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Ehepaar Kurzawski ehrenamtlich aktiv „Sehr angenehme Atmosphäre“ mit Flüchtlingen in Ganderkesee

Von Thomas Deeken, Thomas Deeken | 02.03.2016, 07:51 Uhr

Anders als in vielen Teilen Deutschlands, in denen die Stimmung gegenüber Flüchtlingen inzwischen gekippt ist, scheint es in der Gemeinde Ganderkesee kaum Probleme zu geben. Das sehen zumindest Monika und Erich Kurzawski vom Arbeitskreis Flüchtlinge so.

Das Ehepaar organisiert nicht nur die Essenausgabe für die Flüchtlinge im Schützenhof. Es ist auch seit Anfang des vergangenen Jahres stets mit dabei, Angebote wie Fahrrad-Reparaturwerkstatt, Nähstübchen und Verkehrsunterricht ins Leben zu rufen, und hat dadurch nahezu täglich Kontakt mit Syrern, Irakern, Albanern und anderen Menschen, die hier Asyl suchen. „Ich spüre hier eine sehr angenehme und freundliche Atmosphäre“, sagt Monika Kurzawski – sowohl bei den inzwischen mehr als 100 Flüchtlingen, die dreimal täglich zum Essen kommen, als auch bei den Helfern.

Weitere Helfer gesucht

Bedauerlich sei allerdings, dass das ehrenamtliche Helferteam von 42 auf etwa 35 Personen geschrumpft sei – aus beruflichen und aus gesundheitlichen Gründen. Außerdem sei eine Helferin schwanger geworden.

Es habe auch, „was die Stimmung betrifft, eine kleine Hängepartie gegeben“, so Erich Kurzawski, als in der dritten Januar-Woche gleich viele Flüchtlinge auf einmal kamen. Grund sei allerdings der plötzlich erhöhte Arbeitsaufwand gewesen. Inzwischen habe sich aber alles wieder eingependelt. Dennoch würden noch weitere Ehrenamtliche, die bei der Essenausgabe im Schützenhof mithelfen wollen, gesucht. Sie sollten sich beim Ehepaar Kurzawski unter Telefon (04222) 8357 oder bei der Gemeindeverwaltung unter Telefon (04222) 44500 melden. Die Helfer könnten sich selbst im Dienstplan eintragen – an einem der sieben Wochentage, morgens, mittags oder abends. Oder sogar mehrmals, je nach Wunsch.

Teams gebildet und Freundschaften entwickelt

Inzwischen hätten sich unter den Helfern kleine Teams gebildet, die gerne zusammenarbeiteten. Und es hätten sich auch Freundschaften unter den Ehrenamtlichen entwickelt, die sich zum Teil vorher überhaupt nicht kannten. Unterstützt würden die Helfer von einer ganzen Reihe von Flüchtlingen, „die gerne mit anfassen, Tische abdecken, Geschirr abwaschen und mit dem Besen kehren wollen“, so das Ehepaar. Dabei setzten sie alles daran, möglichst viele deutsche Wörter wie Gurke, Tomate, Brot und Brötchen zu lernen, und amüsierten sich darüber, dass der Schuh, sonst nur an den Füßen vermutet, in Form eines Handschuhs auch für die Finger gedacht ist.

Erstaunt sei Erich Kurzawski darüber, dass viele Albaner seit Monaten in der Turnhalle am Habbrügger Weg sitzen und „weder laut fluchen oder den Aufstand proben, obwohl sie wissen, dass die Syrer und Iraker viel früher eine Wohnung bekommen“. Und obwohl sie wissen, dass die meisten von ihnen wieder abgeschoben werden. „Das trifft uns dann auch, weil wir inzwischen eine Beziehung zu ihnen aufgebaut haben“, so Monika Kurzawski. Ebenso wie ihr Mann bewundere sie die Flüchtlinge, wie sie die lange Zeit in der Turnhalle oder der Mobilhalle, nur durch Tücher voneinander getrennt, aushalten könnten. Dazu Erich Kurzawski: „Man muss sich einfach mal vorstellen, wie 40 Ganderkeseer über einen langen Zeitraum in einem Zelt leben. Ob das wohl gut ginge?“.