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E-Mobil-Workshop in Ganderkesee Im Elektroauto soll’s rund um die Welt gehen

Von Reiner Haase | 20.01.2016, 12:33 Uhr

Roland Klose ist ein Fan der Elektromobilität. In Ganderkesee baut er mit Gleichgesinnten Boxen fürs schnelle Stromtanken zusammen.

Manchmal hat Roland Klose den Schalk im Nacken. „Schauen wir uns erst einmal den Motorraum an“, sagt er, steigt in seinen Tesla, zieht den Hebel, sodass die Haube aufspringt – und der ahnungslose Gast blickt in einen mit Teppichboden ausgelegten Kofferraum. „Ach nee“, sagt Klose, „der hat ja Heckantrieb.“ Rum ums Auto, Klappe auf, und wieder ist ein makelloser Stauraum zu sehen. Jetzt Schluss mit lustig: „Im ganzen Unterboden sind Batterien verbaut“, erklärt Klose, „und der 35 Kilo schwere Elektromotor befindet sich direkt an der Achse.“ Sein Tesla ist ein reines E-Mobil.

Preis für Ladebox nach unten geschraubt

„Verbrenner dürfen hier nicht rein“, stellt Roland Klose an diesem Sonnabend klar: In der Starofit-Halle im Ganderkeseer Gewerbegebiet stehen Autos mit reinem Elektro-Antrieb, Renaults, Nissans, Kias, Smarts und Teslas. Die Fahrer arbeiten an einer großen Werkbank. Klose hat die E-Mobil-Enthusiasten zu einem Workshop eingeladen. Aus elektrischen und elektronische Teilen wird ein Bausatz gefertigt, der die Zeit des Aufladens von bis zu acht oder neun Stunden auf 30 bis 45 Minuten verkürzt. Wer selbst zu Schraubenzieher und Lötkolben greift, spart neben Zeit auch noch Geld: „Mit dieser Ladebox funktioniert das an jeder Drehstrom-Steckdose“, erläutert Klose, „sie kostet sonst 1500 Euro und im Selbstbau gerade mal 300 Euro.“

Tankplatz in Ganderkesee gesucht

„Ein solcher Workshop wird nirgendwo anders angeboten“, begründet Fabian Becker die Anreise aus Duisburg. Andere E-Mobilisten kommen aus Berlin, Köln, Pinneberg, Stade, Tecklenburg, Diepholz und Bremen. Ein Duo leitet die Arbeiten an: Carsten Hünecke ist für Hardware- und Roland Klose für Software-Fragen zuständig. Klose wünscht sich Professionalisierung zugunsten der E-Mobilität: „Für die Herstellung der Ladeboxen suche ich einen erfahrenen Elektromeister“, sagt er. Gemeinsam mit diesem will Klose auch gerne Ganderkeseer Eigentümern geeigneter Grundstücke, zum Beispiel eines Verbrauchermarkts, davon überzeugen, dass Stromtanksäulen günstiger zu haben sein können als die bisher meist aufgestellten Standardsäulen für 15000 Euro und mehr.

Gut geplant gelingen Fernreisen

Leistungsfähigkeit haben Elektroautos schon reichlich bewiesen. Klose zum Beispiel war fünfmal in Österreich, zweimal mit dem großen Tesla, dreimal mit dem kleineren Renault ZEO. Seine Erfahrung: Das Netz der Ladestationen ist noch dünn, aber mit ein bisschen Planung sind lange Touren machbar. Der Duisburger Becker, jetzt Mitbastler in Ganderkesee, ist im letzten Jahr mit seinem Tesla 6600 Kilometer von Südspanien bis zum Nordkap gefahren und hat dafür 100 Stunden gebraucht. In diesem Jahr plant er mit Freunden und mehreren E-Autos ganz Großes: In 80 Tagen rund um die Welt. Den Einwand, in China werde es Probleme geben, lässt er nicht gelten: „Ein Freund aus China kommt mit seinem Denza zu uns, fährt mit und wird uns gut durch sein riesiges Heimatreich lotsen.“