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Sitterdienst in Ganderkesee Ehrenamtliche verschenken Zeit

Von Biljana Neloska | 04.02.2019, 18:15 Uhr

Zita und Fritz Hobbensiefken sind ehrenamtlich im Sitterdienst für pflegende Angehörige tätig. Darum machen diese Arbeit seit mehr als 20 Jahren.

Sie sind von Anfang an beim Sitterdienst dabei: Zita (77) und Fritz (75) Hobbensiefken. Die beiden Ganderkeseer engagieren sich seit mehr als 20 Jahren ehrenamtlich, um pflegenden Angehörigen zu helfen.

Das ist auch das erklärte Ziel des Ganderkeseer Sitterdienstes: pflegende Angehörige stundenweise entlasten. Wer Partner, Eltern, Schwiegereltern oder Kinder zu Hause pfleg, kann dadurch mitunter starker Belastung ausgesetzt sein. Um diese zumindest teilweise abzufangen, betreuen die ehrenamtlichen Helfer die zu pflegende Person, um den Angehörigen etwas Zeit für sich zu verschaffen.

So auch Zita und Fritz Hobbensiefken. Losgegangen sei diese Tätigkeit aus persönlichen Gründen. Zita Hobbensiefken sei Ende der 1980er selbst Teil eines Gesprächskreises für pflegende Angehörige gewesen, weil sie zu diesem Zeitpunkt ihre Mutter gepflegt habe. "Allein, um an der Gruppe teilzunehmen, brauchte ich zeitweise jemanden, der dann für mich zu Hause ist. Man hat dann auch bei Nachbarn oder Freunden angefragt, aber oftmals war es sehr schwierig, jemanden zu finden. Und so ist mit unserer damaligen Gruppenleiterin die Idee zum Sitterdienst entstanden", berichtet Zita Hobbensiefken.

Regelmäßig im Einsatz

Seit 1996 ist sie regelmäßig einmal die Woche als Sitter im Einsatz. "Die Chemie muss natürlich auch passen und die Leute müssen Vertrauen zu uns haben. Die Menschen, die wir jetzt betreuen, kennen wir jetzt schon sieben Jahre", sagt Zita Hobbensiefken.

Sie selbst sei aktuell bei einer Frau, die früher Lehrerin war, einen Schlaganfall hatte und ihren Beruf nicht mehr ausüben konnte. "Wenn ich dann vorbeikomme, trinken wir erstmal einen Kaffee, dann verbringen wir den Nachmittag mit Spielen wie 'Mikado' oder 'Vier gewinnt'. Wenn es schön ist, setzen wir uns nach draußen auf die Terrasse." Fritz Hobbensiefken betreut eine Frau im Rollstuhl.

"Wir sind dann meist zuerst draußen eine Stunde unterwegs. Dann unterhalten wir uns. Sie lebt jetzt allein, also entlaste ich im Moment eigentlich niemanden. Aber ich möchte sie jetzt nicht ganz alleine lassen", erklärt Fritz Hobbensiefken.

Vertrauen ist wichtig

So ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, sei nicht unbedingt immer einfach. Gerade für die Angehörigen sei es zunächst häufig eine große Hürde, überhaupt nach Hilfe zu fragen. Das geschehe dann oftmals erst aus großer Not.

"Die Betroffenen stehen den ganzen Tag unter großem Druck. Diese Stunden, wenn wir im Einsatz sind, können sie dann nutzen, dringende Dinge zu erledigen oder auch einfach etwas Ruhe für sich haben und den Kopf für einige Zeit frei zu bekommen", sagt Zita Hobbensiefken und ergänzt: "Beide freuen sich, wenn ich anrufe und sage, dass ich heute vorbeikomme. Auch für die pflegende Person ist es eine Abwechslung."

Aber warum macht man diese Arbeit seit mehr als 20 Jahren? "Man könnte sagen, wir verschenken Zeit. Das ist eine schöne Sache, für jemanden Zeit zu haben. Wir geben damit ein Stück Lebensqualität, aber wir kriegen auch viel zurück", finden beide.

Warum nicht etwas Gutes tun

"Und ich denke immer, uns geht es ja gut, warum sollen wir dann nicht auch etwas Gutes tun", so Zita Hobbensiefken.

Im Moment gibt es im Sitterdienst acht Ehrenamtliche, die aktiv sind. "Aber wir brauchen mehr. Es ist nicht so schön, wenn Anfragen kommen und wir dann absagen können, weil wir keine Leute haben", so die 77-Jährige. Wer könnte Sitter werden? "Im Grunde jeder, der Menschen mag, der Zeit übrig hat und sich im sozialen Bereich engagieren möchte", so der 75-Jährige.

Der Sitterdienst gehört zur Diakonie Delmenhorst/Oldenburg Land. Weitere Informationen gibt es bei der Kirchenkreissozialarbeiterin Anastasia Warkentin unter Telefon (04435) 38 99 50 und per E-Mail: anastasia.warkentin@diakonie-doll.de.