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Ehefrau mit Messer getötet Gericht fällt Urteil im Prozess um Tod in Wardenburg

Von Ole Rosenbohm | 12.12.2017, 18:53 Uhr

Der 37-jährige Täter muss für dreizehneinhalb Jahre ins Gefängnis. Auch die Staatsanwaltschaft hatte auf Totschlag plädiert.

13 Jahre und sechs Monate Haft lautet das Urteil des Landgerichts Oldenburg gegen einen 37-Jährigen, der vergangenen Mai seine gleichaltrige Ehefrau in Wardenburg mit neun Messerstichen umgebracht hat.

Gericht: Delikt war kein Mord

Was vor Prozessbeginn vor zwei Monaten niemand erwartet hatte:

Das Schwurgericht unter dem Vorsitz Sebastian Bührmanns verurteilte den Mann, einen vor über einem Jahrzehnt aus dem Irak eingewanderten yezidischen Kurden, wegen Totschlags und nicht zu lebenslänglich wegen Mordes.

Schaurige Tat

Die schaurige Tat hatte sich mitten in der Nacht ereignet. Der Mann, so das Gericht, stach seiner wohl schlafenden Ehefrau mit einem 15 Zentimeter langen Küchenmesser in den Oberkörper. Die Frau wachte auf, floh nach oben im Haus, musste weitere Stiche hinnehmen.

Frau stirbt im Zimmer ihrer schlafenden Kinder

Sie starb im Zimmer ihrer schlafenden Kinder an Verblutung sowie kollabierenden Lungenflügeln.

Der Angeklagte selber rief die Polizei, versuchte nicht, die Tat abzustreiten. Die fünf damals anwesenden Kinder von vier bis 15 Jahren sollen den Tod der Mutter zunächst fast gleichmütig hingenommen haben, wie Polizisten erschüttert berichteten. Mindestens ein Kind sagte, die Mutter habe den Tod verdient – vielleicht instruiert vom Vater.

Mordmerkmal „Heimtücke“ nicht beweisbar

Obwohl Bührmann keine Zweifel an der Absicht des Angeklagten hegte, fehlten ihm doch entscheidende Merkmale für eine Verurteilung wegen Mordes: Hat die Frau wirklich geschlafen, als der Mann die Stiche ansetzte? Dann wäre es das Mordmerkmal „Heimtücke“, das sich letztlich aber nicht endgültig beweisen ließ. Der Angeklagte hatte angegeben, die Tat habe sich aus einem Streit heraus entwickelt.

Das Motiv ist aber nicht der Streit um Erziehung oder nicht zubereitetes Essen, ist sich das Gericht sicher. Hintergrund ist eine für den Mann nicht aufgearbeitete und überwundene Affäre der Frau, ausgerechnet mit dem Bruder des Angeklagten.

Eifersucht als zentrales Motiv

Eifersucht als zentrales Motiv wäre nach Auffassung von Gericht und Staatsanwaltschaft aber kein „niederer Beweggrund“, was auch ein mögliches Mordmerkmal wäre. „Wir kommen in die Nähe der Mordmerkmale, aber nicht ganz zu ihnen“, sagte Bührmann. Der die Familie des Opfers vertretende Anwalt Kristian Stoffers sieht das anders. Der Täter hätte sich nicht nur einfach hintergangen gefühlt. Man müsse auch seine grundsätzliche Einstellung berücksichtigen: die besondere Geringschätzig gegenüber dem Opfer, sein demonstriertes Besitzrecht, das seien diese vom Gesetz geforderten niederen Bewegründe.

Revision angekündigt

Stoffers plädierte so auf Mord, will in Revision gehen. Die Verteidigung des Angeklagten hatte sieben Jahre gefordert, die Staatsanwaltschaft 15 Jahre wegen Totschlags.

Offenbar hohes Gewaltpotenzial

Der Prozess hatte auch ein Licht auf die Verhältnisse bei hierzulande lebenden Yeziden gesetzt. Dieser Fall sei allein bei seiner Kammer schon der vierte ähnlich gelagerte in den vergangenen Jahren, sagte Richter Bührmann. Immer seien Messer im Spiel gewesen.