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Düstere Prognosen für Syrien André Bank analysierte in Ganderkesee „doppelten Stellvertreter-Krieg“

Von Alexander Schnackenburg | 29.01.2016, 15:04 Uhr

Die syrische Opposition möchte sich nicht an den Genfer Friedensgesprächen beteiligen. Von dieser Nachricht, die erst gestern Morgen durchsickerte, wusste Dr. André Bank noch nichts, als er am Donnerstagabend im KulturHaus Müller über den Syrienkonflikt referierte.

Gleichwohl stufte er die Chancen auf erfolgreiche Friedensgespräche bereits ohne die verheerende Neuigkeit als „sehr gering“ ein.

Bank analysiert komplizierten Bürgerkrieg

Vor über 50 Zuhörern, die der Einladung der regioVHS zum Gespräch mit Bank gefolgt waren, zeichnete der Wissenschaftler das Bild von einem Bürgerkrieg in Syrien, der seit seinen Anfängen im Jahr 2011 nach und nach immer komplizierter geworden sei, nicht zuletzt, weil sich immer mehr Akteure mit gegenläufigen Interessen eingeschaltet hätten.

Analyse eines „Doppelten Stellvertreter-Krieg“ in Ganderkesee

Das GIGA (German Institute of Global and Area Studies), in dessen Auftrag Bank über Syrien forscht, spricht inzwischen gar von einem „doppelten Stellvertreter-Krieg“: „über die Hegemonie im Nahen Osten“ und „über die Hegemonie in der Weltpolitik“. Während etwa die Vereinigten Staaten, Frankreich, Großbritannien und Deutschland die syrische Opposition unterstützten, unterstützten China und Russland das Assad-Regime. Doch auch in der Region um Syrien gebe es unterschiedliche Interessen. Beispielsweise bezeichnet Bank Saudi-Arabien als größten Unterstützer der Opposition, Iran dagegen als größten des Assad-Regimes.

Bürgerkrieg aus friedlichen Protesten erwachsen

Dem „Islamischen Staat“ kommt Bank zufolge, grob vereinfacht, eine Trittbrettfahrer-Rolle in dem Konflikt zu. Denn ursprünglich erwachsen sei der Bürgerkrieg infolge friedlicher Proteste syrischer Oppositioneller im Zuge des „Arabischen Frühlings“. Nach dem Vorbild Tunesiens und Ägyptens habe sich im Jahr 2011 auch manch Syrer liberalere Verhältnisse erhofft. Assad aber habe die Demonstrationen brutal niedergeschlagen und mit Scharfschützen, Giftgas und Bombenangriffen die Zahl der Toten in die Hunderttausende getrieben, jene der Flüchtlinge in die Millionen.

Vortrag in Ganderkesee beleuchtet Flüchtlingssituation

Seither herrsche der Krieg. Derzeit seien rund 12 Millionen Syrer auf der Flucht, davon etwa 4,6 Millionen außerhalb des Landes, vor allem im Libanon, in Jordanien und in der Türkei. Diese Länder, so Bank, hätten bei der Versorgung der Flüchtlinge ungleich mehr zu leisten als beispielsweise Deutschland.