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Drohnen und Modellflugsport Drohnen bringen Delmenhorster Modellflieger in Not

Von Reiner Haase, Reiner Haase | 15.10.2016, 20:39 Uhr

Der Gesetzgeber will Ordnung in den ungeregelten Bereich der Drohnenfliegerei bringen. Das bringt die Modellflugvereine in die Bredouille.

Kein Elektronik-Markt ohne einen Stand mit Multikoptern gleich am Eingang oder im Kassenbereich: Der Verkauf unbemannter Fluggeräte boomt und dürfte im kommenden Weihnachtsgeschäft einen neuen Höchststand erreichen. Das ist der Politik und den Behörden nicht entgangen, denn gleichzeitig steigt die Zahl gefährlicher Zwischenfälle im Luftraum drastisch.

Abgeordnete sammelt Erfahrungen

Die Europäische Union sieht Regelungsbedarf, und das Bundesverkehrsministerium arbeitet an einer Verordnung, die diesen Teil der Flugsicherung abdeckt. Doch das, was bisher zu Papier gebracht ist, droht den Modellflugsport zu ersticken. Das hat Astrid Grotelüschen, Bundestagsabgeordnete der CDU, am Sonnabend bei Besuchen bei Luftsportvereinen in ihrem Wahlkreis, in Elsfleth, in Dötlingen und auf der Großen Höhe in Ganderkesee, erfahren.

„Modellflieger sind keine Drohnen“

Beim Treffen der Politikerin aus Großenkneten mit Modellfliegern des Luftsportvereins Delmenhorst auf der Großen Höhe waren sich beide Seiten einig, dass schon alleine der Datenschutz, der Schutz der Privatsphäre und das Haftungsrecht Regelungen erforderlich machen. Mit großer Sorge registrieren die in Vereinen und Verbänden organisierten Modellflieger aber, dass in der bisher veröffentlichten Fassung der Verordnung alle unbemannten Fluggeräte über einen Kamm geschoren werden. „Wir brauchen eine klare Trennung von Modellflugsport und Drohnen-Fliegerei“, forderte Heiko Gesierich, der zweite Vorsitzende des Flugsport-Landesverbands. „Bei diesem Besuch ist mir klar geworden: Modellflieger sind keine Drohnen “, pflichtete ihm Grotelüschen bei.

Reizthema 100-Meter-Obergrenze

Nachweis von Kenntnissen über den Umgang mit den Flugzeugmodellen und Fernbedienungen und über den Luftraum, Kennzeichnungspflicht, Pflichtversicherung gegen Schäden, die die kleinen Maschinen verursachen könnten – all das sei für die Modellflieger kein Problem, betonten Heiko Gesierich und sein Bruder Achim, der Vorsitzende des LSV Delmenhorst. Was für die Modellflieger allgemein und ganz besonders für die Delmenhorster gar nicht gehe, sei die Begrenzung der Flughöhe auf 100 Meter, wie sie derzeit im Verordnungsentwurf vorgesehen sei, ergänzte Martin Kopplow, der schon manchen Wettbewerb wie nationale und internationale Deutsche Meisterschaften auf dem in der Szene der Modellflieger beliebten Flugplatz auf der Großen Höhe organisiert hat.

Auch Jugendarbeit in Gefahr

In internationalen Wettbewerben seien Übungen in teils mehr als 3000 Metern Höhe gefordert. „In 100 Metern Höhe gibt es die für die Modellfliegerei erforderliche Thermik gar nicht“, steuerte Grotelüschen an diesem Tag hinzugewonnenes Wissen bei. Sie räumte ein, dass sie bis dahin praktisch keine Kenntnisse von diesem Feld der Freizeitgestaltung hatte. Die Vielzahl eingegangener Mails habe ihr die Augen geöffnet, und sie wolle sich in Berlin dafür einsetzen, dass die Vereine mit engagierter Jugendarbeit nicht unter einer Verordnung leiden, die auf ein ganz anderes Problem abzielt.

Vereine zu Schulungen bereit

Heiko Gesierich stellte klar, er habe kein Problem mit professionell und verantwortungsvoll eingesetzten Drohnen. „Beim Großbrand im Josef-Hospital war er äußerst wichtig“, blickte er ein paar Wochen zurück. Versierte Modellflieger in den Vereinen stehen ihm zufolge bereit, Schulungen anzubieten, wenn den rund 400000 nicht organisierten Modellfliegern eine Art Führerschein abverlangt wird.