen Eid geschworen. Er rechnet damit, dass weitere Patienten aus Leer kommen werden. Er betont in Bezug auf das Klinikum Leer: „Es ist ein gutes Krankenhaus.“

Revisionen ein Drittel von allen OPs in der Stenumer Klinik

Allgemein machten Revisionen ein Drittel von allen OPs in der Stenumer Klinik aus; sie „sind tägliche Arbeit in einer Fachklinik“. Es gebe hierbei drei Anlässe für Revisionen: Einmal, dass nicht gut operiert wurde oder dass es durch einen Sturz Probleme gebe. In der zweiten Konstellation entwickeln die Patienten nach vielen Jahren in der Nähe des operierten Bereichs Folgeerscheinungen. Die jetzige Situation stellt für ihn eine Sonderform dar – „ein strukturelles Problem“.

In Stenum, so Wolff, ist in diesen Tagen oft bis spät abends operiert worden, in zwei Schichten. Sie vermutet, dass diese gute Belegung an einem guten Ruf liege, den die Klinik mittlerweile genieße. Sie blicke sehr positiv ins kommende Jahr.